Monatsfrau September: Gemma Corbera

16. September 2015 | Jule | Persönlichkeiten | Monatsfrauen,

2014-02-21 MOD Whitewall-155

Foto: Masters of Dirt

Gemma Corbera rockt die männerdominierte Dirt-Jump-Welt. Sie stand mit gerade mal 17 als eine der ersten Frauen einen Backflip und steht seit 2014 als bis dato einzige Fahrerin bei der Masters of Dirt-Show unter Vertrag, wo sie als nächstes Supertalent gehandelt wird. 
Die 23jährige Spanierin wird –wie ihre Tricks – gerne mal als „ein wenig verrückt“ bezeichnet – was sie selbst gar nicht so nachvollziehen kann… Im Interview überraschte uns die „junge Wilde“ mit erstaunlicher Bescheiden- und großer Zielstrebigkeit und punktete so auf der Sympathieskala unserer Monatsfrauen ganz weit oben.   

Gemma, wie bist du zum Mountainbiken gekommen?
Das lief ziemlich kurios. Ich hab früher Skatekunstlauf gemacht. Nach der aktiven Zeit hab ich mir dann Skates für den Skatepark zugelegt. Eines Tages bin ich mit einem Freud in den „Premia de Dalt“-Park in Barcelona und hab festgestellt, dass es dort auch einen Bikepark gibt – damals kannte ich Dirt Jump noch gar nicht. Doch nachdem ich es einmal entdeckt hatte, hab ich mich gleich in den Sport verliebt. Von dem Tag hab ich all mein Geld für ein Bike gespart und seitdem ist Dirt meine große Leidenschaft, mein Leben.

Was ist für dich das Schönste am Biken, das Besondere im Vergleich zu anderen Sportarten?
Ich liebe die Sprünge, ganz klar! Das Gefühl zu fliegen. Es fühlt sich großartig an, dein Bike zu kontrollieren und die ganz großen Sprünge zu machen. Wenn ich das Bike nehme, werde ich zu einer anderen Person. Ich habe jede Menge Motivation und so viel Adrenalin im Blut. Für mich ist das der beste Sport überhaupt!

Was war dein schönstes Bike-Erlebnis? Und dein schlimmstes?
Für mich ist jeder Trip aufs Neue ein Erlebnis. Meine besten Erfahrungen in diesem Jahr waren die „Masters of Dirt“ und der „Vienna Air King“. Es gibt mir sehr viel, zu erleben, dass so viele Menschen mir zujubeln und mich ermutigen. Diese Momente lassen mich wachsen und machen mich stärker, so dass ich jeden Tag dazu lerne. Ich nutze gleich mal die Gelegenheit, jedem zu danken, der mich dabei unterstützt! 🙂
mmmm…. Und mein schlimmstes Erlebnis war an einem Tag im Bikepark „La Poma“. Es fing an zu regnen und ich musste abbrechen. Auf dem Rückweg hatte ich dann einen Auto-Unfall. Ich konnte lange Zeit nicht in den Sattel und war sehr traurig …. Aber diese Zeit motivierte mich auch stark, das Biken noch schneller zu erlernen.

Eine andere ungute Erfahrung ist, wenn ich einen Sprung nicht schaffe. Ich bin ein Mensch, der sich selbst immer selbst zu viel Druck macht und das macht mich dann ärgerlich. Wenn ich etwas auch am nächsten Tag nicht schaffe, muss ich gehen. Aber auch diese negativen Erfahrungen helfen mir, zu lernen.

Was sind deine 3 Lieblingsprodukte rund ums Biken?
Meine Lieblingsbekleidung fürs Biken sind die Master of Dirt Shirts. Und ich liebe ION Protektoren (Ellenbogen, Knie und Handschuhe).

(Foto 1-3: Masters of Dirt, Foto 4: Vienna Air King, Christoph Laue)

Wie weit war der Weg für dich von der Entdeckung des Sports bis hin zur Karriere als Profi-Fahrer?
Ich wünschte mir, ich hätte diesen Sport schon gekannt als ich jung war … zu traurig! So hab ich Dirt Jump erst mit 17 entdeckt.
Vergleiche ich mich mit den Männern, sehe mich nicht als „Profi“. Ich habe schon eine Menge gelernt, aber ihre Tricks schaffe ich noch nicht.

Du gehörst zu den ersten Frauen, die einen backflip erfolgreich gestanden sind. Was (oder wer) hat dich dazu bewegt, den Sprung zu wagen?
Haha, das war ich ganz alleine! Schon am ersten Tag an dem ich mit dem Bike in den “la Poma Bikepark” bin, hab ich  mit meinen ersten Backflip ins Foampit geschmissen. Ich kannte und konnte damals weder Dirt Jump noch Biken – haha! An dem Tag hab ich beschlossen, dass ich den Sprung innerhalb eines Jahres auf festem Untergrund hinbekommen würde.

Was du geschafft hast! Was ist dann passiert? Hat dich dieser Sprung in der Szene berühmt gemacht und dir neue Türen geöffnet?
Hm, nein …. Ich hab mit 17 meinen ersten Backflip auf einer Funbox gemacht aber das hat sich nicht so wirklich rumgesprochen. Kurz drauf hatte ich dann den Autofunfall und konnte einige Zeit nicht aufs Bike. Wie ich wieder in den Sattel saß, sprang ich dann meinen ersten Backflip auf einem Double. Doch erst nachdem ich mein erstes Video mit dem Sprung auf einer Dirt Line veröffentlicht hab, haben das auf einmal viele wahrgenommen. Und plötzlich kannten mich viele Leute und auch andere Fahrer.
Diesem Umstand verdanke ich, dass ich ins „Masters of Dirt“- und ins ION-Team gekommen bin. Zu erleben, dass ich dort so unterstützt werde, gab mir einen großen Motivationsschub, mich jeden Tag aufs Bike zu schwingen.

Wie ist dein Verhältnis zu den Dirt-Jump-Männern? Fühlst du dich respektiert und unterstützt, vielleicht sogar bewundert?
Ja klar, ich fühle mich definitiv respektiert und werde unterstützt. Ich hab großartige Freunde dort und fühle mich wie in einer Familie. Am Anfang war es schon hart und ich hab mich etwas alleine gefühlt, aber jetzt ist es perfekt.

Wie groß ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern in dieser Disziplin?
Ja, ich versteh‘s auch immer nicht, aber der Unterschied ist riesig! Es gibt sehr wenig Frauen, die das überhaupt machen und ich denke mir immer, wir sollten doch eigentlich gleich gut sein. Ich denke, es ist körperlich einfach wie schwieriger für uns Frauen und auch von der Kraft her, aber ich denke, wie sollten vielleicht auch einfach noch ein wenig mehr dafür tun…

Von außen schaut Dirt Jump zwar super faszinierend, aber auch ganz schön gefährlich aus. Ist das so? Wie viele gebrochene Knochen sind „normal“ 😉 ?
Dirt Jump ist schon gefährlich aber es ist auch gefährlich die Straße zu überqueren oder eine Treppe runter zu gehen. Ich denke nicht an die Gefahr – man kann sich einfach überall wehtun!
Klar kann man sich leicht verletzten und auch mal einen Knochen brechen. Und ich hasse es, verletzt zu sein. Wir müssen uns dann einfach eine Auszeit gönnen und dann schnell wieder aufs Bike!

Ganz ehrlich: Muss man ein wenig „verrückt“ sein, um Dirt zu lieben? Und wie ist das mit dir?
Haha, viele Leute sagen mir, ich sei verrückt. Aber ich seh das ganz anders. Ich liebe Dirt, das Glücksgefühl das ich beim Springen habe.

Hast du niemals Angst, wenn du einen neuen Sprung ausprobierst? Und falls doch, wie gehst du damit um?
Doch, manchmal schon – aber das ist auch gut so! Denn wenn nicht, verletzt du dich sehr schnell. Normalerweise nehm ich mir die Angst, indem ich einfach einem Freund hinterherfahre, wenn ich einen neuen Sprung versuche. Ich fahre genau seine Geschwindigkeit und denke mir: Wenn er die Landung schafft, schaff ich das auch.

Hat jeder Fahrer seinen ganz eigenen Style? Wie schaut deiner aus?
Ja, jeder Fahrer hat seinen eigenen Fahrstil. Das kommt mit Zeit, wenn du viel fährst. Manche haben einen ähnlichen Stil, aber jeder fährt doch ein bisschen anders. Ich persönlich mag den aggressiven Sytle von Andreu Lacondeguy und den Flow von Semenuk.

Du sagst, du liebst es, dazuzulernen. Wieviel kannst du noch lernen? Wo ist die obere Grenze – oder gibt’s immer ein „größer, höher, weiter“?
Oh ja, ich lerne supergerne dazu! Ich finde es schwer, mit dem zufrieden zu sein, was ich schon kann – ich möchte immer noch mehr. Wenn ich ein Ziel erreicht habe, suche ich mir schnell ein neues. Ich setz mich immer unter Druck und es ist ganz klar, dass ich noch viel dazu lernen muss, mehr Style und weitere Tricks in den großen Sprüngen!

„Masters of Dirt“ ist kein Wettkampf – „Vienna King“ dagegen schon. Was spricht dich persönlich mehr an? Wo liegt der Unterschied für dich?
Ich liebe Shows! Aber ehrlich gesagt: ich mag einfach beides. Einen großen Wettbewerb geh ich genauso an wie eine Show. Ich möchte einfach immer mein Ziel erreichen. Und ich trete ja auch immer in den Wettbewerb mit den Männern – und das ist sehr schwer, auch wenn ich mein Bestes gebe. Beim „Vienna Air King“ bin ich gegen einige der weltbesten Profi-Männer gesprungen, und das Level habe ich noch lange nicht!

Wie dürfen wir uns dein Leben vorstellen? Voller Reisen, Partys … – stimmt dieses Image? Was gefällt dir am Besten daran?
Ja, mein Leben besteht aus Reisen und Biken! Am Ende eines Events steht immer eine riesengroße Party – das gehört einfach zusammen – haha!
Aber ich muss zuhause dann auch hart arbeiten, um mir das leisten zu können. Und wenn ich arbeite kann ich nicht biken L.
Ich liebe das reisen und jeden Tag an einem anderen Ort zu biken!

Wie „seriös“ ist dein Sport? Wie viel und was musst du trainieren?
Du kannst dir das frei organisieren und so viel Zeit im Sattel verbringen, wie du möchtest oder kannst – abhängig von deiner Zeit und vom Geld, klar.
Zum Biken trage ich immer meine Protektoren und einen Helm. Zudem immer ein langes Shirt und enge Hosen. Und ich schaue immer darauf, dass sich mein Bike genauso wohl fühlt, wie ich 😉

Du bist die einzige Frau im „Masters of Dirt“-Team und ich bin mir sicher, die Frauenquote in den Parks ist auch ziemlich niedrig. In anderen Bikedisziplinen verändert sich das gerade langsam aber sicher und die Frauen werden immer mehr. Wie ist das bei euch?
Ja, es ist großartig, die einzige Frau bei “M.O.D.” zu sein! Ugh, aber ich rede gar nicht gerne darüber: Ich bekomme keine Gehalt. Ich muss arbeiten, um mir das Biken, die Flüge und das Bike leisten zu können. Einige große Marken unterstützen mich allerdings sehr mit Material – ohne sie wäre ich nicht dort wo ich heute bin (danke!)

Siehst du dich selbst als Vorbild für andere Frauen?
Das ist eine schwierige Frage! Ich denke ich bin ein Vorbild für Frauen, die mit Dirt Jump anfangen. Sie können sehen was wir springen können und das sie keine Angst zu haben brauchen.

Was tust du, wenn du nicht auf dem Bike sitzt?
Wenn ich nicht auf dem Bike sitze, dann weil ich arbeite, mich gemeinsam mit Freunden von einem harten Biketag erhole oder verletzt bin – haha. So wie jetzt gerade – ich langweile mich schrecklich. Ich kann einfach nicht rumsitzen!

Welchen Rat möchtest du anderen Bikerinnen zum Schluss noch mit auf den Weg geben?
„YOU CAN DO IT“. Ich möchte alle Frauen Mut machen, diesen Sport mal auszuprobieren. Es ist wichtig, keine Angst und stattdessen jede Menge Lust drauf zu haben.

Gemmas „Top-15-Liste:

  • I love the big jumps
  • I love “ La Poma bikepark”
  • I like traveling a lot
  • I love Dirt Jump Shows
  • I am passionate about going to events
  • I like meeting new people and new riders
  • I like animals (I have two dogs)
  • I like parties with my friends
  • I hate to hurt me
  • I hate injuries
  • I hate fake people
  • I like learning new tricks
  • I like the adrenaline and improve every day
  • I like snowboard, bmx and freeride

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