Monatsfrauen-Update: Rafaella „Roxy“ Wieschollek

Der Wahnsinn: Unsere „Monatsfrauen-Interviews“ gibt es seit mittlerweile mehr als 10 Jahren! Über 100 mega-interessante, gänzlich unterschiedliche Frauen aus der Bikebranche haben wir seitdem interviewed und gebannt ihren Geschichten gelauscht.

Leider sind seit dem Umstieg auf die jetzige technische Plattform in 2016 viel zu viele davon nicht mehr öffentlich zugänglich. Wie extrem schade das ist, wurde mir erst so richtig bewusst, als ich viele viele viele davon auf dem „1. European Women’s Outdoor Summit„ Ende 2018 getroffen habe – einige davon zum allerersten Mal.

In den Gesprächen hat sich herausgestellt, dass (natürlich) auch bei ihnen die Zeit nicht stehen geblieben ist und sich  oftmals (aber auch nicht immer) zwischenzeitlich enorm viel verändert hat. Das brachte mich auf eine Idee, deren Umsetzung ich mit diesem ersten „Update“-Beitrag nun starte: Wir veröffentlichen von den „Summit-Monatsfrauen“ einfach nochmal das alte Interview – und ergänzen es um ein Update aus der heutigen Sicht rund um die Fragen: „Was hat sich zwischenzeitlich verändert?“ und „Wo stehst du heute?“


Februar 2019


Roxy betreibt die inzwischen weit über die Inselgrenzen bekannten MTB-Veranstalter Roxybike und die Bikestation CaMi-Bike auf der Deutschen liebsten Urlaubsinsel Mallorca – wie wir denken, nach wie vor die einzig weiblich geführte im europäischen Ausland! Schon 2016 bei Roxys erstem Interview konnten wir uns des Eindrucks kaum erwehren, dass wir da UNBEDINGT mal hin müssen. Und auch das, was sie uns die Tage nun als Update geschickt hat macht mächtig Laune, ihr mal einen Besuch abzustatten und die Insel zur Abwechslung mit groben Stollen anstatt der schmalen Reifen zu erforschen. Roxy hat sich mittlerweile mächtig weiterentwickelt, vor allem, was ihr Knowhow als Guide betrifft. Sie sprüht geradezu vor Begeisterung und Elan, der zu uns aus jeder ihrer Zeilen spricht – und mit Sicherheit in ihren Kursen mehr als erlebbar wird.

Roxy, wo stehst du heute / was bestimmt dein Leben heute?
Ich stehe noch immer auf dem Rad – vor allem jedoch mit beiden Beinen im Leben – und zwar in einem wunderschönen Leben am Meer 🙂

Mein Leben bestimmt noch immer meine mittlerweile 10-jährige Vollzeittätigkeit als Guide, Fahrtechnikcoach und Trainerin, zwar auch meine Katzen, aber vor allem das Biken. Ich habe die letzten Jahre gemerkt, dass man SO VIEL bewirken kann, wenn man sowohl an sich selbst als auch daran arbeitet, Menschen wirklich zu verstehen und ihre Bedürfnisse zu erkennen.

Mein Coaching ist „ganzheitlicher“ geworden (mit Impulsen aus den verschiedensten Bereichen) und ich freue mich jeden Tag aufs Neue, dass ich so viel Positives zum Leben meiner Teilnehmer beitragen kann – und zwar so viel übergreifender, als nur auf das Biken bezogen.

Das bringt mich auch gleich auf Deine nächste Frage: Was hat sich mittlerweile bei dir getan / vor allem verändert? Und die Antwort darauf ist ganz klar – SEHR viel (lacht). Ich bin nun seit 10 Jahren hauptberuflich Guide – das heißt, ich sitze 5 bis 6 Tage die Woche auf meinem Bike oder davor, insgesamt 300 – 320 Tage im Jahr – das ist mehr als viele Leute auf ihrem Bürostuhl verbringen. Und dennoch habe ich nach wie vor keinen Alltagstrott… Und das ist nicht nur, weil ich das wunderschönste Outdoor-Office habe 😉

Ich glaube, es ist, weil ich JEDEN einzelnen Tag nutze, um zu lernen. Ich lerne nicht nur über mich und meine eigene Technik, sondern über andere und vor allem FÜR andere: Wie kann ich meine Teilnehmer ideal erreichen? Wie kann ich das Coaching und Training (ich differenziere diese zwei Begriffe gerne, denn ein Coaching und ein Training ist nicht dasselbe) optimieren? Wie mache ich das Guiding noch sicherer und dabei spaßiger – (oft ein schwieriger Kompromiss)? Welchen Einfluss haben bestimmte Denkmuster auf das Biken und damit auch auf den Alltag meiner Teilnehmer? Wie mache ich andere glücklich und bin selbst dabei jedoch erfüllt und motiviert? Wie bilde ich mein Personal ideal aus – so, dass sie selbst motiviert sind, sich jedoch ihrer Verantwortung als Guide bewusst sind? Wie kann ich dazu beitragen, dass das Mountainbiken auf der Welt zu etwas Nachhaltigerem wird? Das sind einige der Fragen, die mich täglich beschäftigen und für mich ein Anreiz sind, immer offen zu bleiben, den Austausch zu suchen, international zu Fortbildungen zu reisen und jeden Tag die Neugierde eines Kindes an den Tag zu legen.

Nachdem ich in den letzten Jahren die Fahrtechniktrainerausbildung der DIMB absolviert habe – Also FT1, FT2 und 2 der FT3-Aufbaukurse, habe ich noch die WRSV Guide-Ausbildungsreihe und die ÖRV-Freeride-Guide-Ausbildung abgeschlossen, diverse Mentalcoaching- und Sportpsychologie-FoBis gemacht. Dann habe ich in Europa keine Fortbildungen in diesem Bereich mehr gefunden…

Da dachte ich mir: schaue doch mal über den europäischen Tellerrand! So kam es, dass ich im Sommer 2018 in die USA und nach Kanada gereist bin, um dort die BICP Ausbildungsreihe (Level 1 bis Level 3) zu absolvieren. Das BICP = Bike Instructor Certification Program ist das Ausbildungsprogramm der IMBA und wird von USA-Nationalteamtrainer Shaums March geleitet. Es gibt dieses Ausbildungsprogramm bereits seit über 20 Jahren, das Curriculum wird jedoch jährlich von und mit Profis verschiedenster Disziplinen überarbeitet. Die BICP Zertifikate für Mountainbike Guides und Trainer sind weltweit anerkannt – und der Lehrplan ist das modernste und detaillierteste, das ich bisher jemals gesehen habe. Ich war also absolut geflasht, als Shaums mich fragte, ob ich in sein Lehrteam möchte – um Teil dieses absolut genialen Ausbildungsinstituts zu werden.
Da ich ja studierte Übersetzerin bin (jetzt weiß ich auch endlich, wofür dieses Studium gut war!), bin ich gerade dabei, die Skripte ins Deutsche zu übersetzen, damit diese Kurse auch der deutschsprachigen Trainerszene nicht enthalten bleiben.

Diesen Winter gab es bereits die ersten Kurse des BICP auf Mallorca und die Teilnehmerstimmen waren durch und durch begeistert. Dieses Jahr wird es noch weitere Kurse in Europa geben – und es ist einfach so GENIAL, dass sich der Mountainbike-Sport immer weiterentwickelt und die hiesige Trainerszene nun eine internationale Zertifizierungsmöglichkeit hat, um das Niveau von MTB-Fahrtechnikkursen weiterhin anzuheben und so lernwilligen Bikern hochwertige Kurse und schnelle und nachhaltige Erfolge zu ermöglichen.

Was ist gleichgeblieben?
Gleichgeblieben ist – dass ich Mallorca nach wie vor LIEBE! Dass ich immer weiter lernen werde – denn mein Motto ist „Stillstand ist Rückschritt“. Und so komme ich jeden Tag meinem persönlichen Glück etwas näher – indem ich mir selbst treu bleibe.

Wenn jemand Teil von Roxy’s Alltag sein möchte, sie teilt Fahrtechnik-Tipps, Denkanstöße und schöne Bilder stets auf: www.instagram.com/roxybike_mallorca. Und ihre Events, Kurse und Touren findest Du auf www.roxybike.com


2016

2016 stand uns Roxy schon mal Rede und Antwort. Ihr Interview von damals findet ihr unter: Monatsfrau Juni: Rafaella „Roxy“ Wieschollek

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