Monatsfrau Dezember: Janet Weick

18. Dezember 2017 | Jule | Persönlichkeiten, Produkte | Monatsfrauen,

Foto: GIRLSRIDETOO.DE

„Jani“ sprudelt geradezu über vor Energie und Freude an ihrem Blog und derzeitigen Fokus-Thema: „Die Erforschung des E-Bike-Mythos anhand eines Selbstversuchs“ – ihr werdet es in diesem Interview erleben, das wir trotz seiner enormen Länge (fast) ungekürzt veröffentlichen … Weil es einfach zu schön ist, ihr zuzuhören. Ihr gleichnamiges Online-Tagebuch „Mythos Ebike“ und viele ihrer Posts gehen gerade durch die Decke und erfreuen sich größter Beliebtheit: Janet scheint mit ihrer Thema und ihrer offenen Art den Nerv der Zeit getroffen zu haben. Wie das E-MTB ihr Familienleben formt und ihr den Spaß am Biken zurück gebracht hat, worüber und warum sie eigentlich schreibt und wie der Alltag als Bloggerin so aussieht, all das erzählte sie uns im Interview. Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen!

Jani, wie bist du zum Mountainbiken gekommen?
Oh, das war eigentlich ganz einfach. Als kleines Mädchen fing ich schon erst das Voltigieren und dann das Reiten an. Ich fühlte mich auf den wildesten, schnellsten Pferden und ohne Sattel immer pudelwohl draußen im Wald, wenn mir der Wind um die Nase wehte. Meine Freundin Anja und ich haben beide immer noch ein Pferd (meins ist inzwischen 26 Jahre alt) und wir waren damals immer gemeinsam ausreiten.
Als ich dann Mitte 20 war und ich mich im stressigen Arbeitsleben wiederfand, merkte ich, dass ich noch einen Sport brauchte, bei dem ich mich selber noch viel mehr auspowern und Stress abbauen konnte. Anjas Mann fuhr schon jahrelang Mountainbike und nahm zuerst Anja und dann auch mich, im Jahr 2006, einfach mal dazu mit. Auf meinem uralten knall-lila Univega Jugend-Mountainbike mit Starrgabel fuhr ich also in Jeans, Turnschuhen und ohne Helm meine erste Tour. Nach dem ersten Trail war mir sofort klar, dass das wohl keine so gute Idee war ohne Helm und mit diesem Bike. Aber mega Spaß gemacht hat es und ich wusste sofort: ich will mehr davon! Etwa 4 Wochen später zog also kurzerhand mein erstes Einsteiger Fully – ein Cube AMS 100  – bei mir ein. Außerdem kaufte ich mir Helm und Radklamotten und wir fuhren jeden Dienstag- und Donnerstagabend sowie am Samstag oder Sonntag mit Freunden eine tolle Mountainbike-Tour mit anschließender Einkehr. Weitere 4 Wochen später starteten Anja und ich zum Spaß bei unserem ersten regionalen Mountainbikemarathon. Und Du wirst lachen – wir hatten „Lyoner Weckle“ als Vesper mit dabei 😉  Schon seit mehr als 10 Jahren hat mich also das „Bikefieber“ bereits infiziert.

Was ist für dich das Schönste am Biken, das Besondere im Vergleich zu anderen Sportarten?
Da ich einfach mein ganzes Leben bereits auf dem Pferd im Wald verbracht hatte, war es für mich ein regelrechter Glücksfall auch auf dem Mountainbike zu landen. Ich konnte weiterhin draußen in der Natur und an der frischen Luft sein, hatte weiterhin Adrenalin- und Dopaminausschüttungen auf immer knifflig werdender Trails. Hinzu kam eben noch verstärkt der sportliche Aspekt und damit gepaart der Stolz, sich einen Berg erkämpft oder einen schweren Trail gemeistert zu haben. Das alles kombiniert mit unvergesslich lustigen und schönen Gruppen- und Naturerlebnissen, die man beim Biken hat, ist für mich das Besondere im Vergleich zu anderen Sportarten.
Zusammengefasst bedeutet es also für mich: Natur, Spannung, Leidenschaft, Glück, Spaß, Freiheit, Gemeinschaft, Herausforderung, Entdeckung, Spiel und Sport sowie Genuss –  alles miteinander verbunden – eine tolle Kombination.

Was war dein schönstes Bike-Erlebnis?
Puh, also das ist wirklich ganz ganz arg schwer zu sagen. Es gibt so viele emotionale Momente und Gefühle, die ich mit dem Biken verbinde. Ich kann mich eigentlich kaum für ein schönstes Bike-Erlebnis entscheiden, da alle einzigartig waren. Da sind einmal die Teilnahmen an Etappen- sowie 24h-Rennen und Marathons und das unvergessliche Gefühl über die Ziellinie zu fahren, Camps und Bike-Trips mit Freunden, unsere Hochzeit im Bikeurlaub, hochalpine Momente auf Touren ohne Begegnungen mit Menschen und damit verbunden, genussvolle Landschaften und die Ruhe, die für immer unvergessen sind.
Und dann ist da nun noch dieses für uns ganz neue Bike-Erlebnis mit unserem kleinen Sohn Nino – seine funkelnden Augen, wenn er mir oder Micha entweder auf dem Streamliner fröhlich quietschend hinterher zirkelt oder auf seinem kleinen Bike selbst die Trails unsicher macht. Ich glaube das erste Mal als Nino an seinem 3. Geburtstag nach 20 Minuten alleine in die Pedale trat und 2 Tage später schon voller stolz 12 km schaffte, sind mit die schönsten Bike-Erlebnisse, die wir hatten.
Dass wir das was wir lieben – diese Leidenschaft fürs Biken –  als Familie alle gemeinsam Teilen können, ist für uns 3 das Schönste überhaupt und wir hoffen sehr, das wird immer so bleiben.

[Fotos: Sportograf.com]

Und dein schlimmstes?
Mein Mann Micha und ich haben es früher geliebt, Marathons in der Mixed-Wertung zu fahren. Uns gegenseitig zu unterstützen und anzutreiben, neue Regionen und Trails kennen zu lernen, aber auch die eigenen Grenzen zu testen, war es wohl, was uns daran gereizt hat. Das schlimmste Bike-Erlebnis war daher für mich tatsächlich das vorzeitige Ausscheiden bei der Craft-Bike-Transalp 2012. In 8 Tagen sollte es von Oberammergau, Imst, Ischgl, Nauders, Scoul, Livigno, Ponte Di Legno, Madonna die Campiglio in insgesamt 612 Kilometer und 20.430 Höhenmeter bis nach Riva del Garda im Renntempo gehen. Unsere Beine waren gut, wir kämpften jedoch die ersten Tage mit kalter Witterung, schlechten Bedingungen sowie einem Sturz von Micha und technischen Defekten. Am 4. Tag schien dann endlich alles perfekt zu laufen und wir kamen als etwa 30. voller Euphorie und total geflasht ins Ziel. Wir waren sowas von glücklich und dachten – ha die zweite Hälfte fahren wir jetzt locker voll ins Ziel.
Bis ich mich 4 Stunden später auf der Kloschüssel wiederfand und diese die ganze Nacht nicht mehr verlassen habe. Total leer, müde und ohne Essen oder Trinken können, kämpften wir uns noch die 5. Etappe durch und ich kam völlig zerstört mit Fieber im Ziel in Livigno an. Das bedeutete das Aus und ganz ganz viele Tränen für mich. Das Schlimmste dabei war für mich, dass unser gemeinsames Ziel nicht an meinem Willen oder meinen Beinen scheiterte, sondern ich einfach nichts gegen diesen dämlichen Magen-Darm-Infekt tun konnte. Micha tröstete mich und wollte auch aufgeben, aber ich sagte er müsse das für uns beide voll ins Ziel fahren. Er fuhr also unter Protest alleine weiter und finishte das Rennen, war darüber aber auch nicht wirklich glücklich.
Zwei Wochen später heirateten wir im Bikeurlaub und hatten unglaublich viel Spaß und wahnsinnig emotionale Momente. Kurze Zeit später war ich schwanger, wir begruben den Traum vom gemeinsamen Transalp-Finish und setzen seitdem andere Prioritäten. Damit sind wir auch sehr glücklich und als Bike-Familie erleben wir nun gemeinsam mit unserem kleinen Sohn die Touren und Trails nochmals aus einem ganz anderen sehr aufregenden Blickwinkel.

Welches Bike fährst du (am liebsten) – in welchem Setup?
Also in diesem Jahr war das definitiv mein E-MTB Mondraker eCrafty R+ was ich an Weihnachten 2016 bekommen habe. Ich habe an der Serienausstattung einiges verändert, wie z.B. die Shimano Saint Bremsen und die absenkbare Sattelstütze Kind Schock LEV integra nachgerüstet. Außerdem waren mir die 3,0 breiten Reifen doch etwas zu breit weshalb ich daher auf Maxxis Minion DH umgestiegen bin, mit 2,8 Breite und ich fahre diese mit nur noch 0,9 Bar. Nur die Rock Shox Yari Federgabel bekomme ich noch nicht so eingestellt, dass sie mit meinem etwas leichteren Gewicht perfekt arbeitet. Hier würde ich definitiv das nächste Mal das höherwertigere Modell, die Lyric Gabel mit 160mm Federweg nehmen. Aber ansonsten bin ich sehr glücklich mit dem E-MTB.

Was sind deine 3 Lieblingsprodukte rund ums Biken? 

  • Ich mag total mein Fanfiluca Flaminia Trikot, das ich seit 2011 fahre und es begleitet mich immer noch auf alle möglichen Mountainbike-Touren. Wenn ich mir eine Neuauflage davon von Christiane (der Designerin) wünschen könnte, würde ich das sofort tun ;-).
  • Auch meine Norröna Fjora Flex 1 Shorts, die schön über die Knie- Protektoren geht und nicht kaputt zu bekommen ist, ist in jedem Bike-Urlaub dabei.
  • Seit meinem Überschlag 2015 schützt mich mein Evoc FR TRAIL WOMEN 20l Rucksack und ist auf jeder Tour dabei.

Erzähl uns kurz die Geschichte zu deinem Blog „Mythos E-Bike“: Wie ist er entstanden?
Puh, da muss ich doch etwas ausholen und eigentlich schon im September 2012 anfangen, als ich schwanger wurde, denn ab da folgte ein krasser Umbruch in unserem bisherigen Bikeleben. Nach monatelangem umfangreichen Transalptraining, hatte ich ganz plötzlich schon ab der 8. Schwangerschaftswoche komplettes Sportverbot und ab März 2013 musste ich dann auch noch komplett liegen. Ich fühlte mich eigentlich nicht mehr als Mensch und war durch den monatelangen Muskelabbau völlig kraftlos. Unser kleiner Sohn Nino kam dann auch noch zu früh zur Welt. An Biken oder Sport war in dieser Zeit nicht zu denken und es zählte einzig und alleine unser kleiner Sohn.
Daher kämpfte ich die letzten Jahre aus Zeitmangel eher erfolglos – auch mit dem schweren Radanhänger hinten dran -, wieder annährend an meinen alten Fitnesszustand und dem Spaß am Mountainbiken heran zu kommen. Es folgten 4 Teilnahmen bei Womens Bike Camps und ich schaffte es wieder in der Freeridegruppe mit zu halten, was mir neues Selbstvertrauen und vor allem den Spaß am Biken wiedergab. Da ich jedoch vor meiner Schwangerschaft ja eher eine Touren- und Marathonfahrerin war und mir das Shutteln auf Dauer eigentlich nicht so lag, wollte ich auch mit Kind hinten dran wieder mehr Spaß am Uphill haben. Daher bekam das Aufflammen des E-MTB-Themas plötzlich eine ganz neue Bedeutung für mich. Auch ich war allerdings anfänglich noch skeptisch, ob das E-Mountainbiken überhaupt als Sport zu sehen ist und ob es eventuell auf den eh schon umstrittenen Wegen zu zusätzlichen Konflikten führen könnte. Mehr um mit reden zu können und zu verstehen, warum so viele von E-MTBs schwärmen, nahm ich beim Womenscamp in Latsch im Mai 2016 abends nach der normalen Freeridetour noch bei einem „Sunset-Ride“ auf E-MTBs teil und es gibt nur eins zu sagen: „Es hat mich absolut geflasht!“. Plötzlich sah ich auch die Möglichkeiten, die sich durch ein E-Bike ergeben können, wie z.B. eben längere und weitere Strecken in kürzerer Zeit bewältigen zu können. Oder mit meinen Sohn auf dem Streamliner nicht nur die ewig gleichen Talrunden fahren zu müssen, da mit einem E-Bike auch wieder Spielplätze in Höhenlagen erreichbar werden. Vor allem ließ es mich aber nicht mehr los, so dass – nur 7 Monate später – an Weihnachten 2016 mein E-MTB Mondraker E-Crafty R+ bei uns einzog.

Trotz aller Freude über mein E-MTB begegneten mir vor allem am Anfang gerade von Mountainbikern auch Vorurteile und ich wurde nicht selten auf Touren angefeindet oder musste mir dumme Sprüche anhören. Meistens löste sich das nach einem netten Gespräch auf, aber trotzdem fragte ich mich, weshalb ich mich überhaupt rechtfertigen muss. Ist es Neid? oder ist es Angst? Angst vor was?  Das war also die Geburtsstunde zur Idee einen Blog über das Für und Wider des E-Biken zu verwirklichen, mit dem Ziel, im Rahmen eines Selbstversuches die Vorurteile gegenüber E-MTBs auf den Prüfstand zu stellen und darüber zu schreiben, wie sich unser Bike-Verhalten als Familie und Sportler ändert. Ich hoffe dadurch auch die Akzeptanz, vor allem bei Mountainbikern zu steigern, die dieser Entwicklung bisher sehr skeptisch oder sogar ablehnend gegenüberstehen. Ich versuche also in meinem Blog diesem argwöhnischen Gefühl auf den Grund zu gehen und Vorurteilen zu begegnen, indem ich einfach ausprobiere und berichte. Grundsätzlich finde ich sollten wir offen für neue Entwicklungen sein, denn wir alle könnten ein E-MTB vielleicht einmal gebrauchen.
Im Vorfeld wusste ich auch nicht, wie wir uns verändern und ob wir alles positiv finden, aber ich hatte mega Lust und war neugierig das einfach mal auszuprobieren. Nach nicht mal einem Jahr online, kann ich sagen, dass ich bisher durchweg nur positive Resonanz auf meinen Blog bekommen habe und mich über jeden Einzelnen riesig freue, der mich auf meiner Facebook-, Instagram- oder Youtube-Seite oder direkt auf meinem Blog www.mythos-ebike.de begleitet. Und wenn ich durch meinen Blog ein kleines bisschen dazu beitragen kann, dass sich die Vorurteile künftig verringern, dann hat er sich schon gelohnt.

[Fotos: Kilan Kreb; privat]

Worüber schreibst du konkret?
In erster Linie über die unterschiedlichen Touren, die ich mit dem E-MTB, aber auch manchmal mit MTB fahre, während mich Micha meistens auf seinem MTB begleitet. Da Micha um einiges stärker als ich fährt, genießen wir es, durch das E-MTB Leistungsunterschiede ausgleichen zu können. Wir suchen aber auch den direkten Vergleich, ob ich zum Beispiel bei wirklich anspruchsvollen Touren mit prognostizierten Tragepassagen eventuell mehr fahren kann als Micha, ich vielleicht sogar um offizielle Tragepassagen herumkomme und ein E-MTB auch für ihn hier somit mehr Genuss bringen könnte.
Diesen August hatten wir beispielsweise einen Urlaub in der Schweiz in der Lenzerheide geplant und ich wollte unbedingt die hochalpine Furcletta-Welschtobel Tour mit dem E-MTB versuchen, die als schwer und mit 1,5 h Tragen ausgewiesen war, aber landschaftlich total beeindruckte. Im Vorfeld fragte ich in Foren und Facebook-Gruppen, ob die Tour bereits jemand mit E-MTB versucht hatte und alle verneinten, vermutlich, da das Tragen von E-MTBs mit einem Gewicht von über 20kg ja nicht wirklich ein Spaß darstellt. Lange überlegten wir, ob wir es tatsächlich wagen sollen und entschieden schließlich, dass wir es versuchen und zur Not entweder Micha mich beim Tragen unterstützt oder wir eben umdrehen müssen. Dass ich dann tatsächlich viel mehr Fahren konnte als Micha und Dank der Schiebehilfe auch um das Tragen herumkam, war eine tolle Erfahrung. Landschaftlich war es eine der schönsten Touren, die ich je erlebt habe und wir begegneten stundelang keinem Menschen, nur Murmeltiere begleiteten uns.
Solche hochalpinen Touren sind natürlich wirklich nur was für geübte Biker – egal ob mit E-MTB oder MTB. Darauf weise ich bei meinen Berichten immer ausdrücklich hin, so dass nicht jeder meint, er könne so etwas mit dem E-MTB nun einfach wagen. Aber vor allem bei Partnern mit unterschiedlichem Leistungsniveau ist ein E-MTB wirklich eine tolle Sache. Dass ich dieses beeindruckende Erlebnis in einem Blogpost mit dem Titel: E-MTB Abenteuer auf der Furcletta – Welschtobel-Tour in der Schweiz – Sobald nur noch die Murmeltiere über mich wachen schreit mein Herz vor Glück!“ und mit Bildern verewigen muss, war dann auch relativ schnell klar.

Neben Tourberichten veröffentliche ich auf meiner Seite auch noch meine Top-Bike-Regionen anhand von Bildern, Texten aber auch Videos – und zwar für E-Mountainbiker als auch für Mountainbiker. Ich gebe z.B. Tipps, welches meine Lieblingstrails sind, verlinke getestete Bikehotels und mögliche Familienaktivitäten oder auch nur, wo es das beste Eis gibt. Die Region Graubünden schaffte es mit Arosa /Lenzerheide neben dem Furcletta- Tour-Bericht auch noch in meine Top-Bikeregionen. Auch, da wir als Familie einen riesigen Spaß hatten beispielsweise mit dem E-MTB und Streamliner hoch zur Mittelstation zu fahren, um dort stundenlang die Murmelibahnen zu bespielen. Im Anschluss fuhren wir mit Nino die Flow-Line im Bikepark hinunter, um den Tag auf dem Spielplatz am See ausklingen zu lassen. Perfekter geht es für uns als Bike-Familie fast nicht!

Ich greife auch Themen auf, denen ich zufällig begegne. Anfang des Jahres hatte ich z. B. in einem Blogbeitrag gelesen, wie unverständlich es sei mit E-BWettkämpfe zu bestreiten, dann könne man sich ja gleich auf eine Motocross Maschine setzen. Da ich als frühere Marathon Liebhaberin weiterhin zu diesem Thema mitreden wollte, habe ich kurzerhand im Mai bei der Bosch E-MTB Challenge in Riva teilgenommen. Wer glaubt, E-Biken sei nicht anspruchsvoll oder nur was für Menschen, die zu faul sind um richtig zu Biken, der sollte einmal an so einem Event teilnehmen. Die Uphill Stages waren gespickt mit Spitzkehren, Hindernissen und äußerst steil, so dass schon nach kurzem mein Puls über 192 Schläge anzeigte.

In meinem Blog geht es also eigentlich um das Mountainbiken, mit oder ohne Antrieb, die Vorteile für Frauen, Männer, aber auch Familien und das Freiheitsgefühl das wir dabei erleben. Mein Blog stellt also eine bunte Mischung aus Erlebnissen und Informationen dar und erzählt einfach, wo und was wir in unseren Bike-Urlauben erleben.

[Fotos: GIRLSRIDETOO.DE]

Was ist dein Ziel?
Mein Ziel ist es also, mich, anhand folgender Beispielfragen, mit dem „Mythos des E-Biken“ zu beschäftigen, aber auch Vergleiche zu ziehen zu meiner bisherigen Leidenschaft: dem Biken ohne Motor, allein mit Frauenpower!

  • Wird der Hype um die E-Bikes von den Medien glorifiziert und wird eine Begehrlichkeit geschaffen, die völlig unnötig ist? Oder ist tatsächlich etwas dran und könnte ein E-MTB eine legendäre Erfindung sein, die alles andere in den Schatten stellt? Und ist es vielleicht auch das wovor die Skeptiker Angst haben?
  • Sind die Vorurteile gegenüber E-MTBs – positive wie negative – berechtigt? Wie werde ich im Kreis der E-Bike Skeptiker aufgenommen?
  • Steigert ein E-MTB tatsächlich den Spaßfaktor, da ich in der kurzen freien Zeit, als berufstätige Mutter, zwei Berge erklimmen und damit auch zwei super Trails runter jagen kann?
  • Funktioniert ein gemeinsames Training/Tour mit meinem Mann oder anderen Nicht-E-Bikern?
  • Können bei hochalpinen Touren mit dem E-MTB sehr viel mehr Stellen gefahren und somit Tragepassagen vermieden werden? Sind S2 und S3 Abschnitte auf dem Trail technisch für mich fahrbar?
  • Benötige ich eine andere Fahrtechnik?
  • Wie ändert sich das Tourenpotential einer (bekannten) Bikeregion, sobald ich sie mit dem E-MTB erkunde? Erlebt man sie nochmal neu aus anderen Augen, eröffnen sich neue Tourenmöglichkeiten und was für Angebote gibt es speziell für E-Mountainbiker mit, aber auch ohne Kind?
  • Und eine der wichtigsten Fragen: macht das E-MTB auf dem Trail genauso viel Spaß wie mein All Mountain Bike?

Ich hoffe durch meinen Selbsttest und der Beantwortung dieser Fragen die Akzeptanz gerade für E-Mountainbiker zu steigern, indem ich einfach auch zeige: „Hey ich bin immer noch Mountainbikerin, egal was ich heute wieder für ein Bike unter dem Hintern habe.“

„Mythos-Ebike“ – wie bist du auf diesen Namen gekommen und wieso hast du ihn gewählt?
Als klar war, dass ich einen Blog schreiben will über das Für und Wider von E-Bikes saß ich abends auf dem Sofa und überlegte, welcher Name dazu passen könnte. Ich habe einfach herum gesponnen, habe mir überlegt wie E-Bikes derzeit vermarktet und gepusht werden, ich aber anfangs auch skeptisch war, ob ich der Werbung trauen kann. Dieses Gefühl habe ich versucht in einen Namen zu packen. Danach habe ich auf dem PC wild Begriffe und Namen eingetippt, die für dieses Gefühl stehen könnten und habe geschaut, ob die Domänen noch verfügbar sind, die in der näheren Auswahl waren.
Irgendwie bin ich dann auf den Begriff Mythos gekommen und der DUDEN definiert Mythos u.a. als „(…) eine Sache, die aus meist verschwommenen, irrationalen Vorstellungen heraus glorifiziert wird und legendären Charakter hat“. Das hat es für mich voll auf den Punkt gebracht. Ich fand, dass das absolut zu den aktuellen Diskussionen vor allem um die E-Mountainbikes passt. Daher bin ich unter dem Namen auch mit folgendem Anspruch angetreten: „Die E-Bikes müssen uns erst einmal beweisen, dass sie Halten, was die Medien versprechen. Und ob sie das tun werde ich herausfinden!“
Klar ist mir, dass E-Bikes eigentlich rechtlich Mofas oder Leichtkrafträder sind, also etwas anderes als Pedelecs. Aber ein Name mit „Pedelec“ hatte sich einfach nicht so spannend angehört und vielen ist einfach der Begriff E-Bike geläufiger, weshalb er auch fast immer für die meistverkauften Pedelecs benutzt wird.

Warst du schon immer ein „Schreiberling“ oder war das mit Start des Blogs eine ganz neue Herausforderung für dich?
Also wenn ich ehrlich bin, war das schon was ganz Neues für mich. Ich habe zwar beruflich Sitzungsvorlagen geschrieben und musste mich daher sehr gut in Schriftform ausdrücken können, aber eben im Business Stil. Einfach so frei Schnauze zu schreiben – da betrat ich völliges Neuland. Mein Vorteil ist hier vielleicht nun doch, dass ich mein Herz auf der Zunge trage, damit dann auch sage und schreibe was ich denke.
Wirklich am Schwierigsten aber war, dass ich keine Ahnung hatte, wie ich das mit dem Blog-Start anstelle. Ich dachte naiver Weise, ich lade mir WordPress herunter und fange einfach an zu schreiben. Was aber z.B. ein „Theme“ ist wusste ich schon nicht. Ich kam mir in manchen Momenten ziemlich alt vor und musste alle Begriffe einzeln googeln. Ich verbrachte also letzten Dezember stundenlang meine Abende im Netz und habe über Youtube und Blogs herausgefunden, was ich wissen muss. Einfacher wäre es sicher gewesen, ich hätte jemanden gehabt, der mich in WordPress einführt und mir die Grundlagen beibringt. Aber ich wollte es alleine schaffen. Ganz perfekt ist die Seite immer noch nicht, aber inzwischen bin ich doch stolz, dass sie so aussieht wie sie aussieht und ich das ganz alleine geschafft habe.

Wie leicht (oder schwer) ist es für dich, einen neuen Blogeintrag zu verfassen? Welche und wie viel Arbeit steckt dahinter (die man vielleicht nach außen so gar nicht sieht)?
Das kommt echt total aufs Thema an. Wenn es ein Blogbeitrag ist, bei dem ich sofort wusste: darüber will ich schreiben!, dann fließen die Buchstaben nur so runter. Tippen kann ich ziemlich schnell, so dass das Schreiben dann gar nicht das Aufwendigste ist. Richtig viel Zeit habe ich vor allem am Anfang damit verschwendet, Fotos zu komprimieren, diese zu beschriften, zu sortieren und dann eben auch hochzuladen. Auch macht es absolut Sinn, neben der Website noch Social-Media-Kanäle wie Facebook, Instagram und Youtube zu bedienen, um gerade am Anfang überhaupt bemerkt zu werden. Das kostet dann auch schon einiges an Zeit, vor allem wenn es heißt Videos zu schneiden und hochzuladen. Inzwischen weiß ich, für alles gibt es ein Plugin oder ein Programm das die Abläufe beschleunigt. Trotzdem nervt es mich manchmal ganz schön, dass ich mich mit Updates, Backups und dem Betreuen der Seite beschäftigen muss und dann weniger Zeit zum Schreiben habe – das wäre mit einem Admin sehr viel einfacher. Denn das Schreiben an sich und das Einbauen der Bilder macht mir eigentlich immer Spaß!

Wie viel Zeit investierst du in den Blog und wie schaffst du in deinen Alltag die notwendigen Zeitfenster dafür?
Das ist echt total schwierig einzuschätzen und auch absolut unterschiedlich. Ich poste ja bewusst nicht nach einem bestimmten Rhythmus, damit ich nicht in den Stress verfalle, ich „muss“ gezielt an einem speziellen Tag einen Post online bringen. Ich mache das vielmehr dann, wenn ein Thema da ist. Da ich in meinem Hauptberuf noch in Teilzeit arbeite, habe ich auch mal an einem Vormittag, wenn Nino im Kindi ist, Zeit zu schreiben, nachdem ich einkaufen war, geputzt und gekocht habe.
Am meisten Zeit finde ich aber, wenn meine beiden Männer schlafen. Micha muss total früh aufstehen, also geht er auch früher ins Bett. Meistens schreibe ich dann abends für meinen Blog oder bin auf Facebook oder Instagram unterwegs und nutze nochmal ein Stündchen, anstelle mich vom TV berieseln zu lassen oder ein Buch zu lesen. Spezielle Beiträge oder Bike- Regionsbeschreibungen dauern dann aber schon auch mal einige Stunden über Tage verteilt, das ist aber nicht die Regel.

[Foto: privat]

Wie können wir uns das vorstellen: setzt du dich einfach hin und überlegst, was du schreiben könntest oder greifst du einfach Geistesblitze und Ideen auf, die spontan aufploppen oder hast du gar eine Art „Redaktionsplan“ oder oder oder?
Du hast es genau richtig beschrieben. Da mich das Thema E-MTB ja selber total interessiert, lese ich in vielen Gruppen und Magazinen mit, bilde mir eine Meinung und höre aber oft auch Meinungen von Freunden, die meistens noch nicht mit dem E-MTB unterwegs sind. So finde ich auch immer wieder Themen, die diskutiert werden. Außerdem sind wir ja sowieso seit 10 Jahren im Bikeurlaub unterwegs – nur jetzt mit dem Unterschied, das ich anschließend über unsere Erlebnisse schreibe. Es gibt also tatsächlich noch keinen Redaktionsplan. Ich schnappe mir diesen von dir besagten plötzlich aufploppenden Geistesblitz und dann fällt mir meistens ganz schnell zumindest eine Richtung ein, in die der Beitrag gehen soll.

Wie hat dein Mann auf deine Idee, einen Blog zu schreiben, reagiert und wie sehr unterstützt er dich dabei (heute / „damals“)?
Haha also das ist echt eine gute Frage. Am Anfang war Micha schon skeptisch und meinte, er hätte ja an meiner Stelle überhaupt keine Lust so viel Zeit für das Schreiben zu verwenden. Er hatte vielleicht auch die Sorge, dass ich eventuell einen Shitstorm nach dem anderen kassiere oder eben auch keiner meine Beiträge liest und der ganze Aufwand umsonst ist. Seine Meinung änderte sich jedoch relativ schnell – auch, da wir total schnell über meinen Blog neue Bekanntschaften und schließlich auch neue Freunde gefunden haben. Außerdem hatte ich mich in den letzten Jahren beruflich und eben auch bei meiner schweren Schwangerschaft ziemlich durchkämpfen müssen, so dass er sich jetzt um so mehr riesig für mich freut, dass mein Blog ganz gut ankommt. Er liest auch meistens geduldig meine Beiträge Korrektur oder unterstützt mich beim Brainstorming für mein geplantes Logo. Ich habe also einen tollen Mann erwischt, der mir jeden Freiraum auch hinsichtlich Bike-Trips einräumt, wo er und Nino mal nicht mitkönnen. Er nimmt dann extra Urlaub, um gemeinsam mit den Omas und Opas auf Nino aufzupassen und dafür bin ich sehr dankbar. Wir versuchen aber natürlich so oft wie möglich gemeinsam als Familie unterwegs zu sein.

Und dein 4-jähriger Sohn? Beziehst du ihn mit ein, kennt er den Blog? Und falls ja, was hält er davon?
Ninos Kommentar auf deine Fragen und wenn ich ihm den Blog zeigen würde, wäre voraussichtlich: „Kannst Du mir nicht endlich ein spannendes Bike-Video zeigen Mama?“ ;-).
Ich zeige ihm also die Bilder oder Videos, habe ihm aber noch nie erklärt, dass die Mama einen Blog schreibt. Nino findet es schon cool sich oder uns in Videos oder auf Fotos zu sehen, aber er weiß noch gar nicht wirklich was das Internet ist, dafür ist er einfach noch zu klein. Wenn er sich auf einem Bike-Video auf dem Trail sieht, dann sagt er meistens: „Das war so cool dort! Ich möchte jetzt den gefährlichsten Trail fahren, wann gehen wir endlich wieder in Urlaub?

Foto: privat

Du schreibst auch über sehr persönliche, familieninterne Themen und veröffentlichst Fotos aus eurem Privatleben und von deinem Sohn. Wie geht ihr als Familie damit um? Habt ihr z.B. euch Regeln hierfür definiert oder …?
Richtige Regeln haben wir nicht aufgeschrieben, aber du hast recht, wir haben das im Vorfeld schon ziemlich intensiv diskutiert, da wir einerseits Nino schützen, aber auch Vorbild oder Inspiration für andere (E-) Mountainbike Familien sein wollen. Einfach weil ich finde, dass man mit Kindern so unglaublich genial Outdoor-Sport verbinden kann.
Jedes Mal wenn ich etwas von Nino hoch lade, rede ich mit Micha vorher darüber, ob wir das vertreten können. Für uns ist klar, dass wir keine Bilder oder Videos posten, die Nino später peinlich sein könnten. Wir hoffen, dass wir die Auswahl in seinem Sinne nach bestem Wissen und Gewissen treffen. Bisher habe ich es zum Beispiel vermieden, Nino ohne Helm oder Brille zu zeigen. So denke ich immer noch, es erkennt ihn jemand anhand der Fotos nicht unbedingt auf der Straße, wer ihn nicht bereits vorher schon persönlich gekannt hat. Micha teilt meine Ansichten und es kommen eben auch immer wieder viele Fragen zu unserem Nachläufer an, daher wollen wir das eigentlich auch so beibehalten bis Nino vielleicht selber sagt, er möchte nicht mehr oder er möchte etwas mehr gezeigt werden. Vielleicht wird Nino auch mal ohne Helm und Brille zu sehen sein, aber dann sicher nur vereinzelt und immer wohl bedacht, was wir zeigen können und was nicht.

Gibt es einen „typischen Mythos-E-Bike-Leser“? Falls ja: wie schaut er aus?
Nein, den gibt es glaube ich tatsächlich nicht. Meine Zielgruppe sind alle (E-) Mountainbiker auch die, die Überlegen umzusteigen oder Kritiker sind, (E-) Mountainbiker-Neulinge und speziell auch Frauen auf (E-) Mountainbikes sowie „Bike-Familien“. Einfach alle, die genau so gerne wie ich mit einem E-Mountainbike aber auch mit einem Mountainbike die Schönheit der Natur genießen, sich gleichzeitig sportlich betätigen, aber auch erleben wollen, wie es sich anfühlt, auf Singletrails technische Passagen zu meistern und welche Angebote es hierfür gibt.

Wie viel Feedback bekommst du von deinen Lesern, wie eng ist der persönliche Kontakt und wie wichtig ist dir dieser?
Mir ist ein Feedback und auch der persönliche Kontakt total wichtig und ich freue mich immer noch wie eine Schneekönigin über jedes einzelne Like, Kommentare oder Nachrichten auf meinen Seiten und jedem Leser, der uns auf unserem Weg begleitet. So schrieb mich Peter zum Beispiel gleich Anfang des Jahres als einer der ersten persönlich an, dass er und seine Frau Tina mit den E-MTBs unterwegs seien und ob wir nicht mal eine gemeinsame Tour machen könnten. Wir wohnen ca. 50 min auseinander. Wir sind diesen Sommer schon ziemlich oft unterwegs gewesen und sie treffen sich inzwischen auch, wenn wir mal keine Zeit haben, mit meinen Freunde Anja und Steffen, die auch seit diesem Jahr des öfteren auf dem E-MTB anzutreffen sind. Über Peter haben wir auch Tim und Manu kennengelernt, die zwei sind noch keine 20 Jahre und fahren uns mit ihren MTBs sowas von um die Ohren.
Man kann sagen was man will über Social-Media, aber ich persönlich habe bisher nur nette, interessante und hilfsbereite Menschen kennengelernt und hoffe, das bleibt noch ganz lange so. Auch von den netten Blogger-Kollegen, die ich auf der Eurobike kennen lernen durfte, möchte ich keine einzelne Begegnung, ob schriftlich oder im realen Leben, missen. Das sind jetzt nur einzelne Beispiele, aber ich freue mich riesig über solche entstehenden Freundschaften, da es doch nichts Schöneres gibt, als eine Leidenschaft gemeinsam zu teilen.

Dein Blog scheint den Nerv der Zeit getroffen zu haben. Er ist erst ein paar Monate online und schon äußert erfolgreich. Wie erklärst du dir diesen Erfolg?
Ha, jetzt erwischst du mich auf dem falschen Fuß. So richtig kann ich das selber gar nicht sagen, wir müssten da vielleicht mal diejenigen Fragen, die mir folgen. Ich kann nur versuchen zu interpretieren und denke einfach, das E-MTB Thema ist ein Thema dieser Zeit und es polarisiert. Die E-MTB Debatte ist in vollem Gange und es ist daher super interessant, wie es jemand in einem Selbstversuch erlebt, der selber aber auch noch MTB und Rennrad fährt und das schon jahrelang. Gleichzeitig kommt dazu, dass sich unser ganzes Familienleben nur um Räder dreht, wir haben ja sogar im Bikehotel unsere Hochzeit gefeiert. Vielleicht bringt das die notwendige Authentizität mit. Noch dazu bin ich eben der erste Blog, der sich mit dem Für, aber auch mit dem Wider von E-MTBs beschäftigt.

Was war bisher der erfolgreichste Blogbeitrag?
Also auf meiner Homepage war es der Blogbeitrag mit dem Titel „E-MTB versus MTB“. Er ist eigentlich auch aus einer spontanen Idee heraus entstanden. Micha und ich waren gemeinsam unterwegs, er mit dem MTB und ich mit dem E-MTB, und es war eine der sportlich fordernden Runden. Wir witzelten rum, ob wohl Michas Waden das E-MTB schlagen könnte – wohlwissend das das natürlich unmöglich ist. Da kam mir die Idee ein lustiges Bild zu schießen mit meiner Wade und dem Bosch Powerback versus Micha`s „Atomwade“ und den Facebook-Lesern folgende Frage zu stellen:Konventioneller Powerpack 500 von Bosch + meine Wadel (links) –versus–neuestes Atomwaden-Modell von Micha (rechts)! Was meint Ihr wer hat gewonnen?“. Es war mehr als Spaß gemeint, aber das Bild ging relativ schnell viral. Leider auch mit negativen Botschaften und es wurde ohne Quellenangabe kopiert und verwendet. Auf Seiten, wo das Bild nicht mit der richtigen Botschaft versehen wurde, sorgte es eher für hitzige Diskussionen und Zündstoff. Das war dann auch der Grund, weshalb ich anschließend nochmals einen Blogbeitrag auf meiner Seite veröffentlichte, der auch sehr viele Aufrufe hatte und einzelne Vorurteilen gegenüber E-MTBs darstellt.

Auf Facebook hatte die höchste Reichweite aber tatsächlich das Video und der Beitrag vom Copple-Hobble, auf welchem ich mit Nino im Schlepptau mit meinem MTB bei einem Kurzstrecken-Rennen gemeinsam teilgenommen habe. Man sieht in wenigen Sekunden, wie Nino und ich eben treppeln ohne Ende und der Kommentator ins Mikro brüllte: „Wenn die Mutti nicht kämpft, einfach in den Hintern kneifen“…! Auf meiner Seite erreichte dieses Video alleine über 18.000 Personen und als es die „The Bike Dads“-Seite dann geteilt hatte, ging es völlig durch die Decke. Mitte November hatte das Video bereits über 207.000 Aufrufe und wurde über 3.500 mal, auch international geteilt. Auf der Titelseite der Marbacher Zeitung sind wir dann auch noch gelandet.

Aber auch Beiträge wie: „Märchenwälder gibt es doch – wie uns das Fichtelgebirge verzaubert hat“, und „Kopfkino und Trailverweigerung oder die Kunst über sich hinaus zu wachsen…“, welcher von einer Trail-Passage die ich niemals fahren wollte handelt – und – wie ich sie dann doch mit Hilfe eines Coaches gemeistert habe, haben auf meiner Blogseite großen Zuspruch erfahren.

Wo stehst du mit deinem „Selbstversuch“ heute? Kannst du schon ein Fazit für dich ziehen?
Also, ich bin ja jetzt erst seit einer Saison auf dem E-MTB unterwegs und unsere Familienleben hat sich dadurch komplett verändert. Blicke ich zurück, muss sich sagen, dass ich nahezu nur positive Erfahrungen gemacht habe, aber der Selbstversuch ja auch noch lange nicht zu Ende ist. Aufgefallen ist mir, dass ich fast immer das E-MTB gewählt habe für Touren und mein fast 6 Jahre altes MTB kaum mehr bewegt wurde. Geplant ist, dass ich Ende Dezemer herum ein erstes Zwischenergebnis zu meiner ersten Saison mit einem E-MTB auf meinem Blog veröffentliche, denn dann hat mein Blog mit mir Geburtstag und wird ein Jahr alt.

Wie hat das E-Bike euer (sportliches) Familienleben geformt und verändert?
Wenn Micha und ich früher nach Trainingsplan versuchten gemeinsam zu trainieren, musste er mich oftmals an steilen Bergen etwas durch Schieben unterstützen, denn sonst wären wir aufgrund unserer Leistungsunterschiede beide nicht in den jeweils vorgegebenen Pulsbereich unseres Trainingsplans gekommen. Jetzt ist es eher andersherum. Wenn wir wenig Zeit haben, aber effektiv und sportlich fahren wollen, stelle ich mich von den Unterstützungsstufen her voll auf Micha und meinen Puls ein. Micha ist seither noch viel mehr gefordert, wenn er mit mir unterwegs ist, und ich kann aber auch sportlich fahren, um fitter zu werden. Ganz oft sind wir aber auch entspannt mit Freunden unterwegs, dann ist uns der Pulsbereich völlig wurscht.

Wenn ich alleine fahre, bin ich meistens auch eher sportlich unterwegs und versuche, einfach schneller mit einem höheren Puls die Berge zu erklimmen, um noch einen zweiten Berg zu schaffen und somit den doppelten Trailgenuss in der selben Zeit zu erleben. Oder ich fahre einen nicht frequentierten technischen Trail nach oben, um im Anschluss wieder meinen Lieblingstrail nach unten zu nehmen. Toll ist eben, dass ich mit dem E-MTB unabhängig von der Topografie entscheiden kann, ob ich heute eine Genusstour im Regenerationsbereich oder eine sportliche Runde fahren will, und es egal ist, wie fit meine Freunde sind, die mich begleiten. Als Mama, die unter ständigem Zeitdruck steht, und nicht selten nur 1,5h Zeit hat, ist das E-MTB für mich eine tolle Bereicherung. In gemischten Gruppen kann man in Eco auch immer noch so fahren, dass man Sport treibt. Inzwischen werde ich auch in Gruppen gern mal als Shuttle benutzt von jemand der nicht mehr kann – sowas mach ich dann natürlich auch super gerne.

Mit Nino haben wir dieses Jahr wieder die große Freiheit erlebt. Wir konnten mit dem Streamliner im Schlepptau wieder Touren von bis zu 1200 HM fahren. Mit dem E-MTB sind wir schneller oben, so dass es Nino nicht zu langweilig wird, und seine 160mm Federweg sorgen dafür, dass wir anschließend z. B. schon den Propain- und den Bierkeller-Trail in Latsch wieder hinunterfahren konnten. Das war eine neu gewonnene Freiheit und Nino hatte mit seinen 4 Jahren ebenfalls mega viel Spaß! Ohne E-MTB hatten wir das auch schon versucht und Micha kann sicherlich ordentlich ziehen, aber so richtig Spaß hatte dabei keiner von uns. 30 Kg hinten dran bremsen einen einfach mit dem MTB zu sehr und man kommt vor allem in den steileren Bergen kaum voran, so dass auch Nino ungeduldig wird.

[Fotos: privat]

Du hast nach wie vor auch noch ein Bike ohne Motor. Wann fährst du was?
Ja, na klar. Ein normales Mountainbike braucht es allein schon, um mein Ziel zu erreichen, im Rahmen meines Selbstversuches die Vorurteile gegenüber E-MTBs auf den Prüfstand zu stellen und darüber zu schreiben, wie sich unsere Bike-Verhalten ändert. Ich glaube nur so ist ein authentischer Vergleich möglich. Auf meinem fast 6 Jahre alten MTB Giant Reign 0 und meinem Rennrad war ich dieses Jahr allerdings erschreckend wenig unterwegs. Was sich im neuen Jahr wieder ändern wird. Schon bald wird bei uns ein LIV Hail Advanced 1 einziehen, damit mein Selbsttest wieder neue Fahrt aufnimmt und die Lust im Uphill auch auf dem MTB wiederkommt. Ich freue mich riesig darauf und bin selber gespannt, in welchen Situationen und Touren ich dann wieder dem MTB den Vorzug gegenüber meinem E-MTB geben werde.

Für den Bericht zum Womensbikecamp in Saalbach-Hinterglemm habe ich extra noch ein normales MTB von Bold geliehenen, um das Sprungverhalten an einem Drop mit meinem E-MTB zu vergleichen. Ich musste dann auch feststellen, dass mit dem geliehenen normalen MTB von Bold zumindest auf den Trails entlang der Gondeln, der Spaß manchmal höher war als mit meinem E-MTB. Ob es an dem weniger Federweg, der noch nicht optimal eingestellten Federgabel, dem schwereren Gewicht, meinen noch nicht perfekten Fahrkünsten auf dem E-MTB oder den damals noch schlechteren Bremsen lag kann ich noch nicht mit Bestimmtheit sagen. Wer ein ganz kurzes Video dazu sehen mag, kann sich den Bericht gerne mal ansehen mit dem Titel: „EMTB versus MTB im Bikepark in Saalbach-Hinterglemm -Womensbikecamp 2017“.

Wie ist das mit deinem Mann: Hat er mittlerweile nicht auch Lust auf ein E-MTB bekommen?
Ja also im Urlaub haben wir tatsächlich ein zweites E-MTB dazu geliehen, um weiter und schneller mit Nino voran zu kommen. Von Kurt, Chef vom Steineggerhof, hat er dann auch zum ersten Mal gezeigt bekommen, was im Uphill mit einem E-MTB alles möglich ist und kann seither das Uphillflow-Gefühl nun mehr als verstehen. Ich glaube, er hätte nichts dagegen, wenn er auch ein E-MTB als zusätzliches Zweitbike hätte – aber das steht finanziell bei uns momentan außer Frage. Er passt aber auch ganz gut noch auf meine „Mondrakte“, so dass er sich das im Urlaub auch schon mal abends nochmal für eine schnelle Runde ausgeliehen hat. Den Vorzug gibt er aber immer noch seinem Enduro Bike und er möchte im kommenden Jahr in diesem Bereich auch aktiver unterwegs sein. Dadurch, dass ich inzwischen auch wieder recht fit bin und ich die Leistungsstufen einfach reduziere, wenn wir gemeinsam fahren, passt es auch so recht gut. Klar könnten wir unseren Radius mit zwei E-Bikes noch stärker erweitern, aber das mache ich dann entweder mit Freunden oder wenn wir mehr Zeit haben oder eben alleine.

Wie erlebst du das: Haben sich in dem knappen Jahr, das du jetzt mit E-Bike unterwegs bist, die Vorurteile gegenüber E-Bikern bereits verändert / verbessert? Ist das E-Bike „normaler“ geworden – oder ist es bis dahin doch noch ein langer Weg?
Also ich finde schon, dass es etwas besser geworden ist – auch in meinem Umfeld. Trotzdem gibt es immer noch unglaublich viele Vorurteile und riesige Diskussionen aus den eigenen Mountainbike-Reihen und auch in den sozialen Medien. Mich wundert es immer noch, dass die meisten Kritiker meinen, es stecke keine Leistung dahinter, ein E-MTB in den Bergen zu fahren. Auch wenn du mit dem E-MTB 1.200 HM fährst merkst du das am Abend in den Beinen. Das E-Bike fährt schließlich nicht von alleine, sondern man muss da schon auch einiges mitstrampeln. Klar, auf Forstwegen geht das einiges leichter als auf Trails, aber man kann es je nach Steigung trotzdem anstrengend fahren. Ich höre außerdem immer wieder die Angst, dass, je mehr E-Biker es gibt, der Wald und die Berge völlig überrannt werden und das viel zu gefährlich wäre, wenn sie mit 25km/h bergauf auf Forststraßen anrasen würden. Jeder, der einmal drauf saß, merkt, dass es nicht einfach einen Gashebel hat und vor allem ungeübte je nach Steigung auch in der höchsten Unterstützungsstufe nicht einfach so mal 25 km/h hoch rauschen können. Ich würde mir wünschen, die Skeptiker würden einfach mal eins ausprobieren, bevor sie urteilen.

Was hat sich in deinem und euer Leben durch den Blog verändert (positiv, wie vielleicht auch negativ)?
Wir haben tolle neue Bekanntschaften und Freunde gefunden, konnten als Familie und Paar den ein oder anderen inspirieren. Außerdem saßen wir als Familie so viel wie schon lange nicht mehr im Sattel – das fühlte sich für alle 3 mega an! Im Gespräch steht außerdem noch die ein oder andere Einladung zu einer Pressereise, was für uns als Familie natürlich auch super wäre, da ich ja keinen kommerziellen Blog mit Werbung habe und alles aus eigener Tasche finanziere. Ohne meinen Blog wäre eventuell auch mein Bikeshop Valcook und LIV Germany nicht auf mich zu gekommen, um mir die Möglichkeit zu bieten, ab kommendem Jahr das neue LIV Hail zu testen. Auch, dass ich am „1. European Women`s Outdoor Summit“ für den E-MTB Bereich teilnehmen durfte, an welchem die Grundidee für die neue Internetplattform „Bloomers“ vorgestellt und diskutiert wurde, ist natürlich absolut fantastisch. Hier habe ich ebenfalls so viele beeindruckende Outdoor Sportlerinnen kennen lernen dürfen das bleibt mit Sicherheit unvergessen.
Negativ finde ich eigentlich bisher nichts außer vielleicht, dass ich manchmal doch ziemlich lange vor dem Laptop sitze und mit der Technik kämpfe. 😉

Wie soll es mit dem Blog weitergehen? Hast du schon (neue) Pläne für 2018?
Im neuen Jahr soll, wie vorher kurz erwähnt, nochmals frischer Wind hineinkommen. Ich werde also nochmal deutlicher versuchen, den Vergleich MTB / E-MTB herzustellen und auszuprobieren, ob ich mit meinem neuen MTB – dem LIV Hail – nochmals mein E-MTB herausfordern kann. Denn ganz fair war natürlich auch der bisherige Vergleich nicht zwischen meinem deutlich älteren MTB zu meinem ganz neuen E-MTB. Ich freue mich jetzt schon total drauf, kann es kaum erwarten, bis das LIV bei uns einzieht und bin mega gespannt, welches Bike im kommenden Jahr die Überhand gewinnen wird. An dieser Stelle möchte ich mich – wenn ich darf – ganz herzlich bei meinem Bikeshop VALCOOK und LIV bedanken, die mir diesen Selbsttest im neuen Jahr ermöglichen und mir das MTB zur Verfügung stellen.

Nächstes Jahr habe ich außerdem bereits 2 Events geplant und das ist einmal die Teilnahme beim Womens Bike Camp in Reschen und die Teilnahme bei der Shimano E-Mountainbike Experience Tour. Auf beides freue ich mich jetzt schon riesig, da ich in Reschen noch nie zum Biken war und 5 Freundinnen mit mir die Trails im Rahmen des Camps unsicher machen werden und wir die Region zusammen testen.
Und die Shimano E-MTB Experience Tour verspricht in 4 Etappen quer durch Südtirol für alle Leistungslevels und mit Test E-MTBs eine aufregende, genussvolle und spaßige Zeit. Das Beste daran ist, dass ich meine beiden Männer mitnehmen kann, denn es wird ein Familienpaket mit Kinderbetreuung angeboten. Normalerweise ist Nino ja immer mit uns unterwegs, aber da die Touren tagsüber begrenzt sind, versuchen wir auf alle Fälle mal die Kinderbetreuung für 4-5 h in Anspruch zu nehmen und gehen nach der Tour noch mit Nino Biken oder baden. Das wird ungewohnt und komisch für uns, aber wir wollen gerne wieder mal ein Etappenevent erleben und lieber haben wir Nino dabei, als ihn ganz bei Oma zu lassen. Das wird also eine Premiere für uns als Familie und ich hoffe, wir begegnen dort noch anderen (E-) Bike-Familien. Ganz sicher werden wir während unseres Familienurlaubs wieder im Steineggerhof einige Tage verbringen und außerdem noch die Region um den Kronplatz testen. Ich würde mich sehr freuen, wenn sich künftig auch noch mehr Frauen, z.B. auf meiner Facebook-Seite, trauen würden, Fragen bezüglich des Umstieges auf E-MTBs zu stellen oder einfach mit mir mitfiebern, was ich zu meinem allerersten Frauen spezifischen MTB, dem Liv Hail, sagen werde.

Welchen Rat möchtest du anderen Bikerinnen noch mit auf den Weg geben?
Probiert einfach aus worauf ihr Lust habt, auch wenn das ein E-Mountainbike (E-MTB) sein soll und lasst es euch von niemandem ausreden. Sucht Euch Gleichgesinnte und traut Euch auch mal Grenzen zu überwinden- egal mit welchem Bike – bei einem Marathon oder einfach bei einem für euch schwierigen Trail. Die Grenzen verschieben sich und der Erfolg führt zu einem steigenden Selbstbewusstsein und damit verbundener Sicherheit.
Das Wichtigste ist aber wohl tatsächlich: schaut weit voraus und lächelt! Das hilft nicht nur auf dem Trail, sondern in allen Lebenslagen – das ist zumindest meine Erfahrung!

Und ganz zum Schluss noch: Wie gefällt dir GIRLSRIDETOO.DE (ganz ehrlich, gerne auch konstruktive Kritik ;-))?
Ganz ehrlich ich lese euch seit es Euch gibt! Ich bin quasi mit Euch zusammen in meinen Sport und mein Bike-Leben hineingewachsen und „erfahrener“ geworden. Es kommt mir also manchmal so vor, als ob ich euch schon ewig persönlich kenne und ich finde euch richtig toll. Bereits vor 10 Jahren habe ich bei euch Produkttests und Erlebnisberichte gelesen speziell für Frauen, weil es einfach nichts Spezifisches zu geben schien. Ihr habt jedoch die Nischen und Neuheiten entdeckt, getestet und präsentiert, das fand und finde ich immer noch absolut genial. Mit Interesse las ich vor allem auch die Tests für Frauenräder und fand es spannend, dass auch diese Räder langsam aber stetig immer besser wurden.
Ich finde es toll, dass ihr durch eure authentische Präsenz Frauen zeigt, wo sie Informationen erhalten und dadurch ermutigt werden, mit zu machen. Vielen vielen Dank dafür!

Dank dir, liebe Jani, für deine Zeit und das schöne Interview!

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