Monatsfrau September: Vali Höll

24. September 2018 | Jule | Persönlichkeiten | Monatsfrauen,

Valentina Höll [Foto: Red Bull]

Sie wuchs wortwörtlich am Berg, umgeben von Bike-Prominenz auf,  drehte im Garten schon als Stöpsel auf der Kinder-Motorcross-Maschine ihre Pumptrack-Runden und ein paar Jahre später baute ihr der Vater einen eigenen Trail vor die Haustür … das Leben scheint Valentina Höll direkt hinein in die Profi-Bikeszene geführt zu haben. Für „Vali“ selbst war das lange gar nicht so klar – trotz beachtlicher Rennerfolge schon im Teenager-Alter. Und wohin sie ihr Weg noch leiten wird, auch das lässt Vali gerne offen. Jetzt gibt sie erst einmal so richtig Gas und gewinnt, endlich startberechtigt mit 16,  ihr erstes Downhill-Weltcup-Rennen sowie alle nachfolgenden gleich mal überragend. Als „aufgehende Sonne im Downhill-Zirkus“ wird  die jüngst ernannte Red Bull Athletin heute schon gefeiert – und wird zunehmend ihren Idolen nicht mehr nur aus der Ferne, sondern auf Augenhöhe begegnen.

(PS: Das Interview haben wir im Mai diesen Jahres, kurz nach ihrem ersten Weltcup-Rennen geführt).

Vali, wie bist du zum Mountainbiken gekommen?
Meine Eltern sind schon immer Radgefahren. Treten hat mir nie wirklich Spaß gemacht, deswegen war die einzige Option für mich Downhill.

Was ist für dich das Schönste am Biken, das Besondere im Vergleich zu anderen Sportarten?
Die Szene ist viel entspannter, als jetzt zum Beispiel auf den Ski-Rennen.

Was war dein schönstes Bike-Erlebnis?
Ich habe ehrlich gesagt keinen Favoriten, aber die schönsten Erlebnisse habe ich auf den Rennen. Auch wenn man nicht gewinnt, kann man sehr viel an einem Wochenende daraus lernen.
Und dein schlimmstes?
Ein schlimmes hatte ich zum Glück nie wirklich.

Welches Bike fährst du (am liebsten) – in welchem Setup?
Am liebsten fahre ich meinen YT Tues (Downhiller). Mein Racebike hat Special-Bremsen bei denen mein Name auf den Bremshebeln steht. Zuhause bin ich dann meistens mit meinem Capra oder meinem Dirtbike unterwegs, alle mit Sram Komponenten und Rock Shocks.

Was sind deine 3 Lieblingsprodukte rund ums Biken?

  1. Schuhe 5.10 District Clip
  2. Oakley Airbrake white
  3. Meine YT Bikes

Beschreib uns dein aktuelles Leben doch bitte kurz in drei Sätzen:
Ich bin Vali Höll aus Saalbach in Österreich, bin 16 Jahre alt und besuche ein Sportgymnasium. 2013 habe ich angefangen Rennen zu fahren. Vier ganze Jahre lang musste ich mit den Jungs in einer Klasse fahren, aber das war das beste Training. Dieses Jahr ist meine erste Weltcup-Saison und ich habe auch den ersten Weltcup in Losinj Kroatien gewonnen. Schule-Training-Rennen-Biken….so viel anderes hat da nicht Platz

Du bist auf dem Spielberghaus, also im absoluten Bike-Eldorado aufgewachsen, deine Eltern sind begeisterte Biker, die Stars und Sternchen der Bikeszene geben sich die Klinke bei euch im Haus in die Hand und deine Patentante ist Freeride-Profi Angie Hohenwarter …. Wie „vorgezeichnet“ war dein Weg?
Ich habe eigentlich erst so richtig was von der Rennszene mitgekriegt, als ich das erste Mal in Winterberg beim IXS Rookies Cup gewesen bin. Davor hat es mich eher wenig interessiert. Obwohl auch der Weltcup in Leogang fast vor der Haustür ist, habe ich auch erst vor 4 Jahren das erste Mal zugeschaut.

[Fotos: privat]

Was ist das Biken für dich: Mehr Ernst oder mehr Spiel?
Bei den Rennen ist es Ernst mit Spaß gemischt; man muss halt fokussiert sein, sonst macht man Fehler. Beim Bikepark fahren nur Spaß und Vollgas.

Wie verbindest du das Leben als Bikeprofi mit dem als Schülerin?
Ich sehe mich selber noch nicht als Profi, deshalb stresst es mich nicht. In meiner Schule haben alle nach dem Unterricht Training und am Wochenende ein Rennen oder gehen einfach mit Freunden biken. Es ist zwar schon ein Unterschied, ob Weltcup oder Bezirksrennen, aber überall gibt man sein Bestes. Die Freistellung, die ich für manche Rennen brauche, wurden vorab mit der Schule abgesprochen, dies ist kein Problem (solange die Noten passen). Unser Sportgymnasium hat ja auch andere Sportler auf der Schule, die sind es gewohnt, die Skifahrer oder Eishockeyspieler  fehlen z. B. viel im Winter.

Wer sind deine wichtigsten Unterstützer und was ist ihr wichtigster Beitrag zu deinem Erfolg?
Meine Familie und Angie. Sie fahren mich zum Training nach der Schule oder am Wochenende zum Bikepark. Angie ist bei drei Rennen mit mir alleine und bei den anderen ist mein Dad dabei. Das Gute ist halt, dass sie dann selber biken gehen können und nicht den ganzen Tag unten rumsitzen. Und natürlich meine Sponsoren.

Was liebst du am Rennenfahren? Was vielleicht weniger?
Das nervös sein mag ich nicht so sehr, aber das Feeling wenn man gewinnt.

Fährst du ausschließlich DH-Rennen?
Ich fahre nur DH-Rennen. Für andere habe ich fast kein freies Wochenende, aber wenn ich dann in der Elite bin, möchte ich gern bei Crankworx, Pumptrack, Dual Slalom und Air Downhill mit machen.

Vor ein paar Jahren hast du das Thema Training in einem Video gehörig auf die Schippe genommen. Wie ist das heute: wie viel harte Arbeit steckt hinter deinem unglaublichen Talent?
Ganz anders. Seit 2 Jahren trainiere ich Vollgas. Ohne Training kommst du halt nicht weit.
Kraft, Koordination, Balance, Ausdauer…. Im Fitnessstudio trainiere ich mit meinem Personaltrainer und fürs Biken mit dem Österreichischen Nationalteam.

Findest du im Glemmtal biketechnisch alles, was du brauchst und suchst – oder zieht es dich (auch) hinaus? Wie ist das im Winter?
Im Winter ist es halt schon schwer. Ich bin dann ca. 2 Monate gar nicht auf dem Bike. Im Sommer bin ich eigentlich eh fast nie zuhause, das heißt, dass ich gar nicht so viel daheim zum Fahren komme.

Hattest du jemals einen Motivationsdurchhänger und keine Lust aufs Biken, Trainieren, Rennenfahren?
Klar, das hat jeder mal.  Ich hatte das Mitte August, als ich in Whistler war, das war richtig ätzend. Als ich dann zuhause war, bin ich mal eine Woche nicht mehr gefahren und dann beim nächsten Rennen war ich wieder richtig heiß aufs Fahren.

YT Industries war der erste Sponsor, der dich unter Vertrag nahm – da warst du gerade mal 13 Jahre alt. Was hat sich damals dadurch für dich verändert?
Gratis Fahrräder. Haha. Klar, der Support war und ist das was mir geholfen hat schneller zu werden. Man kann ja nicht von seinen Eltern erwarten, dass sie dir jedes Weihnachten ein neues Fahrrad schenken.

Du bist seit kurzem offizielle Red Bull-Athletin: was bedeutet das für dich?
Ein Red Bull Athlet zu sein ist einfach die größte Ehre, darauf bin ich extrem stolz.

[Fotos: Red Bull]

Lange hast du darauf gewartet, nun wurde es Realität: Dein erstes Weltcup-Rennen, dein erster Weltcup-Sieg. Wie fühlt sich das an?
Eigentlich wie jedes andere Rennen, nur mit deinen größten Vorbildern am Start. Tahnee, Rachel, Myriam und Loic haben mich gleich begrüßt, weil wir jetzt in der gleichen Family sind. Das ist schon ziemlich cool.

Du warst im Vorfeld – nach eigenen Worten – ziemlich nervös. Was unterscheidet ein Weltcup-DH-Rennen von einem „normalen“ Rennen?
Ich habe mir selber einfach zu viel Druck gemacht für nix. Als ich unten angekommen war, war es wie bei jedem anderem Rennen.

Du bist ein großer Rachel Atherton-Fan.  Wie ist es, deinem Idol jetzt auf „auf Augenhöhe“ zu begegnen?
In Kroatien hatten wir uns erst am Sonntag im Training gesehen, da haben wir uns begrüßt. Bei der Siegerehrung haben wir gequatscht und über Red Bull usw. geredet. Schon ziemlich cool.

Möchtest du selbst ein Vorbild sein? Für wen und was?
Ich glaube nicht, dass man selber entscheiden kann, ob man jetzt ein Vorbild ist oder nicht. Kann sein ob es Leute gefällt was ich mach und es sie anspornt das Gleiche zu machen. Das fände ich schon cool

Du giltst als Ausnahmetalent und alle prophezeien dir eine sensationelle Zukunft in der Renn-Szene: Wie geht in dir vor, wenn du das hörst; wie gehst du mit dem hohen Erwartungsdruck um?
Ich find das irgendwie lustig, ich weiß ja selber nicht mal was ich in 2 Jahren machen soll. Wer weiß, vielleicht hab ich keine Lust mehr oder finde ein neues Hobby. Aber bis jetzt macht es mir noch voll Spaß und ich denke noch lange nicht ans Aufhören, jetzt geht es ja grad erst richtig los.

[Fotos: Red Bull / privat]

Baust du dir jetzt schon ein zweites berufliches Standbein auf für die Zeit nach dem Profi-Sport? Oder denkst du an so was heute noch nicht?
Schule ist das Wichtigste. 2 Jahre noch bis zur Matura und dann in Innsbruck oder Salzburg studieren, das ist der Plan.

Was möchtest du studieren – und warum gerade das?
Sportmarketing würde ich gerne studieren. Jede Firma braucht jemanden im Marketing und wenn man Glück hat, kann man dann noch mit ganz coolen Athleten zusammen arbeiten.

Du liebst das Reisen. Wie viel von den Ländern, in denen dich deine Rennen führen, siehst du tatsächlich? Wie viel Zeit bleibt da jenseits von Training und Co.?
In Kanada haben wir uns natürlich Vancouver angeschaut, das war ja eher ein Bikeurlaub als ein Rennwochenende. Sonst aber sieht man nicht viel, den Flughafen halt und wenn man Glück hat die Stadt von oben, wenn man darüber fliegt.

Social Media Präsenz ist für Sponsoren heutzutage fast ebenso wichtig, wie sportliche Erfolge. Auch du hast einen eigenen YouTube-Kanal, führst einen Vblog …  Ist das etwas, das dir Spaß macht und leicht von der Hand geht – oder doch eher eine (lästige) Pflicht?
Den Vlog mach ich ganz allein von mir aus. Ich find das voll cool, weil man dann immer eine schöne Erinnerung von seinen Rennen hat.

Welchen Rat möchtest du anderen Bikerinnen noch mit auf den Weg geben?
Auch wenn es manchmal vielleicht nervig ist: als letztes zu fahren. Aber wenn man mit Jungs fährt, wird man einfach schneller. Und man wird nicht nur, schneller, man schaut sich auch den Style ab und das hilft fürs Rennen fahren sehr viel. Sonst ist mein zweiter Rat: Spaß haben, ohne den geht nix.

Wie gefällt dir GIRLSRIDETOO.DE (ganz ehrlich, gerne auch konstruktive Kritik ;-))?
Es ist gut, dass es solche Plattformen gibt, auch wenn es vielleicht manchmal zu viel ist. Haha. Aber ich denke schon, dass es einigen Mädls hilft, sich fürs Biken zu motivieren und Gas zu geben. Kathi Kuypers und ich arbeiten auch gerade an unserem eigenen Ding, #senderella, Kathi hat sogar schon Sticker machen lassen und jede coole Shredderin egal ob Racerin oder nicht, bekommt einen.

Dank dir für das Interview!

Mehr zu Vali unter:

Ähnliche Beiträge: