Monatsfrauen-Update: Sabine Höll

11. Oktober 2018 | Jule | Persönlichkeiten | Monatsfrauen,

Vorwort

Der Wahnsinn: Unsere „Monatsfrauen-Interviews“ gibt es nun mehr seit unglaublichen 10 Jahren! Gut 100 mega-interessante, gänzlich unterschiedliche Frauen aus der Bikebranche haben wir seitdem interviewed und gebannt ihren Geschichten gelauscht.

Leider sind seit dem Umstieg auf die jetzige technische Plattform in 2016 viel zu viele davon nicht mehr öffentlich zugänglich. Wie extrem schade das ist, wurde mir erst so richtig bewusst, als ich viele viele viele davon auf dem „1. European Women’s Outdoor Summit„ Ende 2018 getroffen habe – einige davon zum allerersten Mal.

In den Gesprächen hat sich herausgestellt, dass (natürlich) auch bei ihnen die Zeit nicht stehen geblieben ist und sich  oftmals (aber auch nicht immer) zwischenzeitlich enorm viel verändert hat. Das brachte mich auf eine Idee, deren Umsetzung ich mit diesem ersten „Update“-Beitrag nun starte: Wir veröffentlichen von den „Summit-Monatsfrauen“ einfach nochmal das alte Interview – und ergänzen es um ein Update aus der heutigen Sicht rund um die Fragen: „Was hat sich zwischenzeitlich verändert?“ und „Wo stehst du heute?“.


Oktober 2018

Sabine Höll 2018

„Alles anders und doch alles gleich“, so betitelt Bine ihr Update. Unglaubliche 9 Jahre ist es her, seitdem Bine uns als Kopf, Herz und Hand des berühmten „Spielberghauses“ in Saalbach-Hinterglemm das erste Mal „Rede und Antwort“ stand (siehe unten). Jetzt bekommt ihre Update eine ganz besondere „Note“: Denn parallel zu ihrem Refresh, findet ihr Bines Tochter Vali im aktuellen Monatsfrauen-Interview, die sich inzwischen zum echten Bike-Star entwickelt hat – was natürlich auch Bines Leben in den letzten Jahren maßgeblich beeinflusst hat ….

Wo stehst du heute?
Rein optisch sind ein paar Falten dazu kommen ha ha. Das Schönste natürlich: unsere Familie hat sich vergrößert mit Jonathan unserem Nachzügler – gerade 6 Jahre alt! Nein, er ist kein leidenschaftlicher Biker wie seine Schwester, er hat seinen eigenen Kopf und sein Berufswunsch ist Superheld oder Erfinder.

Das Spielberghaus ist wirklich eine Biker Base geworden. Für die geführten Touren haben wir mittlerweile Guides angestellt, die alle Wünsche unserer Bike-Gäste erfüllen, Fahrtechnik, Genusstouren… Wir selber konnten die Ansprüche der Biker nicht mehr abdecken. Die einen wollten lange Touren fahren, die anderen nur Downhill. Natürlich haben wir uns auf den E-Bike-Hype auch reagiert und in einige E-Bikes (Mondraker) investiert. Nicht nur aus geschäftlichen Gründen, sondern auch aus eigener Überzeugung. E-Bike-Flow auch bergauf hat auch uns überzeugt und ist zu unserer Leidenschaft geworden.

Was bestimmt dein Leben heute?
Auf jeden Fall meine Familie! Die letzten Jahre haben bestimmt Valis Downhill-Aktivtäten unseren Zeitplan in Anspruch genommen, Taxi Mama & Papa zu den Rennen, diverse Trainingseinheiten (mit Erfolg)…, wir hätten nicht gedacht, dass es sich so entwickelt. Das erste Weltcupjahr ist perfekt verlaufen. Mein Mann Walter hat seinen langjährigen Mechaniker-Job bei Vali verloren und wurde durch einen jüngeren und auch versierteren französischen Mechaniker ersetzt. Nächste Saison sind wir nur noch begeisterte Zaungäste und mentale Unterstützung für Vali.

Zusätzlich muss ich noch ins Fitnessstudio 2x in der Woche gehen, um auch was für die Stabi zu tun. Mir kommt vor, desto älter man wird, um so mehr muss ich machen, um fit und gesund zu bleiben.

Das Spielberghaus ist unsere Base, wo es immer viel zu renovieren gibt. Ein großer Umbau steht im Frühling wieder bevor, dies kostet sehr viel Energie und Einsatz.

Was hat sich mittlerweile bei dir getan/ verändert?
Nicht, dass es mir langweilig ist und ich nach Arbeit suche. Aber wie es um das Freeride Festival in Saalbach ging und um die Frage, ob wir es alleine ohne einen dahinterstehenden Verlag machen, haben Leni und ich gleich „Hier!“ geschrien und organisieren nun die EXPO, Side Events……. Jetzt geht das GlemmRide in die vierte Runde und ich bin wirklich sehr stolz darauf, dass es so ein lässiger Gravity Event geworden ist. Die Orga macht riesen Spass und es ist wirklich sehr cool mit dem Tourismusverband Saalbach und den Mädls das Festival zu rocken.

Den Mountainbike Kongress in Saalbach habe ich Anfangs auch mitorgansiert unter dem Initiator Harald Maier, dieser ist nun auch zu einem festen Bestandteil in Saalbach geworden.

Zudem habe ich eine Ausbildung zum Freeride/Bikeparkguide absolviert – obwohl ich mir gestehen muss, dass es im Bikepark bestimmt versiertere Guides gibt wie mich und ich doch lieber auf den Trails mit meinen Gästen unterwegs bin…..

Was ist gleich geblieben?
Mein Mann 😉, die Leidenschaft zum Biken, besonders zum Feeriden. Ich verreise immer noch sehr gerne zu diversen Bike Destinationen, Canada, Madeira, La Palma, Liguren, Schweiz… Leider muss ich mir echt die Zeit gut einteilen und oft die Großeltern für den Jüngsten einspannen, um meinem Biketrieb nach zu gehen.

Mit Angie Hohenwarter veranstalte ich jetzt immer noch die Ladies Session ich glaube zum 14. mal – ein Ende ist nicht in Sicht. Es macht immer noch riesen Spaß. Das Bike-Niveau der Mälds wird immer besser, ebenso das Equipment.

Wir haben so viele tolle Menschen dadurch kennengelernt und es sind einige Freundschaften entstanden.

 


2009

Sabine Höll 2009

Pünktlich zum 1. Oktober geht unsere neue Monatsfrau an den Start: Diesmal Bine – das Herz vom Spielberghaus im österreichischen Saalbach. Hier treffen sich im Sommer Profi- und Amateur-Biker (und auch immer mehr -innen, wie z.B. unsere 10-köpfige Truppe vom Mut-tut-gut-Workshop) aller Couleur – bestens betreut von der lebenslustigen Ex-Münchnerin, die das große Glück hat, viele viele Sommertage auf dem Bike verbringen zu dürfen.

Bine, wie bist du zum Mountainbiken gekommen?
Durch einen Arbeitskollegen, als ich noch in einem Münchner-Sportgeschäft gearbeitet habe.

Was ist für dich das Schönste am Biken, das Besondere im Vergleich zu anderen Sportarten?
Das Schönste am Biken ist das Naturerlebnis und den seelischen Ausgleich den man danach empfindet, so wie den Adrenalinkick und viele Erfolgserlebnisse……..das ist vielleicht auch noch im Winter mit dem  Freeriden vergleichbar aber beim Biken viel intensiver 😉

Was war dein schönstes Bike-Erlebnis? Und dein schlimmstes?
Die schönsten Bikeerlebnisse habe ich immer, wenn ich einen Flow habe. Das schlimmste Bikeerlebnis hatte ich heuer am Gardasee nach einem schweren Sturz.

Du bist die „First-Lady“ auf dem Spielberghaus. Wie hat es dich dort hin verschlagen, wie kam das?
Hi hi die Liebe … Ich wollte als Kind schon in die Berge ziehen, dass ich dann vor 10 Jahren wirklich beim Skifahren Mr. Right kennen gelernt habe, hätte ich mir wohl nicht gedacht.

Du bist (inzwischen?) eine bombige Bikerin. Bist du vor deiner Spielberghaus-Zeit schon mit dem Bike unterwegs gewesen oder hast du das dort es gelernt?
Damals habe ich nur das Münchner-Umland unsicher gemacht, allerdings  nicht so in dem Ausmaß wie jetzt, wo ich die besten Trails direkt vor der Nase habe. Als Kind musste oder durfte ich mit meinen Eltern oft mit auf Rennradurlaub. Außerdem habe ich vor ca. 8 Jahren einen Fahrtechnikkurs bei Karen (Eller) gemacht, und habe gleich gemerkt, dass das Technische mir liegt und besonders Spass macht.

Erzähl mal, wie schaut ein typischer Tag in der Sommersaison dort für dich aus?
6 Uhr 30 Aufstehen, Frühstück für meine Hausgäste zubereiten – umziehen und dann ab aufs Bike. Je nach Gast, Tour oder Freeridetour mit Einkehrschwung. Nach der Heimkehr eventuell Chillen im Hot Pot und bei einem guten Abendessen auf der Terrasse die Abendstimmung genießen.

Gibt es für dich und deine Familie im Sommer auch mal „Freizeit“? Und was macht ihr dann?
Wir haben im Frühjahr ziemlich viel Zeit, aber volles Programm. Eigentlich ist dann alles auf Biken programmiert. Nach einem langen Winter ist die Vorfreude immer sehr groß aber die Kondition dafür sehr mager. Auf den Kinderurlaub dürfen wir nicht verzichten, d.h. am Meer campen, Sandburgen bauen und Mensch-Ärgere-Dich-Nicht spielen. Dann geht es meistens nach Mallorca, Finale, Gardasee zum Biken….

Was magst du lieber: Den Sommer oder den Winter und warum?
Den Sommer, mehr Zeit, immer liebe Gäste und kein Schnee auf den Trails

Du hast es schon erwähnt, du bist ursprünglich aus dem Münchner Umland: Vermisst du die Stadt manchmal oder bist du inzwischen schon ganz zur „Berglerin“ geworden?
Manchmal vermisse ich die Stadt (Biergarten, gut Essengehen und meine alten Freunde) schon, aber dann hol ich mir einfach wieder eine Stadtpackung wenn`s mich überkommt, 2 Std. Autofahrt sind nicht so tragisch. Danach bin ich aber wieder froh, wenn ich auf meinem Berg bin. 

Ihr habt ja im Sommer fast ausschließlich bikendes Publikum im Haus – darunter auch viele Stars der Szene, berühmte Fotografen, die BIKE, etc… Wie hat sich das entwickelt und warum ist das für Biker bei euch so attraktiv?
Hmmm, das hat schon eine Zeit lang gedauert, da aber schon viele Events in Saalbach waren und so mancher Star, Redakteur oder Fotograf alleine den Weg zu uns gefunden hat, konnten wir viele Kontakte knüpfen. Auch die damalige Zusammenarbeit mit den Rasenmähern war sicherlich hilfreich und nicht zu vergessen die Zeitschrift BIKE. Es sind dadurch ganz tolle Freundschaften entstanden. Harald Philipp hat seine Base im Sommer auch bei uns aufgeschlagen, das ist sicherlich ein guter Magnet. Außerdem bieten wir den Bikern alles an, was wir auch gerne in einem Bikeurlaub haben, persönliche und ungezwungen Atmosphäre und das ganze Drumherum… 

Du nimmst immer wieder mal an Lady-Bike-Tests von der BIKE teil. Verrat mal: Wie kam das? Ist das Spaß pur oder doch auch schon harte Arbeit?
Gitta Beimfohr (BIKE-Redakteurin) und Karen Eller haben mich damals angerufen, ob ich Zeit hätte zum Bike testen. Das war erstmalig, dass bei der Bike ein Test für Frauen von Frauen durchgeführt werden sollte. Sie haben damals noch eine „kleine Bikerin“ gesucht.

Es ist vor allem sehr interessant, denn wann hat man die Möglichkeit so viele verschiedene Bikes zu testen? Jedoch ist jeder sehr individuell und hat so seine Vorlieben und Ansprüche an Bikes, deshalb ist es schwer ein Bike objektiv zu beurteilen. Mit Ursi habe ich bis tief in der Nacht über die verschiedenen Bikes diskutiert, es war also kein Kaffekränzchen.

Ihr habt im Spielberghaus seit einigen Jahre das so genannte „Oma Special“ im Programm. Was ist das genau und wie bist du auf diese Idee gekommen?
Eigentlich ist Walter auf die Idee gekommen, da wir nach der Geburt unserer Tochter vor dem Problem standen, wie bringe wir Kind und Biken im Urlaub unter einem Hut. Wir nehmen sehr oft meine Eltern mit in den Urlaub, die dann auf die Vali aufpassen und wir mit dem Bike auf Tour gehen. Bei unserem Special reist die Oma kostenfrei mit.

Hast du in deiner Umgebung eigentlich jede Menge Mädels, mit denen du zum Biken gehen kannst oder sind Bikerinnen auch in den österreichischen Bergen noch vergleichsweise dünn gesät?
Saalbach ist wirklich das Eldorado für Biker und entwickelt sich immer mehr und mehr. Das steckt die Einheimischen natürlich auch an. Am Anfang bin ich nur mit meinem Mann gefahren oder alleine und seit einigen Jahren habe ich 2,3 local Freundinnen, die mit mir Freeriden gehen und neue Trails auskundschaften, es kommen immer mehr dazu. Aber immer noch viel zu wenig …..

In welche Richtung würdest du euer „Hausprogramm“ gerne noch weiterentwickeln? Habt ihr schon konkrete Pläne?
Ich würde gerne mehr individuelle Freeride-Touren für Frauen führen. Das Biken ist mittlerweile sehr differenziert geworden, vom Soulrider,

Foto: Colin Stewart

Tourenfahrer, Freerider bis zum Downhiller jedem kann man nicht gerecht werden. Für nächstes Jahr habe ich bereits  Ideen in der Schublade… Ausserdem haben wir noch einige bauliche Maßnahmen am Haus vor, damit sich die Biker noch wohler fühlen (Sauna….).

Du hast eine siebenjährige Tochter, die auch schon fleißig am Biken ist. Hat sie das selbst für sich entdeckt oder habt ihr hier ein wenig „nachgeholfen“?
Naja, sie sieht ja nicht gerade was anderes. Aber sie nimmt alles als Spiel an, baut sich ihre Gaps und Log-Rides im Garten. Heuer hat sie ein Stinky Kona 24 (ihr Lieblings-Spielzeug) bekommen und hat noch mal einen gewaltigen Sprung gemacht. Man muß ihr nichts erklären, denn sie nimmt alles visuell auf. Wir können Valentina schon auf alle Freeride-Touren mitnehmen, wenn sie gerade motiviert ist ;-).

Welchen Rat/welche Tipps möchtest du anderen Bikerinnen mit auf den Weg geben?
Immer mit Spaß ans Biken rangehen, sich nie selbst unter Druck setzen und auch nicht von anderen setzen lassen.

 

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