Testbericht Liv Intrigue E+ 1 Pro

Testbericht Liv Intrigue E+ 1 Pro

Der Markt für E-Bikes wächst ständig. Immer mehr Hersteller springen auf den Zug auf und bringen Mountainbikes mit E-Motor auf den Markt. Meistens sind diese hauptsächlich schwer und unansehnlich. Nicht so das Schmuckstück welches wir von Liv für einen Testbericht zur Verfügung gestellt bekamen. Dieses hat sogar unsere eingefleischte E-Bike Skeptikerin Steffi dazu gebracht ihre Einstellung gegenüber der motorisierten Bergrad-Variante zu überdenken. Doch lest selbst: Vorhang auf für das Liv Intrigue E+ 1 Pro!

Das Liv Intrigue E besitzt einen formschönen Rahmen in einer einzigartigen Flip-Flop-Lackierung. Aus dieser Perspektive wirkt das Rad türkis-grün…

Eigentlich mag ich keine E-Bikes. In meiner Eigenschaft als Mountainbike-Guide hatte ich schon ein paar Mal das zweifelhafte Vergnügen mit einem Leihbike vor einem Camp die Trails auszukundschaften. Und jedesmal habe ich mich anschließend wieder gefreut auf mein eigenes, nicht motorisiertes Rad zurückzukehren. Zu undefiniert waren für mich die Motoren und die Unterstützung vor allem auf Trails bergauf zu digital. Sprich, anstelle eines leichten Pedal-Kicks kommt ein großer Schub wo man eigentlich nur einen winzigen Impuls geben möchte und wenn man dann eigentlich gerne viel Power in einem Steilstück möchte kommt erst mal gar nichts und dann ist man im falschen Gang.

Bergab ging meine Misere dann immer weiter, zuviel Druck in den zu dünnwandigen Plus-Reifen und das schwere Gewicht, welches mir beim Anbremsen auf die nächste Kurve den Angstschweiß ins Gesicht getrieben hat. Nein, meine bisherigen Erfahrungen mit E-Bikes waren wirklich nicht gut.

Dennoch, als ich erfahren habe, dass Liv ein spezielles E-Bike für Frauen entwickelt hat, konnte ich natürlich nicht anders als ein Testbike zu organisieren. Zu gut waren meine Erfahrungen mit den bisherigen Bikes (lest die Testberichte zum Hail und Intrige ohne E).

Ich staune nicht schlecht, als das Rad dann vor mir steht. Es hat eine faszinierende Flip-Flop Lackierung, die je nach Lichteinfall das Bike lila oder grün dastehen lässt. Die Ausstattung des Topmodells lässt für den für E-Bikes eher unterdurchschnittlichen Preis von 4399,90€ ebenfalls keine Wünsche offen. An der Front arbeitet eine 150mm Fox 36 Rhythm Federgabel in E-Bike Ausführung, am Heck kontrolliert ein Fox Float Performance die 140mm Federweg. Auf den breiten Felgen sind, natürlich tubeless, 2,6″ breite Maxxis Minion DHF und Rekon Reifen verbaut, die keinen Zweifel daran lassen, dass das Rad für das grobe Gelände konstruiert wurde.

…und hier lila

Der 250W starke, Giant SyncDrive Pro Motor stammt aus dem Hause Yamaha und wird von einem 500Wh Litium-Ionen Akku mit Strom beliefert. Wem das nichts sagt: das ist ordentlich Bumms 😉 Zum Rad gibt’s nach Wunsch auch noch eine App für’s Smartphone mittels derer die einzelnen Unterstüzungsstufen (derer gibt es 5) feingetuned werden können; also sprich wieviel % der Maximalleistung dürfen es denn pro Stufe sein. Im Test haben wir das nur einmal ausprobiert, sind dann aber bei der Werkseinstellung geblieben da wir diese bereits als sehr gut abgestimmt empfunden haben (wer also nichts einstellen will, muss das auch nicht tun 😉 ).

Der Akku kann übrigens mittels einem kleinen Schlüssel einfach aus den Unterrohr entnommen und zum Laden mit in die Wohnung genommen werden. Dies ist wichtig für all jene, die wie ich in einer Großstadt wohnen und im Keller keine Steckdose haben. Danke für dieses Feature Liv! Für alle die das nicht tun möchten gibt es die Möglichkeit den Akku direkt am Rad zu laden. am Unterrohr ist unter einer eleganten Gummiabdeckung ein Ladestecker versteckt.

Aber nun auf den Trail! Während unseres Testzeitraumes musste das Liv Intrigue einiges mitmachen. Zuerst wurde es noch noch relativ harmlos über die Isartrails gescheucht. Hier gab es die erste Offenbarung: auf den flachen Trails mach das Bike so richtig Spaß! Das sensible Fahrwerk bügelt alle ausgewaschenen Wurzeln einfach flach und durch die Motor-Unterstützung fliegt man nur so dahin wo es sonst eher hakelig und anstrengend ist. Die Reifen erzeugen auch bei Nässe und Feuchtigkeit (die es auf den Isartrails an 360 Tagen im Jahr hat…) sehr viel Grip. Auch schwierigste Stellen bergauf lassen sich spielerisch meistern – vorrausgesetzt man schaltet rechtzeitig herunter. Eine Lektion die ich erst einmal lernen musste! Obwohl sich ein E-Bike in der Ebene fährt als hätte man Rückenwind, muss man, um optimale Unterstützung vom Motor zu bekommen, auch bergauf stets den richtigen Gang wählen.

Lila und blau

Als nächstes musste das Rad seine Kletterfähigkeiten unter Beweis stellen. Bei der Geburtstagsfeier von Franzis Freund Tobi, fiel die Seilbahn zur Hütte am Berg aus. Ergo mussten alle Essensvorräte für das Hüttenwochenende per Muskelkraft über den steilen Weg mit über 20%Steigung und 600hm nach oben gebracht werden. 2,5mal schaffte das Rad diesen Anstieg mit einer Akkuladung. Eine äußerst respektable Leistung, vor allem da auf den letzten 200m über die Kandahar-Piste bereits 20cm hoch Kunstschnee lag!

Auch im Bikepark eine Macht!

Nachdem es auch diesen Test bestanden hatte, durfte das Rad direkt mit in den Bikepark Geißkopf. Hier gibt es einen speziellen E-Bike Trail, den sogenannten „Uphill-Flow“. Der Trail wurde eigens für E-Bikes angelegt. Bisher bin ich ihn immer nur ohne Motor gefahren, und habe die Anliegerkurven bergauf als etwas seltsam empfunden. Doch jetzt mit dem Intrigue E+ fliege ich nur so hinauf, und verstehe den Zusatz „Flow“ im Namen. Es macht einfach nur Spaß die gut geshapten Kurven mit Vollgas bergauf zu ballern. Immer wieder bietet der Trail auch kleine „schwere“ Abschnitte wo es technisch anspruchsvoll über Wurzeln und Stufen hinaufgeht. Meinen bisherigen Erfahrungen nach ist das jetzt die Königsklasse für den Motor. Hier zeigt sich wie gut das Ansprechverhalten programmiert wurde. Nur wenn die Unterstützung definiert zugeschaltet wird kommt man vernünftig nach oben. Doch auch hier liefert der SyncDrive Pro Motor einwandfrei ab. Ich bin überrascht, damit hatte ich nicht gerechnet. Ich war doch eigentlich contra E-Bike…?

Als nächstes wähle ich dann gleich mal die ruppige Freeride-Strecke bergab. Diese gleicht ein wenig einem Old-School Downhill, mit unzähligen Fels- und Wurzelpassagen. Liv kann sehr gute Hinterbauten bauen, das weiß ich aus den vergangenen Testberichten. Das E-Bike überrascht mich trotzdem. Durch den tiefen Schwerpunkt des 23kg schweren Rades liegt es unglaublich satt auf der Strecke, und lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen. „Fette Steine? her damit. Nasse Wurzeln? Pah, mach ich zum Frühstück!“ scheint es mir zuzurufen während wir durch den Trail schießen…naja bis dann die erste Kurve kommt und ich voll in die Eisen steige. Die 4-Kolben Shimano-Bremse beißen kräftig zu, aber dennoch, das Gewicht eines E-Bikes liegt dann halt doch 10kg über dem meines Enduro Bikes, daher muss ich beim Anbremsen und Kurvenfahren deutlich mehr Kraft aufwenden als ich es gewohnt bin. Trotzdem, die Geometrie des Rades verleiht unglaublich viel Sicherheit. Soviel, dass ich den 1m hohen Drop in der Strecke gleich mal ohne groß nachzudenken mitnehme…okay, um auszuweichen hätte ich eine Kurve fahren müssen 😉

Fazit: Liv hat mit dem Intrigue E+ Pro ein E-Mountainbike für Frauen geschaffen, die es sowohl bergauf, als auch bergab gerne anspruchsvoll mögen. Das potente Fahrwerk und die angenehme Geometrie vermitteln viel Sicherheit. Wir können das Rad uneingeschränkt empfehlen!

Weitere Infos zu dem Rad findet ihr hier:

https://www.liv-cycling.com/de/intrigue-eplus-1-pro-2019

 

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