Testbericht: SCOTT Spark Contessa 710

Testbericht: SCOTT Spark Contessa 710

Das SCOTT Contessa Spark 710 ist die Trailversion des erfolgreichen Siegerbikes SCOTT Spark RC 900. Grund genug für uns es mit zum 24h von Finale Ligure zu nehmen und zusammen mit seinem erfolgreichen großen Bruder über den Rundkurs von Le Manie zu jagen. Obwohl es sich bei dem Spark Contessa 710 um die kleine pummelige Schwester des durchtrainierten 29er Carbon Bruders handelt wollten wir sehen wie sich das Bike mit Aluminium Rahmen, Plus Bereifung und Federwegsplus auf dem feinen Trailrundkurs auf der Hochebene unter Zeitdruck bewegen lässt. Und weil uns das nicht genug war, haben wir das Rad auch noch ein paar Wochen über die Münchner Isartrails und durch die bayrischen Voralpen gejagt. Viel Spaß mit unserem Testbericht!

Das SCOTT Contessa Spark 710- frei nach dem Motto „pink macht flink“

Kurz und knapp:

Das Scott Spark Contessa 710 soll vor allem Bikerinnen ansprechen, die sich ihre Abfahrten selber erarbeiten wollen aber auch auf Kontrolle und Komfort viel Wert legen. Als Schwester eines der erfolgreichsten Cross-Country Bikes bietet das Contessa Spark 710 etwas mehr Federweg (130mm Federweg an der Front und 120mm am Heck) und vor allem breitere Reifen (27,5×2.8 ) als die 29er Rennfeilen. Gemeinsam mit der so abgeflachten Geometrie bringt das Bike so schnell nichts aus der Ruhe.

  • ausgewogene Geometrie (66.9° Lenkwinkel)
  • Federweg: 130 mm (vorne), 120 mm (hinten)
  • Laufradgröße: 27,5″x2.8″
  • Gewicht: 13.5kg
  • Antrieb: GX Eagle 12fach

Preis (UVP): ab 3599 €

Auf dem Racetrack:

Die Eckdaten lassen bereits vermuten, dass Frau es mit diesem Bike meistens eher entspannter angehen lässt. Was passiert aber, wenn man das Bike in guter alter Manier um einen anspruchsvollen Cross-Country Rundkurs in einem 24h Rennen jagt?

Der Komfortgewinn durch die extra breiten Reifen, das Federwegs-Plus und die flachere Geometrie versprechen vor allem eine Reduktion der Vibration und Schläge auf die Muskulatur und damit eine gesteigerte Ausdauerfähigkeit. Zudem vermögen die fetten Reifen, nach zwei Nächten Schlafmangel, eine verpatzte Linie zu retten. Auf der anderen Seite der Medaille sind da natürlich das erhöhte Gesamtgewicht von über 13kg und der erhöhter Rollwiderstand der Reifen zu erwähnen.

Aber genug spekuliert! Franzi packte gleich auf der ersten Runde den von ihr beschriebenen BEAST MODE aus und fuhr jeden einzelnen der technischen und knackigen Anstiege ohne auch nur einen Fuß abzusetzen. (10% Twinloc Traction Modus, 10% breite Reifen, 80% purer Wille, ihren Rennbericht findet ihr übrigens hier).

Insgesamt haben im Rennverlauf 4 Fahrerinnen und Franzis Freund Tobi das Spark Contessa 710 bewegt. Folgendes ist uns dabei aufgefallen:

  • Größe: Franzi ist ca.169cm groß und hat eine Schrittlänge von ca.80cm. Damit hat sie bei Rahmengröße S die Sattelstütze ca. 1cm über das Maximum herausziehen müssen und würde die Rahmengröße M bevorzugen. Auch unserer Testerin Steffi mit kürzeren Beinen war das Bike in Größe S von der Oberrohrlänge etwas zu kurz geraten.
  • Geometrie: Aufsitzen, wohlfühlen! Die Sitzposition auf dem Rad ist bequem und aufrecht. Durch die Tatsache dass uns das Rad etwas zu klein war neigte das Vorderrad bei sehr steilen Anstiegen zum Abheben. Bergab vermittelte die hohe Front hingegen viel Sicherheit; Testerin Steffi ließ sich davon sogar dazu verleiten mit dem Rad kleinere Gaps und Drops zu springen.
  • Bremsen: Die Shimano Deore Bremsen mit 180mm Bremsscheiben haben uns begeistert. Sie hatten eine tollen festen Druckpunkt und für den Einsatzzweck in jeder Lage ausreichen Bremspower. Besonders im Vergleich zu den SRAM Level TLM Bremsen am größeren Carbon Bruder konnten diese wenn auch günstigen Bremsen überzeugen. Upgradetipp: Wer trotzdem gerne noch #MEHRBUMS haben möchte kann mit einer größeren Bremsscheibe günstig nachrüsten.
  • Antrieb: Die GX Eagle Gruppe mit einem 30er Kettenblatt lässt jeden steilen Anstieg erklimmen und ist eine gute Wahl der Produktmanager. Sie verrichtete im gesamten Testzeitraum unauffällig ihren Dienst.
  • Twinloc: Mit dem Twinloc-Hebel von Scott lassen sich der sowohl der Dämpfer als auch die Gabel gleichzeitig in 3 Stufen justieren. Wobei die letzte Stufe ein sehr straffes komplett geschlossenes Setup bietet – sprich das Fahrwerk lässt sich komplett blockieren und tut keinen Mucks mehr! Dies ist vor allem bei längeren Fahrten in der Ebene oder auf Asphalt bergauf sehr praktisch, da es viel Kraft spart. Aber auch im offenen oder im Traction-Modus arbeitet der Hinterbau effizient und kann dadurch im Uphill auf Trail eine noch größere Traktion erzeugen.
  • Absenkbare Sattelstütze: Die Funktion der Fox Transfer Sattelstütze war im gesamten Testzeitraum seidenweich. Die gemeinsame Befestigung der Sattelstützenremote mit dem Twinlock-Hebel verhinderte jedoch eine individuelle Einstellung des Cockpits. Dadurch war der Hebel der Sattelstütze nur durch ein umgreifen zu erreichen. Da das Contessa Spark 710 in der Abfahrt jedoch ein so sicheres Gefühl vermittelte benutzen Teile der Racecrew die Remote gar nicht oder nur selten. (Scott hat bereits nachgearbeitet und soeben auf der Eurobike 2018 eine neuen Twinloc-Hebel vorgestellt der mehr Ergonomie verspricht. )
  • Reifen: Die Maxxis Rekon Reifen mit 27.5“x2.8“  sind vorne in der griffigen 3C MaxxTerra und hinten in der schneller rollenden MaxxSpeed Mischung montiert. Auf dem losen und trockenen Untergrund von Finale Ligure war in jeder Fahrsituation ausreichend Grip vorhanden. Obwohl die Reifen mit Schlauch montiert waren, ließ uns die EXO-Karkasse nie im Stich. Und wir konnten das Rennen ohne Platten und Defekt nach 24h beenden. Allerdings merkt man im direkten Vergleich zu den schmaleren Reifen des Bruders RC900 das hohe Trägheitsmoment und die fehlende Spritzigkeit.  Upgradetipp: auf den 30mm breiten Felgen lässt sich ebenfalls eine moderatere Reifenbreite von zum Beispiel 2.4“ problemlos montieren was die Spritzigkeit des Bikes verbessern und das Gesamtgewicht reduzieren kann. Ebenfalls ungewohnt empfanden machen Testerinnen das Kurvenverhalten der breiten Reifen, was sich wahrscheinlich ergibt, wenn die Auflagefläche des Reifen zum Kurveninneren wandert. Man gewöhnt sich allerdings dran.
  • Fahrwerk: Der Fox 34 Performance Federgabel mit GRIP Dämpfer hat eine sehr gute Arbeit verrichtet. Ausreichend Steifigkeit, sensibles Ansprechverhalten und kein Wegsacken in steilen Passagen. Die richtige Federgabel am richtigen Fahrrad. Zum erstmaligen einstellen des Luftdrucks an Federgabel und Dämpfer hat Scott ein paar Plastikhelferlein beigelegt um das richtige Setup zu finden. Toll!
  • Zum Morgengrauen hat Franzis Freund Tobi  zur Abwechslung auch mal das Contessa 710 gegen das RC900 World Cup eingetauscht (den Testbericht des Herrenmodells findet ihr übrigens hier). Think Pink! Das pinkes T-Mobile Retro Trikot von Stefan Sahm und das berryfarbene Bike – klares Match. In der abschließenden Toboga Abfahrt seiner Runde quietschte der Hinterbau merkwürdig. Fachpersonal Tobi Stahl von MTB-NEWS.de erkannte das Problem gleich in der Boxengasseneinfahrt. „Mann! Du verlierst gleich deinen Dämpfer!“. Diagnose: Der obere Dämpferbolzen hatte sich gelockert und war ein ganzes Stück rausgerüttelt worden. Die Lösung: einen Tropfen Loctite-Mittelfest auf das Gewinde und wieder rein. Läuft.
  • Der passende Syncros Mudguard an der Gabel ist ein schönes Detail und fügt sich gut in das Gesamterscheinungsbild ein. Endlich keine unschönen Kabelbinder mehr an dem schönen Gabelcasting.

Tobi mit der Contessa – farblich perfekt ausgerüstet!

Fazit:

Das Scott Spark RC900 World Cup und das Scott Spark Contessa 710 sind wohl eher Cousins als Geschwister, zu unterschiedlich war das Fahrerlebnis auf den beiden Rädern. Während das RC900 World Cup eine Rennsemmel par excellence ist, ist das Contessa ein gripgeiles Trailbike mit dem viele Bikerinnen eine treue Begleiterin für die Feierabendrunden, Alpentouren oder die Trailurlaube finden werden. Die Renndisziplinen Cross-Country oder Enduro überlässt das Contessa entspannt den Spezialisten in der Familie. Wer aber ein tolles Trailbike sucht, welches auch grobes Gelände nicht scheut, ist mit dem Spark Contessa 710 goldrichtig!

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