Rennbericht Trailtrophy Flims

Die Trailtrophy in Flims ist mein absolutes Lieblingsrennen der Trailtrophy Serie. Ganz klar also, dass ich hier nun schon zum dritten Mal in Folge an den Start gehe. Dieses Jahr mit dabei: meine Teamkolleginnen Diana und Stefanie.

Das Rennen startet am Freitag für uns…erst mal gar nicht. Wir wurden da wir zur Klasse „Ambassador &Friends“ gehören in die letzte Startgruppe um 16:30Uhr einsortiert. Organisator Thomas Schlecking hat fest damit gerechnet, dass wir uns nicht an unsere Startzeit halten und schon früher losfahren, aber da hat er wohl nicht mit unserer deutschen Korrektheit gerechnet; und so machen wir drei erstmal einen Badeausflug zum Südsee-blauen Caumasee. Als wir dann um kurz vor 16Uhr am Start auftauchen werden wir bereits sehnlichst erwartet; das komplette Starterfeld ist bereits unterwegs, ein Großteil sogar schon wieder im Ziel. Stefanie hat aber noch Probleme mit ihrer Vorderradbremse: die Backen haben komplett blockiert. Einen kurzen Reparaturversuch der Bike-Components Jungs später steht fest: die Bremse kann auf die Schnelle nicht repariert werden. Unsere Startzeit ist inzwischen durch, Schlussfahrer Kai Wendschuh wartet nur noch auf uns. Kurzerhand bezirzt Stefanie den Betreuer des Santa Cruz Standes, der ihr dann sein persönliches Hightower LT zur Verfügung stellt.

Stage 3 im Flimser Wald; pic by bikecomponents

Mit nur 5min Verspätung zu unserer offiziellen Startzeit pedalieren wir dann endlich los und beeilen uns zur ersten Stage zu gelangen. Die Stage ist eine meiner persönlichen Favoriten: felsig, mit Wurzeln durchzogen, und am Ende mit einer fantastischen Aussicht über die tief unter uns liegende Rheinschlucht. Leider läuft es nicht so wie ich mir das vorgestellt habe und bemerke bereits nach dem ersten Drittel der Strecke, dass mein Hinterreifen deutlich Luft verloren hat. Möglichst zügig um dem kompletten Luftverlust zu entkommen und gleichzeitig extrem vorsichtig um meine Felge nicht zu beschädigen rolle ich die Stage zu Ende. Na das geht ja gut los denke ich mir und fange im Ziel angekommen gleich mal an meinen Reifen wieder aufzupumpen während ich auf Diana und Stefanie warte – die sich natürlich mit dem Streckenposten am Start verquatscht haben.

Stage 2 läuft dagegen tatsächlich ausnahmsweise ganz gut, allerdings auch eher nach dem Motto: „tendenziell bergab“ mit einer fiesen Tretpassage. Das Ziel liegt idyllisch am wunderschönen Crestasee…in den wir aufgrund der hohen Temperaturen am lieben mitsamt unseren Rädern reinhüpfen würden. Aber wir sind spät dran, also nichts wie wieder den Berg hinauf zur dritten und letzten Stage des Nachmittags. Auch hier erwarten uns wieder Wurzelteppiche und vor allem jede Menge Staub in den Kurven. Die Hitze und Trockenheit haben auch hier ihre Spuren hinterlassen. Prompt verliere ich in einer Linkskurve die Traktion und komme im Flatterband der Streckenbegrenzung zum Stehen. So ein Mist aber auch! Schnell das Bike um 90° gedreht und weiter geht’s, nun ein paar km/h langsamer als zuvor, Hauptsache sicher unten ankommen. Nach gut eineinhalb Minuten ist die Stage dann auch geschafft und wir treten zurück zum Start-/Zielgelände am Rockresort.

Steffi beim Nightride – Augen auf! pic by bikecomponents

Ein paar Stunden später dann geht’s ein zweites mal los, der Nightride steht an. Dieses Jahr geht er über den unteren Teil des Runca-Trails, ein herrlich perfekt geshapter Flowtrail. Tatsächlich stelle ich kurz nach dem Start fest dass dies das erste Mal in meinem Leben ist, dass ich einen Flow Trail bei Nacht fahre. Es dauert ein paar Anliegerkurven bis ich den Dreh raushabe, dass ich mich zwingen muss ins vermeintlich Dunkle zu schauen um den Lichtkegel meiner Stirnlampe aus der Kurve hinaus zu richten. Ebenfalls erstmal gruselig: Tables springen im Dunkeln! Beim Absprung hat man das Gefühl ins „Nichts“ zu hüpfen. Währenddessen glitzern feine Staubpartikel wie Eiskristalle im Licht der Stirnlampe und erschweren die Sicht zusätzlich. Trotzdem habe ich verdammt viel Spaß auf der Stage und bin fast traurig als das „Ende in 50m“-Schild erscheint.

Am nächsten Morgen starten wir als erstes mit dem Sessellift direkt in Flims. Der obere Part des Runcatrails steht in zwei Abschnitten auf dem Programm. Am Start der ersten Stage erwartet uns eine lange Schlange- wir nutzen die Zeit für ein paar Selfies uns blödeln ein wenig herum während wir in der prallen Sonne braten. Es hat gefühlt auch hier oben schon wieder jenseits der 30°C.

Ambitioniert starte ich in die Stage. Unsere Klasse ist mit Namen wie Tanja Naber, Franzi Meyer, Sofia Wiedenroth sowie Theresia Schwenk extrem stark besetzt. Mein Ziel ist es zumindest auf einer Stage heute schneller zu sein als eine der Semi-Profi Fahrerinnen. Doch auf der zweiten Wiesen-Querung höre ich ein lautes „Klonck“ am Vorderrad. Oh nein, schon wieder ein Plattfuß denke ich mir und versuche mich auf dem immer weicher werdenden Vorderreifen trotzdem noch bis ins Ziel der Stage zu retten. Tatsächlich gelingt es mir, die Dichtmilch in meinen Tubelessreifen muss dieses Wochenende echt Schwerstarbeit leisten. Ich flicke das Loch mit einer Maxalami und pumpe den Reifen wieder auf.

Etwas frustriert und demotiviert starte ich daher in die zweite Stage des Tages. Die Kurven sind hier enger, die Anlieger höher und es gibt einige Tables über die man direkt in die nächste Anlieger-Kurve springen kann – genau das was mir Spaß macht. Ich genieße die Stage- und tatsächlich am Abend stelle ich fest, dass ich hier in der Ambassador-Womens Class den Stage Win gefahren habe! YES!!

Nach einem schweißtreibenden Anstieg in der prallen Sonne (habe ich schon erwähnt dass es fast 30°C hat?) erreichen wir die nächste Seilbahn die uns hinaufbefördert zum Mittagessen. Gestärkt von Spaghetti geht es danach aus eigener Kraft noch weiter nach oben auf 2800m Höhe, direkt bis unter den Vorab-Gletscher. Hier startet die wohl einzigartigste Stage des Rennens die wir einzig und alleine dem Klimawandel verdanken. Die abgeschmolzene Gletscherzunge hat hier eine Art Mondlandschaft geschaffen. Es gibt flach-geschliffenen Fels, auf denen wir nur den Markierungen nachfahren, ungefähr so stelle ich mir die Slick-Rock Trails in Utah vor. Direkt daran anschließend folgen meine beiden Lieblingsstages des Nachmittags: die erste noch oberhalb der Baumgrenze über flowige Wiesen die immer wieder von fiesen Felsabschnitten durchsetzt sind, und dann die „Grüne Hölle“; ein Trail der sich wie eine Achterbahn durch ein Waldstück zieht und uns direkt am Runca Trail wieder ausspuckt. Inzwischen ist es so warm, dass Diana und Stefanie direkt ein Bad in der Kuhtränke am Ziel der letzten Stage nehmen.

Epische Stage am Vorab-Gletscher. pic by bikecomponents

Abends dann gibt es das traditionelle Abendessen in Laax. Und hier lassen sich die Schweizer mal echt nicht lumpen: es gibt Grill-Buffet! Fleischspieße, Steaks, gegrilltes Gemüse, Folienkartoffeln und diverse Salate vom Allerfeinsten! Wow!

 

Am Sonntagmorgen hat es zum ersten Mal seit ich bei der Trailtrophy dabei bin gutes Wetter und wir können die Stage vom Crap Sogn Gion so fahren wie sie seit mehreren Jahren geplant ist. Der Naturtrail zeigt sich auch prompt von seiner bissigen Seite: in einer tief ausgewaschenen Rinne mit vielen losen Steinen und spitzen Felgen geht es über 5min lang steil bergab. Meine Unterarme brennen als ich endlich das erlösende „bieb bieb bieb bieb bieb“ des Transponders höre, welches das Ziel der Wertungsprüfung markiert. Von hier werden wir nochmals durch die Grüne Hölle und über den Runcatrail zurück nach Latsch geleitet. 14km bescheinigt mir meine Uhr als wir uns am Stand von bike-components unser verdientes zweites Frühstück abholen. Kurz darauf geht es zum zweiten Mal nach oben. Ein weiterer Flims/Laax-Klassiker steht an: der Never End Trail. Und der macht gleich auf der ersten von zwei Stages seinem Namen alle Ehre: knapp über 7min benötige ich für die Stage…nur um am Ende wieder ohne Luft im Vorderreifen anzukommen. Irgendwie läuft es heute nicht so richtig. Also schnell wieder geflickt und weiter zur letzten Stage. Doch auch hier werde ich vom Pech verfolgt: in der zweiten Kurve nach dem Start rutscht mir im Staub mein Vorderrad weg und ich schürfe mir meinen kompletten linken Unterarm auf und prelle mir den Ellenbogen. Zu allem Überfluss hat sich mein Bike im Flatterband verheddert und ich verliere wertvolle Sekunden während ich hektisch versuche es zu befreien. Nun gehe ich auf Nummer sicher und versuche einfach nur noch heil ins Ziel zu gelangen. Am Ende der Stage treffe ich auf Jan, einen Apotheker, der mich gleich mal fachgerecht verarztet (Danke dafür!!). Im Start-/Zielbereich angekommen bekomme ich die Quittung, meine Zeiten für diesen Tag waren nicht sonderlich grandios, aber ich konnte den 5.Rang trotzdem noch verteidigen.

Auf dem Never-End-Trail

Alles in Allem war die Trailtrophy in Flims auch dieses Jahr wieder eine grandiose und top organisierte Veranstaltung. Und endlich auch bei dem Kaiserwetter, das sie schon in den letzten Jahren verdient hätte. Wir kommen mit Sicherheit auch nächstes Jahr wieder!!!

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