Monatsfrau Mai: Eva-Christina Kreuzer

Eve_Kreuzer_00«Crashcat» kommt so sympathisch daher wie seine Macherin Eva-Christina Kreuzer alias „Eve“. Auf der brandneuen Seite finden vor allem Enduro- und Downhill-Novizen jede Menge hilfreiche Infos für den Einstieg in den neuen Lieblingssport. „Was ursprünglich als meine Bachelor-Thesis für den Studiengang Kommunikationsdesign gedacht war, uferte gewaltig aus.“, erzählt Eve, die nicht nur sichtbar viel Zeit, sondern auch spürbar viel Herzblut in das Projekt gesteckt und noch viele weitere Pläne damit hat…

Eve, wie bist du zum Mountainbiken gekommen?
Also ursprünglich über meinen Freund. Der fuhr schon drei Jahre vor mir Enduro und Downhill. Ich habe einen Ausgleich zum Studium gesucht. Sport habe ich immer gerne gemacht, aber eher indoor, wie z. B. im Fitnessstudio.
Vor eineinhalb Jahren setzte er mich auf sein Enduro-Bike und hat mich gleich die richtig guten Trails den Berg runtergejagt – es hat sofort süchtig gemacht 🙂

Was ist für dich das Schönste am Biken, das Besondere im Vergleich zu anderen Sportarten?
Für mich ist es der optimale Ausgleich. Wenn ich den Berg runter sause, habe ich keine Zeit um mich auf etwas anderes zu konzentrieren. Du musst mit den Gedanken bei dir und deinem Bike sein, sonst baust du einen Unfall. Für mich war das „das“ was ich suchte – Alltag ausschalten.
Durchs Biken habe ich Orte gesehen, die hätte ich nie zu Fuß oder mit dem Auto erreichen können. Die Schönheit der Natur. Es hat mich einfach sofort in den Bann gezogen.

Was war dein schönstes Bike-Erlebnis?
Das schönste Erlebnis war, als ich in Finale Ligure 1000 Höhenmeter selbst hochgestrampelt bin, oben auf dem Berg stand, kurz vor der Abfahrt und wusste – diesen Ausblick hab ich mir selbst erkämpft.
Und dein schlimmstes?
Das schlimmste war im gleichen Urlaub – am letzten Tag stürzte ich auf einer Enduro Tour und der Lenker schlug mir trotz Rückenpanzer so in den Rücken, dass ich erstmal im italienischen Krankenhaus landete. Da war die Angst zuerst groß, evtl. sogar gelähmt zu sein.

Welches Bike fährst du (am liebsten) – in welchem Setup?
Mein absoluter Liebling ist gerade das Radon Swoop 175. Mein auch liebevoll genanntes „Swoopy“ hat Federweg 175 und 170 mm (hinten / vorn). Trotz des Gewichtes von knapp 15 Kilogramm und dem Freerider-Aufbau des Bikes, lässt es sich gerade noch so Bergauffahren – Enduro-Touren sind also noch drin und in Bikeparks ist es absolut der Knaller, laufruhig, wendig, etc. Die Gabel ist eine Rock Shox Lyrik, mit der ich super zurechtkomme. Dämpfer Rock Shox Monarch Plus RC3. Federt wie Butter.

 

Erzähl mal in 2-3 Sätzen: Was ist «Crashcat»?
Crashcat ist eine interaktive, webbasierte Plattform für Mountainbiker. Auf der Homepage findet man alles, was man benötigt um mit All Mountain, Enduro oder Downhill anzufangen. Die Seite richtet sich besonders an Anfänger, aber ich denke auch eingefleischte Biker finden dort noch nützliche News.
Sprich: alle Informationen rund um das Thema werden dort gesammelt zur Verfügung gestellt und mit Video- und Bildmaterial vermittelt

Wie ist Crashcat entstanden?
Wie bei fast jedem, der mit Enduro-Mountainbiken beginnt, habe ich aus Unwissenheit erst einmal falsche Ausrüstung und ein falsches Bike gekauft. Im Laufe 2014 habe ich genau das bei vielen weiteren Anfängern mitbekommen. Man muss sich jede noch so wertvolle kleine Info aus dem Internet selbst zusammen suchen. Ich hatte Glück, dass in meinem Freundeskreis einige All-Mountain-, Enduro- und Downhill-Fahrer waren und ich viel von ihnen lernen konnte.

Ich habe in Wiesbaden Kommunikationsdesign studiert mit den Schwerpunkten Webgestaltung und Animation (2D/ 3D). Im Laufe des Studiums darf man sich selbst aussuchen, welchen Zweig man geht und es ist dir überlassen worüber du deine Abschlussarbeit macht. Alles ist frei wählbar. Als ich das Thema für meine Bachelor-Thesis aussuchen durfte, war mir von Anfang an klar, ich will eine Webseite über All Mountain, Enduro und Downhill machen, auf der gerade Anfänger alle Infos zusammengefasst finden: Infos über Definitionen, Ausrüstung, Fahrtechnik, Trails und Parks.

Du sprichst auf Crashcat also Männer wie Frauen gleichermaßen an?
Ich habe vor der Gestaltung der Seite eine Online Umfrage gemacht. Es nahmen knapp 300 Leute teil und es stellte sich raus, dass der Frauenanteil fast 50 % war. Daher habe ich das Farbschema der Seite so gewählt, dass es beide Parteien gleichwertig anspricht. 

Wow, 50% Frauen! Warum meinst du, war deren Interesse an dem Thema so groß? Im Bikemarkt spricht man ja nach wie vor eher von ca. 20% Frauenanteil …
Ich glaube gerade in den letzten 2-3 Jahren ist der Frauenanteil enorm gestiegen. Warum das so ist, kann ich nicht beantworten. Ich habe beim Befragen festgestellt, dass viele Wintersportfanatiker (Ski und Snowboard) im Sommer jetzt auf Biken umsteigen, weil die Sportart einen ähnlichen Kick verleiht. Ich denke dass die Frauen länger gebraucht haben, das Thema für sich zu entdecken, es werden aber immer mehr Frauen das Biken anfangen, die auch im Winter gern Skifahren. Ich habe 2014 am Flowtrail Stromberg auch sehen können, dass der Frauenanteil an den Wochenenden 50% war.

Was genau wolltest du mit deiner Umfrage herausfinden – und was hast du schließlich herausgefunden?
Ich musste meinen Professoren belegen können, warum ich gerade eine Website mache und nicht ein Buch, was man verlegen könnte oder etwas Ähnliches. In der Umfrage stellte sich raus, dass 88 % meiner Befragten im Internet nach Informationen suchen, 85 % immer noch nicht wissen, welches Bike sie kaufen sollen und 62 % all meiner Befragten Mountainbike fahren. Ansonsten habe ich gefragt, ob die Leute die Begrifflichkeiten Downhill etc. schon einmal gehört haben, aus welchem Bundesland sie kommen, wie alt sie sind, etc. 

Gabs dabei (große?) Unterschiede zwischen Männern und Frauen?
Eigentlich nicht. Ich war erstaunt, dass die Mädels in den letzten Jahren ordentlich aufgeholt hatten. Sie fahren in die gleichen Parks wie die Männer und auch auf die gleichen Strecken. Sie planen genauso Bike-Urlaube wie die Jungs, etc.
Ich bin selbst sehr oft in einer Mädelsgruppe unterwegs, habe das Glück gehabt via Facebook in der Gruppe „MTB Girls Hessen und Rheinland-Pfalz“ knapp 40 MTBlerinnen im Umkreis von Wiesbaden kennenlernen zu können.

Wie bist du an die Umsetzung dann rangegangen?
Ich habe erst einmal monatelang Foto- und Filmaufnahmen gemacht, die als Füllung für die Seite dienen sollten. Danach folgte die oben genannte Umfrage.
Ich habe den Namen Crashcat deshalb gewählt, weil die in der Hocke stehende Fahrer-Haltung von uns Mountainbikern mich oft an eine Katzenbuckel-Katze erinnert 🙂 Das Wort Crash steht für „Crashkurs“ und den Crash den man auf dem Trail vermeiden sollte.
Dann  habe ich das Corporate Design entworfen, den Aufbau der Webseite festgelegt und das Design der Webseite gestaltet. Den Dezember 2014 habe ich durchgehend mit Programmieren der Webseite verbracht.

Woher hast du die Infos, die auf deiner Seite zu finden sind?
Die Texte sind alle weitestgehend selbst verfasst. Die Informationen habe ich durch Erzählungen und den Austausch mit meinen bikenden Freunden, Fahrtechniklehrern, Freunden aus unserem Mountainbike-Verein Gravity Pilots, etc. gewonnen.
Gerade bei den Bikes gehen die Meinungen sehr auseinander. Ich nehme Kritik und Verbesserungs-/ Änderungs-Vorschläge für die Crashcat Seite immer gern entgegen.

Glaubst du, dass Bikerinnen andere Informationen suchen / brauchen als Biker? Falls ja, inwiefern? Und gehst du auf deiner Seite in irgendeiner Form darauf ein?
Ich denke wenn man auch das GIRLSRIDETOO.DE-Forum oder das MTB-Forum betrachtet, wird man sehen, dass wir Frauen auch andere Informationen brauchen. Es gibt viele Frauen, die sehr klein sind und auf die Herren „S“ Bikes nicht drauf passen. Sattel, die unbequem für die Geometrie der Frau sind….etc. Die Bike Hersteller reagieren mittlerweile darauf, daher war mir wichtig Links zu den Herstellern auf die Crashcat-Seite zu packen.

Ich werde zukünftig die Hinweise auf der Crashcat Seite verstärken, dass auch Frauen (oder Männer mit Bike-Größen-Problemen) den richtigen Hersteller für sich finden.

Wie machst du deine Seite bekannt?
Sponsoren und Partner – ich habe mich auf die Suche nach Sponsoren gemacht, einige Seiten von Fahrradherstellern etc. angeschrieben. Nach einer Weile wurde es dann ein Selbstläufer. Ich habe Google Analytics auf Crashcat zugreifen lassen. Nach den ersten 3 Wochen online hatte ich bereits über 5000 Seitenaufrufe sehen können.

Welches Feedback bekommst du von deinen Besuchern – und welches davon hat dich bisher am meisten gefreut??
Gott sei Dank war es bisher positiv 🙂
Ich konnte einige Freundinnen zum Biken animieren und habe das geschafft, was ich gerne erreichen wollte: meine Familie und meine nicht-bikenden Freunde verstehen endlich, was ich jedes Wochenende für eine Sportart betreibe. Gerade meine Eltern konnten auch besser verstehen, warum so ein Enduro-Bike seinen Preis hat, weil sehr hochwertige Komponenten verbaut sind.

Hast du schon mal mitbekommen, dass Männer erstaunt sind, dass hinter der Seite ein Frau steckt – und manchmal vielleicht auch ein kleines Problem damit haben, sich von einer Frau Tipps und Ratschläge geben zu lassen?
Ohja. Eine nicht so schöne Szene erlebte ich 2014 auf dem Flowtrail Stromberg. Das Gespräch zweier junger Biker war nicht zu überhören, die sich kurzerhand entschlossen hatten, nicht mehr nach Stromberg zu fahren, weil hier auf einmal so viele Mädels abhängen. Ich hörte auch oft Kommentare bezüglich einer gut bikenden Freundin von mir, wie „wow, die Frau ist ja so schnell, da komm ich nicht hinterher, sie fährt wie ein Mann“.

Ich denke, nicht alle Jungs in diesem Sportbereich sind so. Ich beobachte zurzeit auch lustige Sachen, dass sich männliche Bekannte (Biker) von mir bei der Partnersuche jetzt Frauen suchen, die das Hobby teilen. Man verbringt dann zusammen viel Zeit mit dem Biken. 

Was ist Crashcat für dich: Hobby, Beruf, Berufung …?
Nach wie vor ein Hobby. Ich sehe die Seite als mein „Baby“, ich bin an ihr gewachsen und verzweifelt, habe viele schlaflose Nächte verbracht und als sie endlich online ging, viel ein so großer Stein vom Herzen, dass ich die ersten Tage danach gar nicht mehr wusste, was ich jetzt mit der abendlichen neuen Freizeit anfangen soll. Ich will weiter an ihr arbeiten und wachsen. Ich möchte gern einen User-Bereich einbinden, hierfür gibt es noch viel zu tun.

Wie ich GIRLSRIDETOO.DE aufgebaut habe, ist fast jede freie Minute in das Portal geflossen und ich bin manchmal vor lauter Arbeit damit selbst gar nicht mehr zu Biken gekommen – irgendwie verrückt. Wie sieht das bei dir momentan aus?
Ohjaaaa. Ich habe mein Swoop seit November nicht mehr ausgeführt. Während meine Freunde biken gingen, saß ich zuhause und habe programmiert und gestaltet. Letzten Sommer war ich nur zum filmen und fotografieren in den Parks. Als ich endlich am Ende des Tages mitbiken wollte, waren meine gefilmten Biker alle so müde, dass sie nicht mehr biken konnten 🙂
Ich denke aber, jetzt werde ich mir wieder mehr Zeit zum selbst biken nehmen können.

Wo  und wie erträumst du dir Crashcat in 3 Jahren?
Ich träume davon die Parkübersicht endlich fertig zu programmieren, die brauch leider noch. Dann wird es eine Übersichtskarte aller Parks in Deutschland geben. Ich würde mich freuen, wenn sich die Seite in der Bike-Szene etabliert, dass man sie kennt, dass ich mehr Gelegenheiten bekomme mit anderen aus der Szene zusammen zu arbeiten.

Der Video-Bereich wird definitiv noch größer werden. Ich möchte die Filmproduktion sehr viel stärker ausbauen und auch für 2015 stehen die nächsten Drehtermine schon fest – diesmal wird es auch ein Ladies Special geben.

Welchen Rat möchtest du anderen Bikerinnen zum Schluss noch mit auf den Weg geben?
Gebt niemals auf – selbst wenn ihr mehrmals vor einem Hindernis steht und euch nicht traut – irgendwann geht es und das ist das tollste Gefühl, was es gibt.

Und ganz zum Ende die obligatorische Frage: Wie gefällt dir GIRLSRIDETOO.DE?
Sehr gut. Als ich mit dem Biken anfing, war das die erste Internetseite, die ich zum Thema gefunden habe. GRT.DE hat mir sehr viel beigebracht und mir beim Orientieren geholfen.

Vielen Dank für das schöne Interview, liebe Eve!

PS: Zu Crashcat gehts unter: http://crashcat.de/

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