Testbericht: SCOTT Contessa Genius 710

Testbericht CONTESSA Genius 710

 

Girlsridetoo und die Contessa Bikes von SCOTT verbindet eine lange Geschichte. In den Anfängen von Girlsridetoo und der SCOTT Contessa-Linie bekam Scott von Teamchefin Jule eine Schokoladentrophäe überreicht, als erster Hersteller der sich damals den Frauen angenommen und ein eigenes Bike herausgebracht hat. Seitdem sind über 10 Jahre vergangen, und die Contessa Linie von Scott beinhaltet nicht mehr nur ein einziges Rad sondern gleich eine ganze Reihe und Frau kann frei wählen ob es ein höhenmetersüchtiges Bergauf-Pferdchen oder ein wurzelhungriges Bergab-Monster sein darf. In diesem Falle haben wir eher letzteres für Euch getestet, das SCOTT Contessa Genius 710.

Getestet haben wir  während unseres Team-Traillagers im Vinschgau. Unsere Versuchskaninchen waren Teamchefin Jule, unsere „Tamikaze“ Tamara, Rosi und Laura. Alle vier haben sehr unterschiedliche Fahrstile, daher findet ihr am Ende des Testes noch eine kurze Beschreibung und die persönlichen Statements der vier zum Rad.

 

Erster Eindruck

Das Genius kommt mit einer klaren einfachen, wie eleganten Linienführung daher. Durch die innenverlegten Züge wirkt es sehr aufgeräumt und gut verarbeitet. Die Carbon-Rohre wirken in der Seitenansicht extrem schlank, von oben betrachtet aber eher wuchtig. An der überwiegend weißen Lackierung scheiden sich die Geister, aber Farben waren ja immer schon Geschmackssache. Zum Glück gibt’s das Rad auch in vielen anderen Lackierungen (und Ausstattungsvarianten). Wir haben für den Test das Topmodell in Größe S zur Verfügung gestellt bekommen welches mit 5199€ zu Buche schlägt. Die dicken 27,5“Plus-Reifen stechen sofort ins Auge und machen klar: „ich bin ein Bike für’s Grobe!“

Tamara mit dem Scott Genius Contessa 710

An der Front arbeitet eine sensible FOX 34 Float Performance Elite Gabel, die auch 29“ Laufräder aufnimmt. Im Heck sitzt ebenfalls aus dem Hause Fox ein FOX Nude Evol Dämpfer. Das Fahrwerk kann mithilfe einer Lenkerfernbedienung komplett gesperrt, in den „Trailmodus“ und einen offenen Bergabmodus versetzt werden.

 

Das Rad besitzt an Front und Heck jeweils 150mm Federweg, fällt also in die klassische Kategorie „Trailbike“. Geschaltet wird mit einem edlen SRAM X01-Schaltwerk (12fach), der Rest der Schaltung kommt von der etwas günstigeren SRAM GX-Eagle-Gruppe. Die versenkbare Sattelstütze kommt ebenfalls aus dem Hause FOX und bietet 100mm Hub. SCOTT gibt das Gesamtgewicht mit 12,8kg an, wir haben nicht explizit nachgewogen, aber alle Testerinnen berichteten einstimmig von einem „Leichtgewicht“.

 

Eine ausführliche Ausstattungsliste findet ihr hier auf der SCOTT Seite. https://www.scott-sports.com/de/de/product/scott-contessa-genius-710-bike?article=265387007

 

Aufgesessen!

Farblich perfekt passend zu den weißen Bergspitzen im Hintergrund

So genug von der Technik, wie fährt sich das Rad denn nun? Alle Testerinnen waren sich einig, dass man eine aufrechte, sehr angenehme, komfortable Sitzposition auf dem Rad einnimmt. Laura und Jule, die beide ca.1,70m groß sind, war jedoch das Oberrohr etwas zu kurz und sie empfanden die Sitzposition als deutlich zu aufrecht. Rosi (1,64m) und Tamara(1,59m) empfanden das Rad als passend. Man tritt von oben/leicht von hinten in die Pedale und durch sein leichtes Gewicht entwickelt das Rad einen guten Vortrieb. Die Plus-Reifen hingegen wurden von den Testerinnen in der Ebene und bergauf ganz unterschiedlich bewertet. Den einen fiel es gar nicht auf, die andere wünschte sich schmalere, leichtrollende Reifen. Fazit hierzu: Geschmackssache. Schönes Detail: das Bike lässt sich mit anderen Laufrädern einfach auf 29“ umrüsten!

 

Der Syncros FL1.5 Women Sattel hingegen stieß bei keiner der vier Testfahrerinnen auf Anklang. Spätestens nach den ersten 150Höhenmetern wurde er teils auf’s Schlimmste verflucht. Auch konnten wir nicht ganz nachvollziehen, welches Detail den Sattel zu einem „Women“-Sattel macht.

 

Jetzt geht’s bergab!

Gleich vorneweg: Bergab hat uns das Contessa Genius komplett begeistert! Alle Testfahrerinnen waren sich einig: Bergab ist das Rad eine Klasse für sich! Das Rad fährt sich stabil und laufruhig. Die relativ aufrechte Position und der relativ flache Lenkwinkel vermitteln sehr viel Sicherheit. Der feinfühlig arbeitende Hinterbau scheint sich am Untergrund festzusaugen. Die Gabel steht hoch im Federweg und arbeitet auch gröbere Schläge zuverlässig weg. Allgemein gibt das Fahrweg gutes Feedback vom Untergrund und vermittelt gleichzeitig noch gute Reserven. Die Rahmengeometrie lädt zum Spielen mit dem Untergrund ein. Durch den kurzen Radstand lässt sich das Rad easy auch um enge Spitzkehren zirkeln.

Jule und Laura gaben auch den Plus-Reifen gute Noten für den Gripp, während unsere „Rennsemmeln“ Tamara und Rosi ihnen ein etwas schwammigeres Fahrverhalten bescheinigten welches eine exakte Linienwahl etwas komplexer gestaltet. Die XT-Bremsen verzögern das Rad zuverlässig und packen auch bei langen Abfahrten immer noch kräftig zu- wir würden sie auch Fahrerinnen empfehlen deren Unterarme nicht mit Popeye konkurrieren können.

 

Der Verstellbereich der Sattelstütze bei Rahmengröße S ist mit 100mm dagegen etwas begrenzt gewählt. Auch Frauen können kurze Beine haben, und vor allem Testfahrerin Rosi musste für die Bergabfahrt den Schnellspanner bemühen und die Sattelstütze manuell versenken.

 

Fazit:

Das Contessa Genius 710 ist ein richtig gelungenes Mountainbike, welches einige der Testerinnen am liebsten nicht mehr hergegeben hätten. Neben dem eleganten Rahmendesign und der edlen Farbgebung konnte uns vor allem die Funktion des Fahrwerks überzeugen. Die Ausstattung des Topmodells ist über alle Zweifel erhaben. Nur den Sattel und den geringen Verstellweg der Remote-Sattelstütze können wir als Kritikpunkte anführen! Prädikat: Top Damenmountainbike, für alle Frauen die grobes Gelände lieben und sich ihre Anstiege selbst erarbeiten!

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