Monatsfrau Mai: Mareen Werner

Quelle: Sport Import

Quelle: Sport Import

Erst letztens durften wir Mareen Werner „in Aktion“ erleben: Im Rahmen eines kleinen Bike-Putzworkshops demonstrierte sie uns nicht nur mit einer Hingabe, die jede Kosmetikerin blass aussehen lässt, die feinen Elixiere, Tiegel und Bürstchen aus dem Sortiment einer „ihrer Marken“, sondern dabei zugleich auch ihr enormes Knowhow rund um Biketechnik, -pflege und -wartung. „Ah“ und „oh“, tönte es durch unsere Mädelsreihe, wie das Bike schließlich blitzblank glänzend da vor uns stand und gemeinsam mit uns und Mareens stylischen Fingernagelschmuck um die Wette strahlte. Und irgendwie hatten wir alle plötzlich mords Lust aufs Putzen…
So läuft es meist, wenn die „Product Marketing Managerin“ ihre Schatztruhe öffnet und Magazinen, Händler oder Endverbrauchern die Produkte ihres Arbeitgebers, dem Sportartikel-Großhändler Sport Import, präsentiert: Ihre Begeisterung steckt an!
Warum sie Ihren Job so sehr liebt und so gerne auf Women’s Camps unterwegs ist, erzählte sie uns im Interview …

Mareen, wie bist du zum Mountainbiken gekommen?
Durch Zufall eigentlich. Ich hab vorher Handball gespielt, war da aber nie ne richtige Leuchte… das hat halt einfach Spaß gemacht wegen der tollen Mannschaft. Wir sind dann aufgestiegen, das hieß mehr Training und dann hab ich beschlossen aufzuhören. Meine Skills waren nicht gut genug… Dann war ich auf der Suche nach einem neuen Sport als kleinen Ausgleich für meinen Süßigkeitenkonsum ;). Ich hab mir auf Ebay ein altes Bianchi „MTB“ geschossen und bin dann mit dem durch den Wald gefegt. Da hab ich dann festgestellt, dass Radfahren mich schön entschleunigt – nach dem Radfahren waren Sorgen und Stress fast nicht mehr da. So gings dann los mit meiner Bike-Leidenschaft. Das Bianchi wurde recht schnell weiterverschenkt, ich hab mir dann ein Hardtail gekauft. Definitiv die falsche Wahl für das was da noch kommen sollte. Durch Zufall hab ich in einer Bike-Zeitschrift von einem „Freeride-Camp“ nur für Mädels gelesen. Da ich ja keine Ahnung hatte was das bedeutet hab ich mich blauäugig da angemeldet und bin dann mit Lycrapelle, Discounterhelmchen und meinem Hardtail nach Saalbach gereist. Da sind wir dann die ersten Trails gefahren, waren im Bikepark etc… Seitdem bin ich infiziert und auch das Hardtail wurde recht schnell durch ein Fully ersetzt.

Was ist für dich das Schönste am Biken, das Besondere im Vergleich zu anderen Sportarten?
Auf dem Rad kann ich wirklich gut entspannen, ich genieße die Natur und bin total fokussiert und kann alles andere einfach ausblenden.

Was war dein schönstes Bike-Erlebnis?
Kann ich gar nicht sagen, ich hatte so viele schöne Bike-Erlebnisse, Ich genieß jeden Moment auf dem Rad. Biken macht glücklich! Der erste Trail gehört auf jeden Fall dazu, dann natürlich die Rennen mit meinen „Felt-Hasen“, ein Schweiz-Trip mit meinen Mädels,  Also der Trip an sich war nich so doll aber wir hatten jede Menge Spaß und haben gut zusammengehalten. „Surfing Trails“ in Portugal war auch sehr schön im Februar. Schon allein mit dieser Antwort könnte ich Seiten füllen.
Nach einem Sturz beim Ski fahren hatte ich mir die Schulter zerstört, danach konnt ich nicht mehr biken. Der Kopf hat einfach nicht mehr mitgespielt, das war extrem frustrierend, der Moment als der Knoten dann platzte und alles wieder funktionierte war extrem schön. Danke an meine Heldin, Antje Kramer! Ich weiß nicht wie sie das damals gemacht hat aber es hat funktioniert!
Und dein schlimmstes?
Ein heftiger Rennradsturz auf Zypern, das hätte echt dumm ausgehen können. Es war meine erste Saison auf dem Rennrad, die dünnen Reifchen waren noch sehr ungewohnt und ich war einfach zu schnell für mein damaliges Fahrkönnen, dachte aber ich kann mal eben den Jungs hinterher…  Mich hat´s aus der Kurve getragen, das Rad ist an einem Baum hängen geblieben und ich hab den Superman gemacht. Mit Schmackes ins Kakteenfeld. Für Insider heißt das Klavdiatal seitdem Mareen-Kakteental. Von den Stacheln hatte ich ziemlich lange was, das Rad war Schrott und mein Ego angeknackst. Unser lieber Camparzt hat mich wieder zurechtgebogen und 2 Tage Fahrradverbot verordnet. Am dritten Tag bin ich nochmal durchs „Kakteental“, sonst wäre ich wahrscheinlich nie wieder aufs Rennrad gestiegen.

(Quelle: Sportograf.com | Surfing Trails Portugal)

Und wie hat’s dich dann auch beruflich in die Bike-Branche verschlagen? Du kommst ja eigentlich aus einem ganz anderen Bereich …
Ich habe vor meinem Job bei Sport Import in einer großen Endoskopie-Praxis in Heidelberg gearbeitet. Ich hab dort gelernt und war insgesamt 14 Jahre dort. Auch dieser Job hatte schon viel mit Technik zu tun 😉
Im Laufe der Zeit hat sich das Team und das Arbeitsumfeld verändert und es gab auch irgendwann keine Chance mehr weiter zu kommen, ich war oft genervt und bin zum Ausgleich aufs Rad gestiegen.
Mein damaliger Chef fand das dann nicht so gut wegen der Verletzungsgefahr, das war der ausschlaggebende Punkt was anderes zu machen. Mein damaliger Freund hat mich sehr unterstützt, ohne ihn und die Unterstützung meiner Familie  hätte ich wahrscheinlich nicht den Mut gehabt diesen Schritt zu wagen. Ich hab dann diverse Trainerausbildungen gemacht, um mich als Trainerin selbstständig zu machen. Sport Import hatte damals schon Powertap-Powermeter im Programm und Training mit Powermetern war  noch nicht Stand der Dinge. Also brauchten die jemanden der den Endkunden auf Events Watt-Training näherbringen und erklären konnte. Das waren meine ersten Schritte in der Bike-Branche. So kamen dann nach und nach mehr Aufträge zusammen und irgendwann wurde ich dann gefragt ob ich mir nicht vorstellen könnte da in Festanstellung zu arbeiten. Auch diese Entscheidung habe ich noch keinen Tag bereut. Ich liebe meinen Job!

Wie sehen deine Aufgaben heute aus?
Ich bin für Produkte wie z.B. Powertap und CycleOps die Ansprechpartnerin für Händler und Kunden. Auf Anfrage besuche ich Händler und schule sie zu diversen Themen, hauptsächlich Speedplay und Powertap. Zusammen mit meinen Kollegen plane ich unsere Eventbesuche und führe diese dann natürlich auch aus. Vor Ort bin ich dann zuständig für Beratung, Verkauf und Workshops. Auch Aufbau und Abbau gehören dort natürlich zu meinen Aufgaben. Die Arbeit auf Events ist sehr vielseitig und man muss flexibel sein, jedes Event ist einzigartig.

Zusätzlich bist du noch für die „Medienbetreuung“ zuständig – dein heutiger Schwerpunkt. Erzähl mal kurz, was das konkret heißt.
Wir haben sehr viele Marken im Programm und ich versuche diese Marken in den Medien zu platzieren. Dafür besuche ich regelmäßig die verschiedenen Magazine und stelle die neuen Produkte vor. Ein Redakteur hat mal zu mir gesagt „für mich bist Du das Gesicht von Sport Import“, genauso soll‘s sein.  Ich bin die Ansprechpartnerin wenn es Fragen zu den Produkten und der Anwendung gibt oder auch bei Testanfragen. Hier geht es darum, in Abstimmung mit den Herstellern und mit Kollegen das richtige Produkt für den Test auszuwählen. Ich recherchiere in den Magazinen, steh in ständigem Kontakt mit den Redakteuren und teste unsere Produkte natürlich auch selbst.

Wer dich trifft, merkt sofort: du liebst diesen Job und bist mit Herz und Seele dabei! Was daran macht dir am meisten Spaß? Was vielleicht doch eher weniger?
Ja, ich liebe meinen Job. Es wird nie langweilig, ich habe tolle Kollegen, einen super Chef, ich komme viel rum und darf mich mit super Sachen beschäftigen die vielen Bikern und natürlich auch mir glänzende Augen bescheren… Bin aber leider nur noch selten auf dem Rad, meistens sitze ich im Auto… Das ist der einzige Nachteil wenn man das Hobby zum Beruf macht.
Im Winter wird‘s ein wenig ruhiger, da kann ich mich dann intensiver um die Magazine kümmern. Ich habe im Oktober einen neuen Wagen bekommen, der zählt nicht nur die km sondern auch die Fahrtzeit, leider stehen diese zwei Faktoren ja nicht unbedingt in direktem Zusammenhang. Ich war schon erschrocken als ich gesehen habe dass jetzt (Anfang Dezember) schon 155 Stunden auf der Uhr stehen bei knapp über 9000 km. Pro Jahr fahr ich zwischen 65000 und 75000 km. Da muss ich noch ganz viel biken für meine Ökobilanz 😉

 

Wir haben dich gerade erst letztens bei einem kleinen Bike-Pflegeworkshop getroffen, wo du nicht nur mit enorm viel fachlichem Knowhow, sondern auch mit sensationell stylischen Fingernägeln beeindruckt hast. Wie geht das für dich zusammen: Die (gerne auch mal dreckige) Technik und das „Frausein“?
Witzig, die Fingernägel bleiben bei vielen in Erinnerung. Das Schöne daran ist, die gehen nicht kaputt und sehen schön gepflegt aus. Außerdem sind sie sehr praktisch, man kann zur Not auch mal ein Paket damit aufmachen 😉 Während der Saison sind immer kleine Fahrräder drauf 😉 Ein kleines bisschen „Tussi“ geht schon…

Wie erlebst du diese scheinbare Ambivalenz in deinem Job, denn auch du „wilderst“ ja, wie viele unserer Monatsfrauen, in einer Männerdomäne?
Es ist einfach so, dass Frauen in „Männerberufen“ härter arbeiten müssen um zu beweisen dass auch sie diesen Job machen können. Leider muss man doch recht oft gegen Vorurteile ankämpfen. Wenn man sein Können dann mal bewiesen hat wirds einfacher.

Wie ist das Verhältnis der Frauen in der Bike-Branche untereinander? Was verbindet (oder trennt) euch?
Ich bin ja hauptsächlich auf Events unterwegs, da ist das Verhältnis untereinander sehr entspannt und freundschaftlich, man hilft sich gegenseitig und geht nach Feierabend auch gern mal zusammen biken. Da sind schon viele tolle Freundschaften entstanden. Was uns verbindet ist natürlich die Leidenschaft zum Biken.

Du hast es gerade schon erwähnt: Man trifft dich oft und gerne auf den diversen Frauen-Bike-Camps. Was zieht dich dorthin?
Ich bin gern auf Womens‘ Camps, Frauen lernen dort untereinander ohne Stress und Hektik und ohne doofe Kommentare. Sie trauen sich auch einfach mehr zu fragen, von Frau zu Frau, egal ob es um Technik oder Fahrtechnik geht. Die meisten sind gerade wenn es um Technik geht beeindruckt und sagen sich dann, „hey, wenn eine Frau das kann, dann kann ich das auch lernen“. Viele lassen aber auch gerne noch Ihre Männer ran wenns ums Schrauben oder Flicken geht, ist halt einfacher… und man muss sich nicht die schönen Fingernägel schmutzig machen. Kleiner Tipp: auch die gehen mit Muc-Off schnell wieder sauber…
Wenn ich mir einen Trail anschaue, den ich mit Anfängerinnen fahren möchte, dann seh ich den mit anderen Augen als ein Mann. Ich kann sofort erkennen was den Mädels Angst macht und darauf gezielt eingehen. Ich hab ja auch mal angefangen…

Wie erlebst du das, wenn du dort Workshops rund um die Bikewartung und –pflege gibst? Frauen gelten ja eher als wenig technik-affin…
Das würde ich so nicht unterschreiben, ich kenne viele Mädels die richtig was drauf haben wenn es um Technik geht. Auch hier gilt wieder, von Frau zu Frau ists manchmal einfacher und sie trauen sich mehr zu fragen

Vermittelst du diese Themen Frauen anders als Männern? Falls, ja, wie sieht das dann aus?
Nöö, ich mach da keine Unterschiede. Ich stell mich immer auf mein Gegenüber ein, man merkt ja recht schnell wie affin jemand ist und steigt dann auf dem Level ein.

Über welche Themen erzählst du in deinen Workshops sonst noch so? Was ist dein persönliches Lieblingsthema. Und welches ist der „Renner“ bei deinen Kunden?
Bei Händlern schule ich meistens zu den etwas erklärungsintensiveren Produkten wie Wattsteuerung, Powertap, Sram Quarq und Speedplay.
Auf den Events sind es dann meistens Schrauberworkshops, auf tubeless umrüsten und wie man sein Bike richtig reinigt und pflegt.
Wattsteuerung ist schon eins meiner Lieblingsthemen, damit hat schließlich alles angefangen. Bei den Kunden kommen die Putzworkshops richtig gut an.

Welche (fachliche ;)) Frage bekommst du von Männern am meisten gestellt?
Das kommt immer aufs jeweilige Produkt an, die meisten Kunden (Männer und Frauen) fragen meistens nach dem Preis…
Was häufig gefragt wird ist wie lange sich tubeless Milch im Reifen hält.

Woher bekommst du dein Wissen, wie bleibst du fachlich auf dem Laufenden?
Wir haben natürlich Schulungen, viele Sachen probier ich auch einfach aus. Ich schau mir Tutorials an etc. und ich habe super Kollegen bei uns im Service die mir immer ganz viel zeigen und erklären!

Was war das Lustigste, was du in deinem Job bisher erlebt hast? Da gibt’s sicherlich die eine oder andere Anekdote, oder?
Ich war mit meinem Kollegen bei einem Event auf Zypern. Da haben wir die ganze Woche Powertaplaufräder, Speedplay, Zipp´s, BBB-Produkte und alles mögliche verliehen. Unter der Woche kannten uns die Teilnehmer halt nur in Arbeits- oder Radklamotten und mit Kettenfett an den Fingern… Sonntags ist da aber immer Galaabend, da haben wir uns dann richtig schick gemacht.  Einem unserer Kunden ist fast sein Teller aus der Hand gefallen… Er stand da mit offenem Mund und konnte es garnicht fassen.

Eine besondere Aktion, bei der du dabei warst, war der Bau eines Pumptracks in Berlin in gerade mal 24 Stunden. Erzähl mal mehr darüber …
Oh, das ist schon paar Jahre her… 2010
Schön wars, aber auch echt anstrengend, die Jungs und Mädels haben da innerhalb von 24 Stunden nen fetten Pumptrack unter die Warschauer Brücke gebaut. Die 24 Stunden waren gedacht, um genügend Leute da zu haben, Termine machen mit mehreren Leuten funktioniert ja meist nicht so toll.  Ich hab Dreck geschaufelt und den festgeklopft, so wie alle anderen auch. Wer in der Nähe ist sollte da unbedingt mal hin!
Es gibt da auch ein nettes Video drüber: https://vimeo.com/13984543. Ich sollte mal wieder nach Berlin fahren…IMG_5330

Du bist nach wie vor als Trainerin tätig, aber jetzt nicht mehr beruflich, sondern ehrenamtlich und nicht mehr für Erwachsene, sondern für Kinder. Noch so eine Herzensangelegenheit?
Ja, definitiv! Mein Verein ist der VFR Waldkatzenbach, schöner Name, gell. Es ist terminlich manchmal schwierig,  vor allem in der Hauptsaison, aber es macht ne Menge Spaß mit den Kids. Wir trainieren Sommer wie Winter. Im Sommer draußen auf dem Rad, da liegt der Fokus auf Technik. Da das ja natürlich Spaß machen soll, spielen wir viel. Im Fahrradfußball werden wir immer besser. Im Winter wird in der Halle trainiert. Athletik und Koordination stehen da ganz weit oben! Wir arbeiten viel mit der Koordinationsleiter und mit meinem liebsten Trainingstool, dem Pezziball.

Zum Abschluss noch ein paar „Standardfragen“: Welches Bike fährst du (am liebsten) – in welchem Setup?
Naja, durch meinen Job in der Bikebranche ist mein Fuhrpark ein wenig größer als der einer „Otto-Normal-Bikerin“. Das heißt ich genieße den Luxus für jede Gelegenheit das richtige Bike zu haben und das nutze ich dann natürlich auch. Ich spiele mit dem Gedanken mir ein neues All-Mountain zuzulegen, so eine richtige Allzweckwaffe. Ein Felt Decree,  das könnte dann mein absolutes Lieblingsbike werden.

Was sind deine 3 Lieblingsprodukte rund ums Biken?
1. Rock Shox Reverb, für mich die tollste Erfindung überhaupt
2. Muc Off, weil damit macht sogar das Putzen Spaß
3. Platzangst Bikeshorts, die zieh ich nicht nur auf dem Rad an

Welchen Rat möchtest du anderen Bikerinnen mit auf den Weg geben?
Weniger Ehrgeiz, mehr Spaß! Mit Spaß lernt man besser und wenn man sich selbst unter Druck setzt bringt das gar nichts außer Frust. Ich spreche aus Erfahrung, ich bin sehr ehrgeizig

Wie gefällt dir GIRLSRIDETOO.DE (ganz ehrlich, gerne auch konstruktive Kritik ;-))?
Ich mag GIRLSRIDETOO.DE, bin schon ewig angemeldet und finde die Community super, ich würde gern mal mit auf ein „Get Out„, bisher hat‘s terminlich leider nie gepasst.

Dank dir für das Interview und dene Zeit, liebe Mareen!

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