Monatsfrau Dezember: Daniela Kinz

05. Dezember 2015 | Jule | Persönlichkeiten | Monatsfrauen,

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Daniela Kinz kommt aus dem schönen Salzkammergut und ist eigentlich eine „toughe Businessfrau“, wie Freunde über sie sagen. Das scheint ihre Energie jedoch nicht zu erschöpfen: Selbst auf der Suche nach Anschluss und Frauen-Power wirbelte sie erst in Wien in die «Velochicks», dem ersten Radsportverein speziell für Frauen, hinein, um dort sofort kreativ mit einzusteigen. Sie organisiert Ausfahrten und „fette Parties“, „um mehr Frauen zu diesem genialen Sport zu bekommen – denn dieses Gefühl das Frau auf dem Bike in der Natur hat sollen viele erleben“.

Zurück in der Heimat, gründet sie Anfang des Jahres eine Dependance in Salzburg. Unermüdlich arbeitet sie nun daran, auch dort neue Mitglieder zu gewinnen und für bestehende Mitglieder attraktive Angebote ins Leben zu rufen – und opfert dafür zahlreiche Wochenende und Abende. Wobei das im Gespräch mit ihr nach deutlich mehr Lust als Last klingt….

Dani, wie bist du zum Mountainbiken gekommen?
Im Sommer vor zwei Jahren habe ich mit dem Mountainbiken begonnen. Mein Start mit dem Bike war motiviert von Neugier und auch von Ehrgeiz. Einmal ausprobiert und dabei geblieben. Auf dem Bike bin ich ganz bei mir.

Was ist für dich das Schönste am Biken, das Besondere im Vergleich zu anderen Sportarten?
Am Mountainbiken mag ich besonders das Schwitzen bergauf und den Fahrtwind bergab. Mountainbiken ist für mich die ideale Kombination für Kraft und Ausdauer mitten in der Natur in Verbindung mit Action und Adrenalin und das manchmal alleine und manchmal in Gesellschaft.

Was waren dein schönstes und dein schlimmstes Bike-Erlebnis?
Manchmal springt mein Herz bei Höhenmetern die ich knacke, und ein anderes Mal wenn mir Single Trails technisch gut gelingen. Zum Glück hatte ich noch kein schlimmstes Erlebnis – denn bei all dem Adrenalin und der Action ist Sicherheit groß geschrieben und dafür mache ich – dank der velochicks – regelmäßig Fahrtechniktrainings.

Welches Bike fährst du (am liebsten) – in welchem Setup?
Ich habe kürzlich  das neue Rhyme von Specialized mit den breiten 3“ Reifen in 6Fattie Ausführung und 135 mm Federwegsabstimmung speziell für Ladies getestet. Das hat viel Spaß gemacht und zählt fix zu meinen Favoriten.

Was sind deine 3 Lieblingsprodukte rund ums Biken?
cooles Outfit, schicker und leichter Helm und eine lässige Brille. Ich trage gerne Qloom und Maloja Hosen, unser neues velochicks Trikot – gestaltet von einer unserer Mitgliedsfrauen- den Specialized Ambush Helm und die Brille von Oakley.

 

Fass mal kurz zusammen: wer oder was sind und machen die „Velochicks“?
Seit rund 10 Jahren haben sich die velochicks ehrenamtlich – Österreichs Verein für radsportbegeisterte Frauen – zum Ziel gesetzt, mit viel Frauen-Power, ausgebildeten Instruktorinnen und engagierten Mitgliedern, Frauen beim Einstieg in den Radsport und bei der Materialauswahl zu unterstützen und mit regelmäßigem Training zu begleiten.

Warum gibt’s einen Radverein speziell für Frauen? Denn Männer müssen bei euch ja komplett draußen bleiben, oder?
Warum ein Verein für Frauen erklärt sich ganz schnell: Frauen haben beim Radsport oftmals andere Voraussetzungen – sei es Ergonomie, Kraft, Kondition – als Männer und maßgeschneidertes Material, richtige Technik, regelmäßiges Training und mit Gleichgesinnten in die Pedale treten sind die Grundvoraussetzung für nachhaltigen Spaß am Radsport. Viel zu oft beginnen Frauen mit einem viel zu großen Rad, dem falschen Sattel und kompletter Überanstrengung und verlieren damit gleich wieder die Freude am Radsport. Das abgelegte Bike des Partners ist meistens auch die falsche Wahl, um den Spaß am Biken zu entdecken. Dabei entsteht meistens Frust statt Lust.
Die velochicks haben sich von der ersten Stunde an zum Ziel gesetzt, Frauen beim Einstieg in den Radsport und bei der Materialauswahl zu unterstützen und mit regelmäßigem Training zu begleiten.
Bei den velochicks sind natürlich auch Gockln (Männer) willkommen. Dafür haben wir unsere regelmäßigen velochicks & friends Ausfahrten, bei denen auch unsere Männer mitfahren.

Euer 1. Gebot im „Hühnermanifest“ lautet: „Chicks | Ladies first“. Was bedeutet das für dich?
Bei den velochicks stehen die Bike-Bedürfnisse unserer Mitgliedsfrauen an erster Stelle – auch bei den gemeinsamen Chicken & Gockl Ausfahrten.

Wie bist du zu den Velochicks gekommen und was sind deine Aufgaben dort?
Bei meinem Mountainbike-Urlaub in Spanien habe ich Bekky und Kerstin aus der Schweiz kennengelernt – die gerade die Bikeladys.ch gegründet hatten.  Nach meiner Rückkehr war ich neugierig, ob es auch eine MTB-Trainingsgruppe für Mädls in Österreich gibt. Das hat nicht lange gedauert und ich habe im Web die velochicks entdeckt und war nach dem ersten Kennenlernen begeistert von der Power und den Möglichkeiten regelmäßig gemeinsam zu trainieren. Ich wurde im Verein herzlich aufgenommen und es haben sich auch Freundschaften daraus entwickelt.  Von der ersten Stunde an war mir klar, ein Verein ist ein Miteinander und jede von uns muss sich – im Rahmen ihrer Möglichkeiten – einbringen um die velochicks zum Pulsieren zu bringen. Ich bin im österreichweiten Verein Schriftführerin. Österreichweit gibt es regelmäßige Treffen für Organisation und Strategie – natürlich in Verbindung mit Bike-Ausfahrten und in Salzburg bin ich die Gründerin vom Salzburger Hühnernest.

Engagierst du dich dort komplett ehrenamtlich oder bekommst du für dein Engagement etwas?
Mein Engagement ist eine reine Herzensangelegenheit und ehrenamtlich. Ich verdiene keinen Cent dabei. Manchmal ist es zeitlich auch eine Herausforderung da natürlich nur Abende und Wochenenden in Frage kommen für Vorbereitungen, aber ich investiere gerne diese Zeit weil es mir große Freude macht, vor allem wenn ich sehe dass unser Netzwerk wächst und die Begeisterung anhält.

Woher kommt deine Motivation, dich in Salzburg so sehr für die Bikerinnen einzusetzen?
Ich bin Anfang des Jahres zurück in meine Heimat Salzburg gezogen. Hier bin ich zu Hause und wollte aber auch nicht auf die velochicks aus Wien verzichten. Deshalb haben wir die Idee geboren ein weiteres Hühnernest in Salzburg zu probieren. Und es ist gelungen. Mit den velochicks in Salzburg habe ich bisher schon viele radsportbegeisterte Frauen und Männer kennengelernt und es hat sich ein wunderbares Netzwerk entwickelt, in dem wir uns regelmäßig für Ausfahrten, zu Technik-Kursen und dem monatlichen Stammtisch treffen. Die Levels reichen von Anfängerinnen über Fortgeschrittene bis hin zu Profi-Bikerinnen. Persönlich freue ich mich sehr, dass es gelungen ist eine solche Gemeinschaft in Salzburg zu gründen mit der notwendigen Freiheit und Verbindlichkeit, die in unserem Verein an erster Stelle steht. Jede Mitgliedsfrau kann frei entscheiden wann und in welchem Umfang sie sich engagiert – ich halte nichts von Pflichtübungen in der Freizeit, aber ein paar Spielregeln braucht’s natürlich immer.

Wie war die Reaktion der Bikerinnen auf die Gründung von Velochicks in Salzburg? Haben sie dir die Bude eingerannt, oder …?
Als One-Women-Show hier zu starten war natürlich eine Herausforderung. Ich habe vielen Menschen von meiner Idee erzählt und dadurch haben sich wiederum Synergien, Ideen und Kontakte ergeben und somit war es möglich, dass wir zu Ostern hier mit einer ersten Ausfahrt geschlüpft sind.  Bei der ersten Ausfahrt war auch Steffi dabei – eine GIRLSRIDETOO.DE-Frau, die sich von der ersten Stunde an mit viel Begeisterung in den Verein einbringt. Mittlerweile sind wir in Salzburg rund 20 Mitgliedsfrauen und ich bin überwältigt mit wie viel Einsatz und Power die Frauen im Alter zwischen 24 und 50 unser Bike-Netzwerk nützen und unterstützen. Gemeinsam haben wir in den letzten Monaten unser Angebot in Salzburg entwickelt, das mittlerweile von wöchentlichen Ausfahrten über Fahrtechnik- und Reparaturkursen, monatlichen Stammtisch bis hin zu Rabatten bei unseren Partnern reicht.  Die Ideen und Vorteile für unsere Mitgliedsfrauen gehen uns nicht aus. Kontinuierliche knüpfen wir neue Kooperationen mit Bike-affinen Angeboten hier in Salzburg. Natürlich braucht das alles auch ein bisschen Zeit. Ich bin davon überzeugt, dass wir in Salzburg weiter wachsen werden durch das Engagement jeder einzelnen Mitgliedsfrau.

Welches Feedback hat dich bisher am meisten gefreut?
Ich denke alle Mitgliedsfrauen in Salzburg schätzen das Engagement, das velochicken Netzwerk aufzubauen. Das tatkräftige Mitwirken und die wertschätzenden Worte der Mitgliedsfrauen sind für mich ein Zeichen dass es der richtige Weg ist. Besonders gefreut hat mich einmal ein Mail mit den Worten: ich bin stolz ein velochicken zu sein.

Wer kommt zu euch? Gibt es „das typische Velo-Chick“?
Jede motivierte Frau in jedem Alter kann ein velochicken werden. Einzige Voraussetzung sind Grundkondition, sicher auf dem Fahrrad zu sitzen und die übliche Portion an guter Laune, Motivation und Bewegungsfreude. In Salzburg haben wir aktuell eine Altersstruktur zwischen 24 und 50 Jahren und das in jedem Level.

Seid ihr eine „geschlossene Gesellschaft“ oder freut ihr euch über weitere Gesellschaft und Mittäterinnen?
Wir freuen uns auf weitere zahlreiche velochicks. Ja, wir sind ein Verein und unser Angebot richtet sich an Mitglieder. Mitgliedsbeitrag pro Jahr sind 30 Euro und das Leistungspaket dafür kann sich österreichweit sehen lassen.

Muss man dem Verein beitreten, um bei euren Aktivitäten mit machen zu können?
Wir möchten in Salzburg noch mehr Frauen für den Radsport begeistern. Daher laden wir interessierte Frauen bei unseren wöchentlichen Ausfahrten zum 1-2 x  Schnuppern ein und/oder auch zu unserem monatlichen Stammtisch.

In Vereinen gibt es oft auch viel „Vereinsmeierei“, also viel Bürokratie und Diskussionen um interne Dinge. Wie ist das bei euch?
Natürlich gibt es im Verein viel zu organisieren. Meist im Hintergrund und das ist dann auch selten sichtbar. Aber wir helfen alle tatkräftig zusammen und teilen uns die Arbeiten zwischen Obfrau Eva in Wien unserer Kassiererin Martina in Graz und mir als Schriftführerin in Salzburg auf. Und unsere Mitgliedsfrauen in allen Hühnernestern übernehmen auch gerne immer wieder Aufgaben je nach ihren fachlichen Kompetenzen; zu Beispiel Fotografie, Webdesign und/oder Grafik. Nur so kann eine Gemeinschaft funktionieren.

Gibt’s Unterschiede zwischen den Wiener Velochicks  und den Velochicks Salzburg? Inwieweit trägt „Velochicks Salzburg“ deine Handschrift?
Den Unterschied gibt es nur in der Landschaft. In Salzburg knacken wir gerne viele Höhenmeter und fahren alpine Tages- und Wochenendtouren in Kombination mit lustigen Trailabfahrten. In Wien sind die Berge nicht so hoch dafür gibt‘s aber genug lustige Trails in und rund um Wien. Die Handschrift aller Hühnernester ist der herzliche, respektvolle und wertschätzende Umgang miteinander. Jede von uns ist gleichwertig und hat ihren Platz in der Gruppe. Natürlich muss es ein Support-Chicken pro Bundesland geben, das den Hühnerstall beisammen hält. Das mache ich sehr gerne und mit viel Herz, Einsatz und auch Organisation und ich glaube das ist meine Handschrift.

Die die Schweizer „Bikeladies“ haben dich stark beeindruckt und motiviert. Inwiefern? Und was vom Schweizer „Spirit“ hast du zu den Velochicks mitgebracht?
Mich hat fasziniert was alles möglich ist mit de Bike, wenn viel Einsatz und Begeisterung dahinter stecken und ich habe mit Bekky und Kerstin den  „Biss“ trainiert – und den braucht es für Höhenmeter.

Du bist Marketing-Fachfrau. Inwieweit profitieren die Velochicks von deinem beruflichen Wissen?
In unserem Verein ist vieles nur möglich weil wir alle aus unterschiedlichen beruflichen Ecken kommen. So bringe ich mich zum Beispiel mit meinen PR-Kenntnissen ein. Ich erstelle unsere Texte, Newsletter. Mein PR-Knowhow hat mir sicherlich geholfen um auf die velochicks in Salzburg aufmerksam zu machen.

Ihr seid – ganz neu – Partner des Internationalen Bergfilmfestivals in Salzburg. Erzähl mal: Wie kam es dazu und wie schaut die Partnerschaft aus?
Das internationale Bergfilmfestival widmet einen Abend dem Mountainbiken und die velochicks stellen sich in diesem Rahmen vor, mit Ihrer Mission, Idee und ihrem Angebot in Salzburg und ganz Österreich mit dem Ziel mehr Frauen für das Mountainbiken zu begeistern. Daran arbeiten wir gerade auf Hochtouren und freuen uns auf viele Besucher/innen am 27. November im DAS Kino in Salzburg.
Diese wunderbare Zusammenarbeit ist ganz unspektakulär entstanden. In einem Gespräch über das verbindende Element Berg. Es freut uns sehr, dass wir mit dem internationalen Bergfilmfestival eine solch namhafte Unterstützung haben.

Welchen Rat möchtest du anderen Bikerinnen noch mit auf den Weg geben?
Wenn ich auf dem Bike bin, fahre ich mein Tempo, mit meiner Kraft, meiner Ausdauer und meinem technischen Können. Ich mag es mich kontinuierlich zu steigern und zu verbessern und das in meinem Rhythmus und genau das rate ich den Frauen: bei sich zu bleiben und immer wieder innehalten und die eigene Leistung reflektieren und auf die Schulter klopfen.

Und wie immer zum Schluss die Frage: Wie gefällt dir GIRLSRIDETOO.DE (ganz ehrlich, gerne auch konstruktive Kritik ;-))?
Die Plattform GIRLSRIDETOO.DE finde ich sehr gut und verfolgt ein großartiges Ziel: Frauen Spaß am Biken zu vermitteln sie dabei zu unterstützen und zu fördern – so wie es auch unsere velochicks Mission ist.

Hier gehts zu den Velochicks: www.velochicks.at

Dank dir für das Interview und deine Zeit, liebe Dani!

[Interview: Jule; Fotos: Sibylle Wagner, Radsport Wagner]

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