Testbericht Fahrradanhänger

Fahrradanhänger-Test

Ziehen statt Schieben

Spätestens nach der Geburt eines Babies beschäftigt sich die radbegeisterte Mutti von heute ganz automatisch mit dem Thema Mobilität mit Kind. Es gibt aus meiner Sicht kein flexibleres und schöneres Fortbewegungsmittel fürs Baby und gegen Mami`s Bauchspeck, als einen Fahrradanhänger.

Als leidenschaftliche Mountainbikerin, konnte ich es kaum erwarten, nach der Schwangerschaft und Geburt endlich wieder im Sattel zu sitzen. Als mein Sohn 2,5 Monate zählte, war die Zeit reif für einen Anhänger.

Wenn man beginnt, sich mit dem Thema  zu beschäftigen, steht man mit vielen Fragezeichen im Kopf  einer großen Auswahl gegenüber. Aus diesem Grund, holte ich mir kompetenten Rat, wollte aber gleichzeitig auch einige Modelle selbst testen, bevor ich mich zum Kauf entscheide.

Im Radanhänger-Laden „KinderKutschen“ in Dresden wurde ich von Inhaberin Ulrike Linnemann in einem intensiven und kompetenten Beratungsgespräch mit den wichtigsten Funktionen sowie den Vor- und Nachteilen verschiedener Modelle vertraut gemacht. KinderKutschen verkauft nicht nur Radanhänger der Firmen Thule, Burley, Qeridoo und Kindercar, sondern es besteht auch die tolle Möglichkeit, diese Hänger sowie Zubehör für verschiedene Zeitspannen zu günstigen Preisen zu leihen.

Ulrike Linnemann | https://www.kinderkutschen.de/

Zwinglistraße 25 | 01277 Dresden |0351/2596686 |0173/7791209 | mail@kinderkutschen.de

Auswahl der Testmodelle

Da mir eine kompakte Größe und leichtes Gewicht des Anhängers sehr wichtig sind, begrenzte sich die Auswahl auf die Hersteller Thule, Burley und Qeridoo. Kindercar-Anhänger sind zwar preislich mit 850€ (Einsitzer) sehr attraktiv, haben die Möglichkeit neben dem Kind viel zu transportieren und besitzen ein kleines Packmaß. Aber dafür zieht man doch einen sehr breiten, wenig schnittigen Trailer hinter sich her. Croozer-Anhänger werden bei Kinderkutschen aus verschiedenen Komfort-Gründen und des daraus resultierenden Preis-Leistungs-Verhältnisses zur Zeit nicht vertrieben.

Als Nächstes stellte sich die Frage, ob ich für mein Kind einen sportlich-schmalen Einsitzer oder die üppigen Platzverhältnisse eines Zweisitzers bevorzuge. Für mich sprechen zwei schlagende Argumente für den Einsitzer. Erstens, der Wiederverkaufswert eines Radanhängers ist in aller Regel unschlagbar. Somit kann man bei Bedarf für einen Zweisitzer den Einsitzer gut wiederverkaufen. Zweitens sind mir eine geringe Größe (offen wie zusammengeklappt) und  geringes Gewicht eines Einsitzers wichtiger als viel Platz im schweren Doppelsitzer. Und der Einkauf passt auch in den Laderaum des Einsitzers.

Die Testauswahl beschränkte sich also auf folgende Modelle:

Thule Chariot Sport 1, Burley Solo und Qeridoo Kidgoo 1.

Thule Chariot Sport 1, Burley Solo und Qeridoo Kidgoo 1 (von links nach rechts)

 

Thule Chariot Sport 1, Burley Solo und Qeridoo Kidgoo 1 – zusammengeklappt, (von links nach rechts)

Der Preis ist heiß

Technische Daten im Überblick

Praxistest

Ich habe meine Testreihe in zwei Bereiche unterteilt. Die erste Testrubrik befasst sich mit dem süßen Transportobjekt, dem Kind. Unser geliebtes Baby soll sich ja wohl und sicher in einem Trailer fühlen. Die zweite Rubrik ist den Zugpferden gewidmet, da sie die schwerste Aufgabe und die finale Kaufentscheidung haben.

Komfort & Sicherheit fürs Kind

Da kann ein Anhänger noch so hübsch aussehen, das wichtigste allerdings ist der Komfort und die Sicherheit für das Kind. In der nachfolgenden Tabelle sind Eigenschaften aufgeführt und bewertet, die für mich persönlich am wichtigsten sind.

Federung

Eine Federung ist essentiell und nicht mehr wegzudenken, deshalb bieten alle drei Hersteller eine sehr gute Federung mit der man auch gut im leichten Gelände unterwegs sein kann.

Innenraumbelüftung

Abnehmbare Seitenfensterfolie beim Thule Sport

Ein wesentlicher Pluspunkt des Thule Sport ist die super Belüftung für das Kind aufgrund abnehmbarer Seitenfensterfolie. Wenn man also bei staubigen oder nassen Verhältnissen die Frontfolie installieren muss, ist die kostbare Fracht trotzdem super belüftet und hält somit bei heißeren Tagen auch länger durch.

 

 

 

 

 

 

 

Babyschale

Für die kleinen Babies, die noch nicht sitzen können, hat Thule eine eigene Hängematte. Die Konkurrenten nutzen die Weber-Babyschale. Beide sind nicht ganz perfekt, da die Hängematte von Thule sehr steil im Hänger hängt und die Weber-Babyschale aufgrund des Hartschaumes etwas hart ist. Den zusätzlich erhältlichen Sitzverkleinerer von Weber konnte ich ebenfalls testen, finde aber nicht, dass das einen großen Unterschied macht. Damit Babies Kopf schön gestützt und gepolstert ist, habe ich mir mit einem kleinen Trick geholfen und den Maxi Cosi Neugeboreneneinsatz zur Hilfe genommen. Damit liegt das Köpfchen sowohl in der Thule- Hängematte als auch in der Weber-Babyschale schön zentral gepolstert und kippt beim Schlafen nicht zur Seite.

Zusammengefasst kann man sagen, dass alle drei Anhänger einen guten Komfort liefern und ein sicheres Gefühl für den Schützling vermitteln.

Zwischenbewertung Komfort & Sicherheit fürs Kind

In der  Zwischenbewertung liegt der Thule leicht vorn, hauptsächlich aufgrund seiner guten Innenraum-Klimatisierung und dem rundum Fliegengitter.  Qeridoo folgt dicht darauf, Burley hat die schlechteste Belüftung und liefert als einziger Hersteller kein Rücklicht mit.  In den wesentlichen Funktionen, wie Federung und Sicherheit, liegen alle drei gleichauf.

Komfort & Handling für die Eltern

Kommen wir nun zu den großen Kindern.

Was ist uns als Eltern bei einem Hänger, neben der Sicherheit fürs Kind, noch wichtig? Wie will man den Hänger nutzen? Soll es ein Allround-Sportgerät, ein klassischer Radanhänger oder gar einfach nur ein Kinderwagen sein? Diese Frage sollte man im Vorfeld unbedingt klären. Für mich stand von Anfang an fest, ich möchte mit meinem Söhnchen so aktiv wie möglich unterwegs sein, also ist die Multifunktionalität sehr wichtig. Nicht nur als Radanhänger, sondern auch als Buggy soll uns der Trailer ein treuer Begleiter sein. Zudem möchte ich den Hänger auch zum Joggen und Skaten nutzen, also sollte auch eine Joggerfunktion möglich sein.

 

Joggerfunktion

Ganz lässig den Elberadweg entlang gleiten, das geht am besten mit dem Thule Sport. Thule Chariot hat eine intuitive Bremse entwickelt, die ein schnelles und effektives Bremsen ermöglicht. Geschmeidig geht das Skaten zwar auch mit dem Burley, nur leider gibt es da keine wirksame Bremse, was sicherheitstechnisch wirklich fahrlässig ist. Wenn man mit hohem Tempo plötzlich zum Stehen kommen muss, ist das mit dem Burley nicht möglich. Der Qeridoo bietet zwar eine gute Joggerfunktion mit optionaler Scheibenbremse, diesen konnte ich allerdings nicht testen.

 

Buggyfunktion

Die Buggyfunktion ist bei allen drei Modellen etwas unterschiedlich. Hier punktet der Qeridoo mit seinem zwar kleinen aber schwenk- und feststellbaren Frontrad. Das Rad festzustellen macht sich gerade auf unebenem Untergrund richtig gut. Ein zweites Frontrad würde allerdings das Heben über Stufen etwas erleichtern. Der Thule Sport hat etwa die gleiche Frontradgröße, aber davon zwei Stück. Hier ist nachteilig, dass diese ausschließlich schwenkbar sind. Da könnte es im Wald bei größeren Wurzeln schon mal etwas hakeln. Im Supermarkt ist er dafür traumhaft wendig, wenn man mal die Schoki vergessen hat und umdrehen muss. Ähnlich wie der Thule besitzt auch der Burley Solo zwei schwenkbare Fronträder. Nur leider fallen diese etwas zu klein aus, sodass man schon bei kleineren Stufen Probleme bekommt.

Buggyräder im Vergleich

Bedienung & Umbau

Die generelle Bedienung ist bei allen drei Hängern ziemlich ähnlich. Der Schiebebügel ist höhenverstellbar, Buggy- und Joggerräder sind schnell und einfach an- und abzubauen und die Regenfolie ist bei Burley und Qerido oberhalb der Türe fixiert, super schnell ausgerollt und durch Klett befestigt. Thule hat da im Vergleich zu den Vorjahresmodellen einen Rückschritt gemacht und liefert nun die Folie als separates Teil mit. Da braucht es ein wenig mehr Zeit, um die Abdeckung zu installieren und man muss sie immer in der Packtasche dabei haben.

Kupplung & Deichsel

Die Kupplung ans Rad zu bauen funktioniert mit wenigen Handgriffen. Die radseitige Kupplung der drei Modelle unterscheidet sich in Aufbau und Handling eigentlich gar nicht.

Bei allen gibt es einen Sicherungsstift, eine Lasche zum fixieren des Stiftes und ein Sicherungsband, welches in allen Fällen etwas aufwendig um den Rahmen des Rads gefriemelt werden muss.

Bei der Fixierung der Deichsel an der Hängerseite hat der Thule etwas die Nase vorn. Durch sein VersaWing System ist mit einem Hebelklick die Deichsel eingeschoben. Ebenso leicht werden  auch die Buggyräder und das Joggerrad befestigt.

Alles ist super schnell justiert. Da braucht man bei den anderen beiden Modellen etwas mehr Geduld und die Deichsel hakelt etwas mehr beim ein-und ausbauen.

Thules weiterer Vorteil ist der Diebstahlschutz an beiden Enden der Deichsel. Hier können Rad und Hänger jeweils durch ein Schloss abgeschlossen werden. Wenn man allerdings einen Schnellspanner an der Hinterachse hat, ist zumindest die radseitige Diebstahlsicherung ziemlich sinnlos.

Aufbewahrung von Zubehör

Bei der Aufbewahrung der Zubehörteile sieht man einmal mehr, dass Thule nicht ohne Grund so teuer ist. Das perfekt durchdachte Aufbewahrungskonzept lässt wirklich keinen Platz für Kritik. Die Buggyräder dreht man zum Aufbewahren einfach um und steckt sie von oben in die gleiche Achse hinein.

Für die Deichsel ist an der Seite des Hängers eine Vorrichtung angebracht, wo man das Teil ganz einfach hineinklickt und sogar das Joggerrad kann man an die Packtasche anbringen, sodass das Kind im Fahrgastraum keine Angst vor herumfliegenden Zubehörteilen haben muss. Das sieht bei Burley und Qeridoo anders aus. Burley bietet gar keine Möglichkeit die Dinge irgendwo zu platzieren, außer in der Packtasche oder im Fahrgastraum. Qeridoo bietet wenigstens die Möglichkeit, die Deichsel am Boden des Trailers aufzubewahren.

 

Packmaß

Wichtig für Unterwegs ist ein kleines Packmaß und ein entsprechend schnelles Zusammenklappen.

Die Platzierung in der Disziplin Zusammenklappgeschwindigkeit und Packmaß ist wie folgt: 1. Thule 2. Burley, 3. Qeridoo.

Pack and go, Thule, Burley, Qerido (von links nach rechts)

Stauraum

Je nachdem, was man neben dem Kind noch transportieren möchte, fällt auch die Auswahl der Hänger aus. Der sportliche Thule kann in Sachen Laderaum weder mit dem geräumigen Platzwunder Burley noch mit dem großen Qeridoo mithalten.

 

Zwischenbewertung Komfort & Handling für die Eltern

Die Zwischenbewertung der Rubrik Komfort und Handling für Eltern zeigt zwar keine Riesenunterschiede, aber der Blick ins Detail verrät, dass Burley sowie Qeridoo sich gegen Thule geschlagen geben müssen. Das super durchdachte Konzept des Thule lässt einfach keinen Elternwunsch offen, dafür hinterlässt er aber leider ein großes Loch in der Familienkasse. Die Vorteile von Thule sind die tolle Praktikabilität, schnelles und einfaches Handling sowie kleinstes Packmaß. Qeridoo trumpft mit einem attraktiven Preis und einer Klasse Buggyfunktion auf. Burley ist der leichteste Hänger, kann aber weder mit Buggy- noch mit Joggerfunktion mithalten.

Kein Weg ist zu eng für den Thule Sport

Gesamtbewertung:

Jeder der drei getesteten Hänger hat sein Vor- und Nachteile. Wer sich zur aktiven Outdoor Familie zählt und es gern funktional durchdacht und kompakt mag und zudem das nötige Kleingeld mitbringt, trifft mit dem Thule Sport definitiv die beste Wahl und wird unheimlich viel Freude im Alltag und bei Ausflügen haben.

Wer einen treuen Begleiter im Alltag mit mega viel Platz, günstigen Preis, ausreichend Funktionalität aber fehlender Kompaktheit sucht, macht mit dem der Qeridoo Kidgoo alles richtig.

Das Pendant zum Kidgoo aber mit weniger Funktionalität und stolzerem Preis aber dafür leichter und wendiger ist der Burley Solo, also für alle Eltern, die den Anhänger ausschließlich als diesen verwenden möchten aber einen schönen leichten und wendigen Trailer für die Stadt möchten.

Bei weiterführenden Fragen, wendet euch sehr gern direkt an mich (Franzi N).

Achtung!!! Für alle Muttis aus Dresden und Umgebung:

Wenn ihr Lust auf gemeinsame gemütliche Radtouren mit Kind und Anhänger habt, meldet euch gern bei mir!

franziska@girlsridetoo.de

 

Ähnliche Beiträge: