Sonne satt! – TrailTrophy St. Andreasberg

Das erste Rennen der bike-components TrailTrophy in St. Andreasberg im schönen Harz sollte zugleich meine (Enduro-)Race-Premiere sein. Etwas nervös war ich schon, vor allem, weil ich nicht sicher war, ob ich die Strecken überhaupt schaffen würde.

Da kam es mir sehr gelegen, dass das Rennen dieses Mal nur am Sonntag stattfinden sollte. Drei beziehungsweise vier der 6 Stages konnten dafür am Samstag im MSB-X-Trailpark schon geübt werden. Zum Glück kam ich mit den (technisch anspruchsvolleren) Stages 2 und 5 besser zurecht als gedacht. Die tretlastigen Stages 1 und 6 weckten in mir weniger Freude, dafür musste ich mir hier zumindest keine Gedanken darüber machen, ob ich heile den Berg hinunterkäme…. Nachdem ich das Gefühl hatte, alle Trainingsstrecken ganz gut im Kopf zu haben, ließen wir den Tag gemütlich auf dem Eventgelände ausklingen und so langsam wuchs auch meine Vorfreude auf mein allererstes Rennen! Abends wurden die Räder noch mit Startnummern präpariert und dann ging es früh ins Bett, um am nächsten morgen ausgeschlafen und fit zu sein.

Ready to race

Am Renntag begrüßte uns St. Andreasberg mit traumhaft schönem Wetter. Mit dem Lift ging es entspannt zur ersten Stage des Tages. Diese führte ziemlich ebenmäßig durch Wald und Wiesen zurück zur Liftstation. Bereits nach wenigen Metern auf der Strecke hatte ich das Gefühl, sicher gleich umkippen zu müssen, zumal ich auf dem ersten Streckenabschnitt von heftigem Wind attakiert wurde, der die Anstrengung noch verstärkte. Bis ins Ziel rang meine Faulheit mit meinem Ehrgeiz, der mich zum Glück davor bewahrte, wie im Training einfach ganz entspannt die Strecke hinunter zu rollen und gar nicht zu treten. Unten angekommen, hatte ich Blutgeschmack im Mund und war heilfroh, auch zur zweiten Stage bequem mit dem Lift fahren zu können. Entgegen meiner Erwartungen vor dem Training gefiel mir die frischgebaute zweite Stage mit ihren steileren Segmenten, den Offcamber-Kurven und dem losen Waldboden ziemlich gut und ich freute mich schon auf die Abfahrt. Auch dieses Mal hatte ich wieder Spaß dabei, viel durch die Gegend zu rutschen und die tollen Zuschauer vervielfachten meine Motivation noch. Leider musste ich hier auch zwei Stürze verzeichnen (sorry, Ellenbogen!), die aber dank des weichen Bodens glimpflich ausgingen. Lustigerweise stellte sich später heraus, dass aus meiner Gruppe fast alle Fahrer/-innen  an derselben Stelle über den Lenker gegangen sind, ohne zu wissen, warum 😀

Märchenwald-Atmosphäre auf Stage 1 (© bike-components)

Die Stages 3 und 4 lagen etwas außerhalb des Bikeparks, allerdings waren die Transferstrecken landschaftlich so schön, dass auch die wenigen Höhemeter, die es zu treten galt, nicht weiter störten. Wir fahren ja schließlich auch nicht Downhill… 😉 Die dritte Stage begann gleich mit einer fiesen Tretpassage, gefolgt von einem langen Highspeed-Abschnitt. Hier wäre ich doch froh gewesen, die Strecke vorher gekannt zu haben, da sie im Prinzip durchgehend unter dem Motto „Lenker festhalten und Bremse offenlassen“ stand. Leider wusste ich das natürlich erst hinterher, sodass ich an manchen Kurven unnötig stark abbremste und so Zeit verlor. Spaß hatte ich aber trotzdem, auch, wenn ich im Ziel wieder ganz schon außer Puste war… Der kurze Transfer führte uns durch das hübsche St. Andreasberg und bot einen super Ausblick auf die umliegenden Berge mit ihren Wiesen und Wäldern. Stage 4 war für die TrailTrophy komplett neu angelegt worden und bot viele Kurven und Abfahrten, gefolgt von kurzen Anstiegen in feinstem Waldboden. Leider hatte ich hier wieder mit meinen mangelhaften Fähigkeiten im vorausschauenden Fahren zu kämpfen, sodass ich von einigen Kurven und einem kurzen Gegenanstieg völlig überrascht wurde. Irgendwie wurschtelte ich mich ins Ziel und nahm mir fest vor, bei den nächsten Stages weiter vor mein Vorderrad zu gucken…

Der Transfer zur Stage 5 führte uns über Forst- und Wiesenwege zurück zum Gipfel des Matthias-Schmidt-Bergs, auf dem auch die Trails des Bikeparks in St. Andreasberg angelegt sind. Hier gab es für alle Teilnehmer in gewohnt entspannter Atmosphäre Gegrilltes und Getränke. Wir beschlossen jedoch, vor dem Essen noch die vorletzte Stage hinter uns zu bringen, so lange es um die Konzentration noch gut bestellt war. Obwohl ich vor diesem Teil des Rennens den größten Respekt hatte und die Strecke noch nie in einem Stück durchgefahren war, erlebte ich hier eine Überraschung. Angefeuert von den Zuschauern und konzentriert konnte ich die Strecke so gut wie noch nie fahren und hatte so viel Spaß, dass ich mit einem breiten Grinsen durchs Ziel fuhr. Die zahlreichen Kurven, kurzen Steilstücke und Offcamber-Sektionen boten großen Fahrspaß und Abwechslung. Nur noch eine Stage, dann hätte ich mein erstes Rennen schon geschafft!

Volle Konzentration! (© bike-components)

Zum letzten Mal an diesem Tag ging es mit dem Lift auf den Berg. Oben angekommen stellten wir etwas erleichtert fest, dass die sechste Stage zu Beginn über Northshore-Elemente geführt wurde, die erheblich kräfteschonender zu fahren sind als die Trails daneben. Der untere Teil der Stage war eine Mischung aus zwei der Strecken des MSB-X-Trail, die sehr flowig durch Wald und Wiesen führen. Als ich aus dem Wald herausfuhr, erlebte ich noch eine kurze Schrecksekunde. Der große Drop, über den die Strecken normalerweise führen, ist abgesperrt. Gewohnheitsmäßig halte ich jedoch darauf zu und kann erst im letzten Moment verhindern, im Fatterband zu landen. So viel zum vorausschauenden Fahren! Ein letzter Gegenanstieg und eine Wiesenkurve, dann ist es geschafft und ich habe das Ziel meiner ersten (und sicher nicht letzten!) TrailTrophy erreicht. Halb erleichtert, noch in einem Stück zu sein, halb wehmütig, weil das Rennen schon vorbei ist, gebe ich meinen Transponder ab und verstaue Rad und Ausrüstung im Auto.Da wir relativ früh mit allen Stages fertig sind, können wir bis zur Siegerehrung noch die tolle Atmosphäre und die Sonne bei Eis und Pommes genießen. Es gilt schließlich, die verbrannten Kalorien wieder aufzuholen! Ich hatte auf jeden Fall einen super Tag mit tollen Leuten, Sonnenschein und klasse Stages. Eins ist für mich sicher: TrailTrophy, ich komme wieder! 🙂

Das Podium der Klasse „Ambassador Women“ mit mir auf Platz 3 (© bike-components)

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