Trailerlebnisse am Donaukamm

Ein Trailhouse? Zugegeben: ein ungewöhnlicher Name für ein Bike-Camp – und dennoch ganz wunderbar passend, wie sich herausstellte. Aber von Anfang an ….

Das Haus

Das Trailhouse ist zuerst einmal tatsächlich ein Haus – in unserem Fall ein entzückendes uriges Holzhäuschen auf dem Gelände des wahrhaft idyllischen Waldferiendorf Dürrwies (ein absoluter Geheim-Tipp für Gruppen!), nicht weit von Deggendorf und dem Geißkopf gelegen. Ich komme ein wenig spät und werde von den anderen Teilnehmerinnen, die es sich bereits auf der Mini-Terrasse gemütlich gemacht haben, herzlich begrüßt. Grillduft hängt in der Luft und die übrige Glut erwärmt die frische Abendluft immerhin so weit , dass wir den Abend draußen verbringen und uns schon mal ein wenig „beschnuppern“ können. Guide Petra will wissen, was wir erwarten und erhoffen – und schnell zeigt sich, dass, so klein unsere Gruppe auch ist, wir doch mit ganz unterschiedlichen Geschichten und Anliegen kommen. Was uns vereint, ist die Lust auf Biken (gar nicht so ganz selbstverständlich, wo doch der Wetterbericht für die kommenden Tage wenig Gutes verheißt), der Wunsch, neue Wege zu entdecken, dabei ein Stückchen weiter zu kommen, nicht nur im geographischen Sinne.
Irgendwann tauchen wir dann ein in den heimeligen Charme unseres Trailhouse, unser Home Base für die kommenden zwei Tage, das uns mit verwinkelten Ecken und niedrigen Decken, knarzenden Holzböden und gemütlichen Schlafkojen mit rotweiß-karierten Federbetten umfängt und sanft einen tiefen Schlaf leitet.

Das Gebiet

Ich blinzle, öffne die Augen, tauche auf aus meinem Traum …. und schrecke hoch: 9 Uhr! Jessas – so lange habe ich schon lange nicht mehr geschlafen! Ich richte mich auf, blicke auf leere Betten und vernehme Gelächter von unten. Die anderen sitzen schon am Frühstückstisch und haben mich einfach mal ausschlafen lassen. Herrlich! Bei frischen Semmeln und Kaffee überlegen wir, wie wir den Tag gestalten. Draußen schüttet es. Wir lassen es gemütlich angehen, vergleichen Regenradar-Apps, auf der Suche nach der, deren Film uns am besten gefällt. So wirklich in Frage stellt keine, OB wir heute biken gehen – zu geschickt hat uns Petra gestern Abend noch die Gegend und ihr Trail-Potential verkauft; die Frage ist nur, WANN. Nach einer Weile siegen die Gruppendynamik und die Neugier über das Zaudern: wir packen uns in Regenklamotten, möglichst ganzheitlich, und ziehen hinaus, den Bayrischen Wald rund um den Donau-Kamm zu entdecken. Kalt ist es nicht und beim ersten Anstieg rauf Richtung Rusel wird uns allen endgültig warm. Wir biegen auf die erste kleine Trailrunde ein – und schon überrascht mich das Gebiet ganz gehörig: Wo ich vor allem tiefen Wald-Morast und (nasse) Wurzeln erwartet hatte, rumpelt es ganz ordentlich unter den Rädern. Und so soll es bleiben: Erstaunlich steinig, teilweise etwas verblockt, bisweilen sogar einen Tick geröllig ist die Region nicht ganz so zahm, wie wir es vermutet hätten, dabei zugleich aber bestens fahrbar – vor allem, weil selbst der nasse Stein wunderbar griffig (anstatt schmierig-rutisch wie bei mir zuhause) ist. Nach ein paar zögerlichen Minuten vertraue ich dem Untergrund und von da an regiert der Spaß! Petra, die die Region wie ihr Westentasche kennt, führt uns durch den mystisch anmutenden Märchenwald von Trail über Trail zu Trail, es geht kontinuierlich auf und ab und die Zeit verrast im Nu. Die Gegend darf sich ohne Scham als „Home of Trails“ bezeichnen! Wir passieren zahlreiche Aussichtspunkte, deren Ausblickspracht heute jedoch ein wenig … „bedeckt“ ist (auch wenn Petra ihr bestes tut, das Bild vor unserem inneren Auge entstehen zu lassen); lediglich den Abstecher rauf zum Gipfelkreuz des Breitenauer Riegel lassen wir uns nicht nehmen. Zum Glück ist der Regen im Wald eher ein Nieseln, das nicht weiter stört, und unsere Laune nicht trüben kann. Schon ist es fünf Uhr und wir stehen wieder vor unserem Hüttchen, in dem wir den Kamin anheizen, um die nassen Klamotten, Schoner und Schuhe zu trocknen, und bei heißem Tee und Nusszopf den aktiven Tag in einen gemütlichen Abend hinübergleiten lassen.

Am nächsten Morgen müssen wir unser Domizil morgens nach dem Frühstück bereits wieder räumen. Fast ein wenig schade. Wir fahren hinunter nach Deggendorf und starten von dort auf eine Tour mit klarem Charakter: es geht rauf, gut 800Hm am Stück – und wieder hinunter. Dabei zeigt sich die Auffahrt zum Dreitannenriegel erstaunlich abwechslungsreich mit steilen Schotterbändern entlang pläschternder Bäche, durchaus fordernden trailigen Abschnitten und dahinrollenden Teerpassagen. Gemeinsam mit dem Hunger kommen wir gegen Mittag oben am Gipfelmassiv an und machen erst einmal Brotzeit. War es unten noch sonnig und warm, zerren wir im grauen Nebelband schnell alles aus dem Rucksack, was dieser hergibt, und fühlen uns ein wenig wie im Herbst, nicht wie im Juli. So fällt die Pause kurz aus – vielleicht auch, weil Petra nun wahrhaftigen Trailspaß bis hinab verspricht. Wir tauchen in den Wald hinein und rumpeln uns die Steinpisten hinab. Zugegeben: nicht allen macht das Spaß und doch wächst jede von uns an dem Tag mit den Aufgaben. Und als am Ende sich hinter ganz unscheinbaren Abzweigen, doch tatsächlich noch ein paar flowige Weglein öffnen, steht uns allen das Grinsen ins Gesicht geschrieben als wir zu den Autos zurück kommen.

Das Format

Zuhause – so fühlen wir uns auch ganz schnell in unserer Gruppe. Das liegt zum einen an ihrer ganz bewusst klein gehaltenen Größe: Gerade einmal fünf Teilnehmerinnen sind wir – und haben damit fast das ausgeschriebene Maximum erreicht. Bewusst klein soll es sein, das Trailhouse von Bremsspur, das ist Konzept. Das erlaubt Flexibilität im Programm und öffnet Möglichkeiten für individuelle Wünsche. Das schafft Nähe, Platz für Kommunikation, Austausch, Gemeinschaft – und lässt dennoch Rückzugsraum für das Ich und den inneren kleinen oder größeren Kampf mit den Anforderungen des Raums. So verbünden wir uns gegen die mal schroffen, mal losen Zähne des Gesteins und feiern gemeinsam seine Eroberung. Selbst unterschiedliche Levels spielen eine erstaunlich geringe Rolle, es harmoniert. Wie immer stelle ich fest: Ich bin beim Biken gerne unter Frauen, das tut mir gut – und anscheinend anderen auch.

Daneben ist es Petras Verdienst, dass wir von diesem Wochenende so viel mitnehmen werden. Als erfahrener Guide und Fahrtechnik-Trainerin navigiert sie uns gekonnt durch das Gebiet und seine Herausforderungen. Eine kurze Technik-Einheit gibt jeder von uns einen Fokus, ein Bild mit, mit dem wir die zwei Tage mental bestens beschäftigt sind, uns aber von Anfang an auch Erfolgserlebnisse beschert. Mit gekonntem Blick legt sie den Finger in die „Wunden“ – dabei jedoch empatisch und alles andere als schmerzhaft. Mit ihrem fröhlichem Wesen würzt sie uns den Tag … und das einzige, was für mich an den Tagen unerfüllt bleibt, ist die Einkehr in die Bergwachthütte, deren vielgepriesener guter Kuchen den gesamten Tag in meinem Geist Walzer tanzt …

Mehr über das Event, dessen erste Ladies-Only-Austragung ich erleben durfte, unter: https://www.bremsspur-bergradsport.de/produkt/trail-house-bayerischer-wald/

 

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