Odyssee im Erzgebirge – DHM Breitenbrunn

Es gibt Dinge im Studentenleben, die man zumindest einmal gemacht haben sollte. Die Deutsche Hochschulmeisterschaft im Enduro gehörte für mich bisher nicht dazu. Ehrlich gesagt, kannte ich die Veranstaltung gar nicht, bis ich sehr kurzfristig – genauer gesagt, zwei Wochen vorher – davon erfuhr. Was auf den ersten Blick nach einem entspannten, kleinen Rennen aussah, entpuppte sich für mich jedoch als echte Odyssee.

Am Renntag empfängt uns das Trailcenter Rabenberg, in dem die sieben Stages der DHM liegen, mit angenehmen 20 Grad und leicht bewölktem Himmel. Ideale Bedingungen zum Fahren also. Nach einem kurzen Briefing der rund 70 TeilnehmerInnen geht es entspannt zur ersten Stage des Tages. Da sich der Aufbau ebendieser jedoch in die Länge zieht, beschließen meine drei Mitfahrer und ich, uns noch auf einem der zahlreichen Flowtrails einzurollen. Zum Glück für mich! Bereits nach wenigen Kurven verweigert meine Hinterrad-Bremse den Dienst, sodass ich fast gegen einen Baum fahre. Ein kurzer Check zeigt, dass die Bremse ein Leck hat und Öl verliert. Weiterfahren unmöglich! Etwas ratlos rolle ich zum Testival-Gelände, in der Hoffnung, dort Hilfe zu finden.

Nach kurzem Hin und Her ist das Team vom Cube-Stand ist so supermegalieb und leiht mir eines ihrer Enduro-Bikes für das Rennen aus. Ein RIESENGROSSES DANKESCHÖN an dieser Stelle!! 🙂 Mit Leihrad sprinte ich also wieder den Berg zur ersten Stage hoch, damit die Streckenposten  nicht zu lange auf mich warten müssen. Schnell noch die Goggle aufsetzen, dann geht es schon los. So richtiges Racefeeling will bei mir nicht aufkommen, ganz ohne Hintermann, der theoretisch auf mich auffahren könnte und mit einem unbekannten Rad. Zum Glück gelingt es mir, das Stereo halbwegs sicher durch die Wurzeln und Steine zu steuern, mit Ruhm bekleckert habe ich mich hier aber ganz sicher nicht!

Mein Leih-Racebike macht sich ziemlich gut im Wald 🙂

Nach der ersten Stage spurte ich direkt weiter zur zweiten Stage, um meine Mitstreiter so schnell wie möglich einzuholen und nicht zu lange warten zu lassen. Der Transfer zieht sich in die Länge, aber endlich erreiche ich -sogar „nur“ als Vorletze- den Beginn der Stage. Diese erweist sich als sehr tretlastig (gar nicht mein Ding!) und durch den vielen Schotter (noch weniger mein Ding!!) auch als recht rutschig, aber ich komme gut durch und kann nach dem Ziel endlich meine Mitfahrer einholen. So weit, so gut, denke ich. Zumindest so lange, bis ich zehn Meter nach dem Ziel meine doch recht schwergängige Sattelstütze ausfahren will, dabei versehentlich (fragt mich nicht, wieso, ich weiß es nicht! :D) auch an meiner Vorderradbremse ziehe und mit voller Wucht über den Lenker gehe. Ich bekomme keine Luft mehr und meine Rippen, meine linke Schulter und mein Nacken tun ziemlich weh. Nach einer kurzen Pause kann ich wieder richtig atmen, aber die Schmerzen bleiben. Mühsamer als zuvor geht es trotzdem erstmal weiter zur nächsten Stage. Dort angekommen, stellen wir fest, dass die Stage verschwunden ist. Obwohl hinter uns auch noch einige Fahrer unterwegs sind, wurde sie bereits angebaut. Nach einigem Hin- und Her können wir doch noch einen Streckenposten auftreiben, der unsere Zeit nimmt, aber so langsam habe ich das Gefühl, dass es bei mir heute einfach nicht richtig sein soll mit dem Rennen…..

Die Stage Nummer drei beginnt flowig und führt dann nach und nach verwinkelter und verblockter durch den Wald. Ich komme ganz gut zurecht, aber die Schmerzen, gerade in den Rippen, sind doch recht stark und ich merke, dass ich nach dem Sturz deutlich verhaltener fahre und eigentlich nur versuche, sturzfrei den Berg hinunter zu kommen. Auf der dritten Stage klappt das immerhin noch, auf der vierten dann schon nicht mehr so gut. Eine der Wurzeln hier ist dann doch irgendwie rutschiger, als sie aussieht, und so lande ich ein weiteres Mal in der Botanik, natürlich wieder genau auf den Rippen. Jetzt würde ich vor Wut und Schmerz am liebsten einfach sitzen bleiben und eine Runde heulen. Aber da ich immer noch im Rennen und nicht auf einer Sonntag-nachmittags-Kaffee-Ausfahrt bin, muss ich wohl oder übel weiterfahren.

Mit Leihrad Nr. 2 beim Testival am Sonntag

Noch vorsichtiger als ohnehin schon (falls das möglich ist) rolle ich weiter und muss dabei wieder einmal erfahren, dass die meisten verblockten Passagen mit etwas Tempo eben doch leichter zu fahren sind als in Schrittgeschwindigkeit, bei der das Vorderrad vor jeder Wurzel droht, hängen zu bleiben. geschwindigkeit gibt eben doch Sicherheit! Als ich das erlösende Ziel erreiche, ist mir ziemlich schlecht und meine Zeit herzlich egal. Jetzt stellt sich die Frage: Aufgeben der weiter fahren? Da das Rennen (abgesehen von den Stürzen) insgesamt doch irgendwie Spaß macht, beschließe ich, es noch auf einer Stage zu versuchen und dann zu entscheiden. Doch schon auf dem Transfer kommen langsam, aber sicher etliche Wehwechen hinzu, die ich durch das Adrenalin bisher nicht gemerkt habe. Daher wird die Stage fünf für mich eher zu einem weiteren, sehr langsamen Bergab-Transfer in Richtung Trailcenter. Schon etwas ärgerlich, gleich das zweite Rennen überhaupt nicht beenden zu können, aber was soll man machen…?!

Alles in allem hatte ich trotzdem einen tollen Tag mit super Leuten, gutem Wetter und einem klasse (Leih-)Radl. Das Wochenende konnte ich am Sonntag zum Glück noch mit einer entspannten Testrunde vor der Heimfahrt abschließen. Jetzt heißt es für mich erstmal auskurieren, was nicht so leicht ist, da ich nach dieser Odyssee motiviert bin wie bisher selten, zu biken  und einfach besser zu werden, um die Fehler von heute beim nächsten Mal zu vermeiden 🙂

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