Monatsfrau Juli: Madeleine Silcher

Foto: Mia Knoll

Foto: Mia Knoll

„Madis“ Leidenschaft fürs Biken ist so spürbar wie ansteckend – und das ist gut so: denn es gibt wohl kein besseres „Rezept“ als das, um Kinder fürs Biken zu begeistern. Sie selbst sagt „das ist mir noch nie schwer gefallen“ – und schon im Interview glaubt man ihr das aufs Wort. Als Fahrtechnik-Guide für Kinder und Ausbilderin für das «Kids on Bike – Nature Ride»-Programm der DIMB legt sie das Fundament für die Zukunft unseres tollen Sports und geht dabei so wunderbar entspannt wie kompetent an die Sache ran. Mit dem Bikespaß auch die Liebe zur Natur zu vermitteln liegt ihr dabei besonders am Herzen …

Madi, wie bist du zum Mountainbiken gekommen?
Als begeisterte Outdoorsportlerin war ich schon immer offen für Sportarten, die drei Dinge gemeinsam haben – sie machen mit anderen noch mehr Spaß, man kann ganz weit hinauf kommen wenn man mag und ein Kaffee geht sich dabei immer aus.

Durch das Snowboarden und Skifahren habe ich eine Menge lieber Menschen kennen gelernt, die mich dann auch im Sommer in die Berge gebracht haben. Ich würde sagen, Bergmenschen sind doch alle irgendwie verrückt und verbindet ihre Leidenschaft.

Ich kann mich noch ganz genau daran erinnern, wie ich nach einem verkaterten Partymorgen mit ein paar Freunden die ersten Runden durch die Wälder der Allgäuer Voralpenhügel gedreht habe und bereits ein paar Wochen später mein erstes vollgefedertes Mountainbike hatte.

Dass ich aber eines Tages den Sommer und das Radln fast schon lieber haben werde als den Winter und den Schnee, hätte ich damals nie zu denken gewagt.

Da nun klar war, dass ich das ganze Jahr hindurch in die Berge gehöre, habe ich kurzerhand meine Job als Sportlehrerin in Stuttgart an den Nagel gehängt und bin nach Vorarlberg gezogen. Den darauf folgenden Sommer habe ich fast ausschließlich auf dem Radl verbracht. Aus den Freundschaften der besagten lieben Menschen aus der Ski-und Snowboardzeit haben sich weitere Freundschaften entwickelt, die mich rund ums Mountainbiken in allen Ebenen weiter gebracht haben. Nicht zuletzt arbeite ich wieder als Lehrerin – wenn auch nicht mehr in der staubigen Sporthalle, sondern draußen, wo ich am liebsten bin.

Was ist für dich das Schönste am Biken, das Besondere im Vergleich zu anderen Sportarten?
Ich glaube das schönste am Biken ist für mich, dass es unglaublich vielseitig ist und ein ebenso unglaubliches Potential hat. So kann ich einfach bei der Feierabendrunde den Kopf frei fahren und mich konditionell austoben, mir technisch anspruchsvolle Passagen suchen, die mich an meine persönliche Grenze bringen oder einfach ganz gemütlich zum Sonnenuntergang mit Freunden am Berg ein Kaffetscherl brauen. Letzteres kann man sicher auch zu Fuß, allerdings ist meist die Zeit, die man runter braucht um einiges kürzer, es ist gelenkschonender und macht einfach mehr Spaß. In Punkto Vielseitigkeit ist das Mountainbiken für mich eine ungeschlagene Sportart. Ich kann es immer und überall machen. Wenn ich an unsere letzte Guide-Fortbildung denke, überkommt mich ein breites Grinsen und mir kommen die Szenen in den Sinn, wie viel Spaß wir, die sonst hauptsächlich im Gelände unterwegs sind, im Pumptrack gehabt haben. Gleich darauf fällt mir ein, wie mir dann ein kleiner Bub erklärt hat, wie das mir dem Springen funktioniert und sein Opa oben am Starthügel den anderen Mut zugesprochen hat. Was für ein Sport, der so generationsübergreifend ist und so viele Menschen verbindet.

Sonst ist das Mountainbiken für mich wie das Skitouren gehen im Winter. Großer Nachteil  hier: wenn die Bedingungen mies sind, sind sie mies. Ganz im Gegenteil zum Mountainbiken, wenn die Bedingungen mies sind, macht`s gleich noch viel mehr Spaß. Ich denke an den ein oder anderen Ausflug bei strömendem Regen und Matsch. Ist man erstmal eingesaut…! Oder die Erfahrung, wenn Schnee liegt und die Erde gefroren ist, lässt der Trail sich ja viel geschmeidiger fahren.

Und dann ist das Mountainbike für mich das Fortbewegungsmittel schlechthin, mein Weggefährte, das mich zum einen doch relativ schnell voran kommen lässt und zum anderen auf Wegen unterwegs sein lässt, wo man sonst nur zu Fuß hin kommt.

Dass es Verbindungsstück zwischen Mensch und Natur sein kann, habe ich bei den Mountainbike-Kursen mit Kindern gemerkt. Es öffnet uns einen ganz besonderen Zugang, ist spannend und das Lernen hier hört niemals auf.

Was war dein schönstes Bike-Erlebnis? Und dein schlimmstes?
Eine sehr schwer zu beantwortende Frage, da mir gleich ganz viele Momente einfallen. Aber immer sind liebe Menschen dabei, saumäßige Anstrengung und gutes Essen.

Das schlimmste war bei einer Frühjahrstour auf einen unserer Allgäuer Hausberge, an dem wir die Schneesituation auf den Nordseite etwas unterschätzt haben. Die Querung über ein sau steiles Schneefeld mit dem Radl als Eispickel war nicht nur dumm, sondern auch lebensgefährlich.

Welches Bike fährst du (am liebsten) – in welchem Setup?
Naja, da werde ich in wenigen Wochen ein großes Upgrade erfahren. Das neue Bike wird ein Liteville 301 sein. Laufradgröße des Vorderrades 27,5 hinten 26 Zoll. Die Gabel ist eine RockShox Pike mit 160 mm, Dämpfer Fox Float CTD, Bremsen Shimano Deore XT, Schaltwerk Sram XO 2×10

(Fotos: privat / Trailxperience)

Dein „Steckenpferd“ ist das Thema „Biken & Kinder“ und du bist hier in vielerlei Hinsicht aktiv. Erzähl mal, kamst du „wie die Jungfrau zu Kind“ oder wie hast du dieses Thema für dich entdeckt?
In dieser Kombination schon. Allerdings sind die zwei Teile, das Arbeiten mit Kindern und das Mountainbiken, völlig fern voneinander entstanden und haben sich erst in den letzten Jahren wie zwei Puzzlestücke zusammengesetzt. Den Beruf als Sportlehrerin übe ich bereits seit fast 10 Jahren in unterschiedlichster Art und Weise aus. Zuerst in Schule und Verein und dann immer mehr im Outdoorbereich. Das Mountainbiken war erst reines Freizeitvergnügen, das Pendent zum Wintersport und dann auch Job mit Berufung. Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie mich Tobi Krause von TrailXperience gefragt hat, ob ich mir auch vorstellen könnte, mit Kindern im Bikebereich für sie aktiv zu werden. Und ganz ehrlich habe ich mir zu diesem Zeitpunkt auch noch nichts anderes vorstellen können. Nicht, dass die Kurse mit Kindern einfacher sind als Erwachsenenkurse, ganz im Gegenteil, die hohe Kunst ist, hochwertige Fahrtechnik und Bikegefühl zu vermitteln, ohne dass du auch nur irgendetwas von all den netten Begrifflichkeiten verwendest, aber so, dass die Kids ein riesigen Spaß haben. Aber meine eigene Begeisterung für den Sport an Kinder weiter zu geben ist mir noch nie schwer gefallen und das konnte ich mir gut vorstellen.

Was ist für dich so reizvoll und besonders daran, mit Kindern zu arbeiten – gerade im Sportbereich?
Kinder sind leicht zu begeistern, wenn man selbst Begeisterung für einen Sport mitbringt und doch sind Kinder anspruchsvoll. Sie wollen gefördert und gefordert werden. Nur wenn man gut  organisiert ist, gute Ideen hat und v.a. sich in so einen Kindskopf hinein versetzten kann, hat man Erfolg. Kinder sind äußerst ehrlich und direkt, was manchmal schon bitter ist. Aber ich weiß immer woran ich bin und ob ich einen guten Job gemacht habe.

Es ist cool zu sehen wie schnell und instinktiv Kinder lernen und die Fortschritte die man innerhalb kürzester Zeit schaffen kann sind schon enorm.

Was ich sehr spannend finde ist, wie ich Bewusstsein zur Natur mit dem „Hilfsmittel Mountainbike“ schaffen kann. Kinder sind Entdecker. Und hier gibt es eine Menge zu entdecken.

Du hast es ja gerade schon erwähnt: du leitest Fahrtechnik-Kurse und Bike-Camps für Kinder: Beschreib uns deine „kleinen Kunden“ doch mal kurz.
Die Kids in unseren Kursen und Camps sind zwischen 8 und 15 Jahren. Es sind schon vorwiegend Jungs, die zu uns in die Kurse kommen, wobei ich einmal eine reine Mädelsgruppe gehabt habe, die auch noch so richtig gut drauf waren. Ich habe auch das Gefühl, dass immer mehr Mädels fürs Mountainbiken zu begeistern sind.

Es ist schon deutlich erkennbar, dass wir Kinder haben, deren Eltern selbst auch Biken. Ich bin aber sicher, dass es daran liegt, dass die Leute gar nicht wissen, dass es Kinder Mountainbikekurse gibt. Wenn ich manchmal erzähle, was ich so mache, dann kommt oft als Reaktion: „Echt, so was gibt es? Das ist ja toll…!“ Wie die Kurse beim Skifahren völlig normal sind, so wächst gerade erst die Bekanntheit solcher Kurse. 

Wie erleben die Kinder den Sport in der Gruppe? Was ist anders (besser, vielleicht auch schlechter) als wenn die Kinder mit den Eltern unterwegs sind?
Die Kinder erleben den Sport sehr spielerisch. Sie bringen sich gegenseitig auf Ideen und sind dadurch in ihrer Kreativität freier. Sie können sich aneinander messen, was für ihre Entwicklung ganz wichtig ist. Wie schon oben erwähnt, sind Kinder manchmal sehr direkt und gemein, was natürlich bei motorisch oder auch geistig schwächeren Kindern schnell mal zu Negativerlebnissen führen kann. Hier ist der Guide dann gefordert Konflikte zu vermeiden oder zu beheben. Den meisten Kindern macht es aber doch mit Gleichaltrigen mehr Spaß als mir Erwachsenen. Was sehr gut ankommt ist dann aber, gelerntes den Eltern beim nächsten Ausflug vorzuführen. 

Wie groß ist die Nachfrage nach deinen Angeboten? Bist du für den kommenden Sommer schon komplett ausgebucht oder sollen wir noch ein wenig Werbung machen?
😉 Die Nachfrage wächst stetig.
Werbung – Klar! Ich freue mich, wenn die „Bude“ voll ist. Dann brauche ich halt mehr Kollegen. 😉

(Ab) wann kann man sein Kind zum Biken „weggeben“ – ab wann macht das Sinn?
Die Kurse, die ich betreue sind ab acht Jahren, da man hier davon ausgehen kann, dass die Kinder motorisch schon so weit entwickelt sind, dass sie souverän Radfahren können und sie auf  anderen Untergründen außer dem Asphaltboden nicht überfordert werden.

Ich hatte auch schon einen Sechsjährigen im Kurs dabei, aber mit zwei älteren Brüdern und den ganzen Tag draußen Toben, hat er prima mithalten können. Für ihn war es dann schon klar, dass an manchen Passagen die Anforderungen zu groß waren.

Zum Ausprobieren sind Kurse gut, bei denen die Kinder abends wieder abgeholt werden, bevor dann beim Mehrtages-Camp das Heimweh durchkommt. 

Worauf sollte man bei seinem Kind und auch beim Anbieter besonders achten?
Eine wichtige Sache, auf die man Einfluss hat, ist das Material. Eine gute Ausrüstung ist nicht nur sicherheitsrelevant sondern auch entscheidend, damit das Kind Spaß beim Biken hat. Die Wahl des richtigen Kindermountainbikes ist nicht einfach, da die meisten schlicht weg zu schwer sind. Das kann man sich so vorstellen, wenn wir mit 30 oder mehr Kilo Rädern zum Biken gehen würden. Bevor die Federgabel des Baumarktrads schlecht funktioniert, lieber ein Rad ohne Federgabel fahren lassen.

Bei der Wahl des Anbieters würde ich mir anschauen, wer hinter den Kursen steht. Ist eine fundierte Ausbildung gegeben? Sind die Guides in irgendeiner Form pädagogisch aktiv? Und wie viel Erfahrung bringt der Anbieter aus dem Mountainbikesport mit? Werben die Anbieter mit waghalsigen Aktionen oder wird das Mountainbiken als ganzheitlicher Sport gesehen, bei dem es auch um Natur- und Sozialverträglichkeit geht? Hier haben wir Verantwortung zu tragen, wie sich die Kinder entwickeln und später im Gelände verhalten.

Wo und wie bist du in deinen Kursen mit den Kleinen unterwegs? Geht’s da schon richtig ins Gelände oder wie können wir uns das vorstellen?
Alle Kurse sind methodisch und didaktisch aufgebaut. D.h. wir arbeiten uns vom Einfachen zum Schweren und vom Bekannten zum Unbekannten. Bei TrailXperience bin ich da sehr verwöhnt, weil ich zum Arbeiten ein Fahrtechnikzentrum habe, das alles bietet um die Kurse für Kinder attraktiv zu gestalten. Natürliche Trails in der Umgebung und ein Weiher schaffen noch mehr Bike-Erlebnis. So beginnen wir auf dem Parkplatz und enden dann richtig im Gelände. Dazwischen ist ganz viel Abwechslung.

Wenn man auch denkt, dass Kinder Gefahren schlechter einschätzen können, so kommt es äußerst selten vor, dass ich mal ein Kind zurück bremsen musste, weil es sich selbst falsch eingeschätzt hat.

Auch wenn ich mit den Kindern im Gelände unterwegs bin, dann immer nur da, wo ich weiß, dass es ihrem Leistungsstand entspricht. Die Eltern müssen sich auch keine Sorgen machen, dass wir in absturzgefährdeten Gelände unterwegs sind.

Es ist übrigens schon vorgekommen, dass ich im Kurs überholt worden bin und nur durch schlaue Tipps dann helfen konnte. Super, wenn mir mal wieder aufgezeigt wird, dass ich einfach hätte früher damit beginnen sollen. 

Was sind deine Erfahrungen: (Wie) verändert sich das „Erlebnis Biken“ für die Kinder im Laufe der Zeit?
Die Bikebranche wächst stetig und die Räder sind wahnsinnig gut geworden. Diese ganze Entwicklung hat natürlich auch Auswirkungen auf das Kindermountainbiken und damit das „Erlebnis Biken“ bei Kindern. Ich denke das Fahrrad war schon immer ein wichtiges Fortbewegungsmittel für Kinder, da sie durch das Rad selbständiger werden und weitere Strecken auch ohne ihre Eltern schaffen können.

Vor einigen Jahren gab es keine Mountainbike-Angebote für Kinder und die ersten Kindermountainbikes waren lange nicht auf dem Stand wie sie es heute sind. Das alles ermöglicht einen Mehrwert für das Bike-Erlebnis. Ob die Eltern die Kinder zum Mountainbiken bringen oder anders herum ist mal dahin gestellt. Schön ist auf jeden Fall zu sehen, dass das Mountainbiken immer mehr zu einem Familiensport wird.

Du hast es vorher schon kurz angesprochen: das Thema „Natur“. Welche Rolle spielt das, ggf. auch in Kombi mit dem Naturschutz, in deinen Kursen?
Das spielt eine sehr große Rolle bei mir. Allerdings ist es doch sehr situationsabhängig. Das Thema Natur und Naturschutz wird sehr natürlich angegangen. Ich kann nicht in einem Frontalunterricht den Kindern was vom Naturschutz erzählen. Da mache ich mich lächerlich. Aber wenn die Kinder ihr natürliches Umfeld kennen lernen, ihnen gezeigt wird was für ein großer Abenteuerspielsplatz die Natur ihnen geben kann, wird das Interesse geweckt, der Bezug hergestellt und ich kann ihnen erklären, wie ich die Natur schütze. Durch viele spielerische Aktionen im Wald, dem Wiesenweg oder auf dem Trail habe ich auf unterschiedlichster Weise hier die Möglichkeit dafür.
In der Natur bin ich während der Kurse fast permanent. Und das ist auch mein Ansatz und Ziel: Die Kinder raus in die Natur und auf Rad zu bekommen.

Wie genau hast du das mit dem Thema „Lernen“ gemeint?
Dadurch, dass die Natur, die Berge, das Wetter und viele andere Faktoren so unterschiedliche Gegebenheiten schaffen können, ich immer wieder andere Bedingungen vorfinde, muss ich meine Fahrweise und -verhalten stetig anpassen und lerne somit nie aus. Der gleiche Weg kann an zehn Tagen zehnmal unterschiedlich zu befahren sein.

Wie gehst du persönlich mit der enormen Verantwortung um? Biken gilt ja schon als Risikosportart …
Die meisten Unfälle passieren im Haushalt! Gerade bei Kindern kann es mehr eine Prävention sein, als ein Risiko. Stürze gehen doch eher glimpflich aus, aufgrund der noch vorhandenen natürlichen Abrollbewegungen und ihres elastischeren knöchernen und muskulären Bewegungsapparats, sowie elastischere Bänder und Sehnen.

Wenn die Gruppendynamik nicht zu groß ist, kann ich mich meistens darauf verlassen, dass die Kinder bei Unsicherheit eine schwere Passage lieber schieben. Absolute Aufmerksamkeit und Einfühlungsvermögen helfen mir dabei Situationen einschätzen zu könne und Unfälle zu vermeiden.

Da in den Kursen die kindergerechte Fahrtechnik ein wesentlicher Bestandteil ist, kann ich die Umsetzung im Gelände gut vorbereiten. Eine gute Fahrtechnik ist elementar für die Unfallvermeidung. Außerdem helfen mir regelmäßige Outdoor Erste Hilfe Kurse dabei  zu wissen, dass ich im Notfall richtig handeln werde.

Du gibst als Ausbilderin für das „Kids on Bike – Nature Rides“-Programm der DIMB (Deutsche Initiative Mountainbike) dein Wissen darüber hinaus auch an andere weiter. Kannst du uns kurz mehr über die Initiative erzählen?
„Kids on Bike“ ist das Jugendprogramm der Deutschen Initiative Mountain Bike  und wurde 2010 von meinen Kollegen gegründet. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche mit dem Bike in die Natur zu bringen. Dabei zeigen wir den Teilnehmern in der Praxis wie eine kindergerechte Fahrtechnik aussehen kann oder die Mountainbiketour spannend und interessant gestaltet werden kann.
Nicht nur weil Mountainbiken ein genialer Sport ist, sondern weil wir der Überzeugung sind damit positiv auf die Entwicklung der Jugend einzuwirken. Es ist ein Gegengewicht zum stetig wachsenden medialen Einfluss mit dem die Jugend umgehen muss. Im Fokus steht, durch Naturerfahrungen und kulturelle Inhalte auf Tour eine Erweiterung über den reinen Sport hinaus zu erreichen. Wir schaffen durch die Ausbildung Qualifizierungsangebote für Interessierte aus Schule, Verein und Jugendhilfe und immer mehr auch kommerzielle Anbieter, die im Kinder- und Jugendbereich aktiv werden wollen.

Im August starten wir ein Pilotprojekt, bei dem wir den bewährten Trailscout der DIMB mit der Fortbildung Kids on Bike kombinieren. So haben die Teilnehmer die Möglichkeit  kinderspezifisch es „Rüstzeug“ für Kurse oder Angebote zu bekommen mit dem fundierten Wissen rund um das Führen von Gruppen mit dem Mountainbike.

Welche Inhalte vermittelst du dort genau?
Ein wesentlicher Baustein bei Kids on Bike ist die Naturpädagogik. Wir vermitteln, wie durch den Aufenthalt des Kindes in der Natur das Kennenlernen derselben ermöglicht wird.
Durch emotionales Erleben und Begreifen entsteht eine Beziehung zur Natur. Dies führt neben vielen positiven Auswirkungen auf das Kind zu einem Verantwortungsbewusstsein und regt zu nachhaltigem Denken und Handeln an. Das Fahrrad bringt viel Spaßpotential mit und schafft die nötige Mobilität für einen zeit effektiven Naturaufenthalt mit Gruppen.

Wir geben all unsere Erfahrung  aus der Praxis an die Teilnehmer weiter und führen Beispielhaft Möglichkeiten auf eine Kindergruppe zu führen.

Ich freue mich jedes Mal, wenn ich meiner Kollegin Miriam zuschaue, wie sie ihren Kinderguide-Rucksack auspackt, mit all den lustigen Ideen, Andrea erzählt, was beim letzten Kindertraining passiert ist  oder Kai den Kindern auf der Praxistour erklärt, wie die vielen Löcher in dem alten Baumstamm entstanden sind und hat gleich das passende Spiel dazu parat.

Und was ist aus deiner Sicht das Wichtigste das jemand könne sollte, der mit Kindern sportlich arbeiten möchte?
Das Wichtigste ist sicher ein Stück weit selbst noch ein Kind zu sein. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass man Verantwortung trägt und in den seltensten Fällen die Kinder den Guide als Freund haben wollen, sondern viel mehr als Vorbild. Die eigene Fahrtechnik ist nicht zu unterschätzen. Kinder checken ganz schnell was man auf dem Kasten hat und was nicht. Um wirklich ernst genommen zu werden muss wenigsten eine gute Basis des Sports gegeben sein. Nicht zuletzt deshalb, weil nur so Gefahren eingeschätzt werden können. Wenn man aber was nicht kann, dann muss der Guide selbstreflektiert mit sich umgehen können. Außerdem sollte man kreativ und flexibel sein ohne dabei inkonsequent zu werden.

Welche Chancen siehst du durch das Programm der DIMB für den Sport und seine Zukunft?
Das Programm der DIMB ist geballte Ladung Wissen über viele Jahre des Mountainbikens. Die Ausbilder beschäftigen sich regelmäßig mit der Entwicklung von Fahrtechnik, Didaktik und Methodik. Man darf nicht vergessen, dass das Mountainbiken im Vergleich zu vielen anderen Sportarten ein junger Sport ist, der sich nicht zuletzt durch den wahnsinnigen Fortschritt des Materials und der Geometrie des  Bikes entwickelt hat. Die Programme der DIMB haben alle einen roten Faden. Gute Fahrtechnik und sozial- und naturverträgliches Verhalten auf dem Trail stehen im Vordergrund. Ein großes Ziel verfolgt die DIMB, wenn es darum geht seinen Stellenwert in der Gesellschaft zu bekommen. Ein positiven Umgang mit anderen Wegenutzern zu schaffen und mit Bund und Ländern, sowie Tourismus- und Ferienregionen in den Dialog zu kommen.

Das Programm von Kids on Bike setzt bereits im Kindesalter an, dass der Sport eine positive Zukunft hat, die Kinder das Mountainbiken für sich entdecken und auch nach außen keine negativen Emotionen anderer wecken.

Wie steht es aus deiner Sicht rund um das Thema „Nachwuchsförderung“ und Leistungssport in Deutschland?
Hier habe ich keine Praxiserfahrung, da ich selbst nie im Leistungssport aktiv war.
Interessant waren aber Gespräche bei einer „Kids on Bike“-Fortbildung mit Leuten die eigentlich aus dem Leistungssport kommen und Nachwuchsförderung machen. Sie haben mir erzählt, dass sie durch die Vielseitigkeit des Sports und das enorme Spaßpotential wieder Kinder akquirieren wollen. Sie wollen dafür das Programm und die Philosophie von „Kids on Bike“ nuten. Ich finde diesen Ansatz sehr gut, solange die nicht so talentierte Kinder dadurch nicht demotiviert und „fallen gelassen“ werden.

Leistungssport kann auch motivierende Auswirkungen auf die Gesellschaft haben. Das beste Beispiel ist der Fußball. Die populäre Sportart bringt viele Kinder in die Fußballclubs. Das kann beim Mountainbikesport genauso sein, wenn auch nicht in dem gleichen Ausmaß. 

Ist das auch euch Thema für euch im Paket „Kids on Bike“?
Hier beziehe ich meine Kollegen aus dem „Kids on Bike“-Team ein. Wir sind der Ansicht, dass als „Nebenprodukt“  aus „Kids on bike – NatureRide“-Gruppen natürlich auch Talente zum Radsport kommen können. Dies ist aber kein primäres Ziel von „KoB NatureRide“ und würde unseren Ansprüchen auch nicht gerecht. Es geht vorrangig um Spaß auf dem Bike und die Erlebnisse in der Natur, Talente werden entdeckt und möglichst gefördert, eine Zusammenarbeit mit Leistungssportzentren wird in verschiedenen Regionen angestrebt (z.B. Sachsen), der Breitensport steht im Vordergrund unserer Bemühungen. Wir wollen auch die Kinder ansprechen, welche bisher sehr wenige sportliche Ambitionen zeigten oder auch im allgemeinen Schulsport kein ansprechendes Bewegungsangebot gefunden haben 

Ich habe das subjektive Gefühl, das Interesse an dem Thema steigt? Stimmt das? Siehst du hier auch einen Trend? Woher kommt der aus deiner Sicht?
Auf jeden Fall. Da stimme ich dir absolut zu. Ich würde sagen, dass der Mountainbikesport sich zu einer Trendsportart entwickelt hat mit viel Potential. Der Sport ist vielseitig und für jedes Leistungsniveau attraktiv. Jeder kann durch die entsprechende Geländewahl auf seine Kosten kommen. Bikeparks und Angebote sprießen überall aus dem Boden. Es ist eine Sportart, die eben alleine  und fast immer und überall ausgeübt werden kann, aber auch absolut gruppentauglich ist. So können Familien beispielsweise ideal ihre Freizeit gemeinsam gestalten und sind dabei draußen unterwegs. Ich denke, dass der Trend ganz einfach daher kommt, weil die Menschen entdecken, wie viele Vorteile der Sport hat.

Du beschäftigst dich jedoch nicht nur mit Kindern, sondern auch mit Jugendlichen pädagogisch.  „Teambuilding“ hast du mir hier als Stichwort mit auf den Weg gegeben – erzähl uns mehr!
Eine ganz spannende Sache! Hier ist weniger die Fahrtechnik oder das Mountainbiken an sich im Vordergrund. Vielmehr ist das Mountainbike Mittel für ein gemeinsames Erlebnis.

Auszubildende einer Firma werden zu Beginn ihrer Ausbildung an drei Tagen zusammen gebracht, um sich kennen zu lernen und um zu lernen im Team zu arbeiten, sich zu vertrauen und zu verstehen. So sollen sie sich gegenseitig unterstützen oder Aufgaben lösen, die sie nur gemeinsam schaffen können. Das ganze wird dann zusammen reflektiert und gegebenenfalls aufgearbeitet.

Letztendlich ist aber jeder Kurs in der Gruppe ein kleines Teambuilding. Ich sehe mich hier nicht isoliert als Fahrtechniktrainerin, sondern immer auch als Konfliktlöserin und Unterstützerin zur Erreichung positiver Gruppendynamik.

Welchen Tipp hast du für bikebegeisterte Eltern mit Nachwuchs: Wie kann man den Kleinen den Sport bzw. diesen Sport schmackhaft machen?
Ich denke Eltern sollten ganz ohne Zwänge ihre Kinder zum Biken bringen. Auch permanenter Druck und übermotiviertes Angebot den Kindern gegenüber kann sich schnell ins Gegenteil umschlagen. Die meisten Kinder wollen selbst bestimmen was sie gerne tun. Kinder spüren zu große Erwartungen an sie und es kann zu Trotzreaktionen kommen oder zu Frustration führen.

Ich denke aber, wenn Eltern ihren Kinder die Freude am Mountainbiken vorleben und hier ein Vorbild für die Kinder darstellen, dann ist die Chance sehr groß, dass die Kinder ganz von alleine Lust zum Radln bekommen.

Negativerlebnisse wie langweilige Forstwegtouren, zu große und anstrengende Touren, ein Sturz oder zu anspruchsvolles Gelände können schnell dafür sorgen, dass das Biken für die Kinder negative Emotionen weckt. Ebenso sollten sich Eltern immer bewusst sein, dass fast alle Mountainbikes in Relation zum Körpergewicht der Kinder sehr schwer sind.

So sind Touren mit interessanteren und abwechslungsreicheren Wegen oder einer Attraktion auf dem Weg viel reizvoller. Das Interesse kann auch gesteigert werden indem man einen Ausflug zum nächsten Pumptrack, dem Bikepark mit familienfreundlichen Strecken oder einem Fahrtechnikkurs macht. Immer mehr Vereine werden hier auch aktiv und bieten regelmäßige Trainings an. Besonders in kleinen Gruppen kann eine positive Gruppendynamik und das Erlernen der Technik die Radlfreude verstärken. Aber hier geht es uns ja nicht anders.

Welchen Rat möchtest du anderen Bikerinnen noch mit auf den Weg geben?
Auch Mädels können Radfahren! Wichtig ist nur, dass man es für sich selbst macht und für sonst garkeinen. Nicht nur mit Männern zum Radln gehen, weil es einfach Tatsache ist, dass die meisten einem körperlich überlegen sind. Nicht nur mit Mädels Radln gehen, weil, ähhm, weil halt!

Und ganz zum Schluss noch: Wie gefällt dir GIRLSRIDETOO.DE?
Ein bockstarkes Auftreten. Genau das, was die Bedürfnisse von bikenden Mädels sind. Ich gebe zu, auch bei GIRLSRIDETOO.DE kommen mir Gedanken wie Kuschelkurse und Camps mit mehr Ratsch und Tratsch als Radln. Aber aus der eigenen Erfahrung mit Ladies-Camps und Kursen weiß ich, dass es ganz wichtig ist in diesem Bereich zu arbeiten und dass es fast immer ganz entspannte und super schöne erfolgreiche Kurse sind und gleich garnix mit Kuschelkursen zu tun hat.

Ich glaube die Motivation und die Liebe zum Mountainbikesport bei GIRLSRIDETOO.DE ist bombastisch und steckt viele Mädels an. Der Mountainbikesport braucht eine solche Initiative, die andere stark macht und unterstützt.

Über den Namen des Interviews könnte man sich noch Gedanken machen. 😉

Dank dir für deine Zeit, liebe Madi 🙂

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