Monatsfrau August: Elisabeth Schwojer

18. August 2015 | Jule | Persönlichkeiten | Monatsfrauen,

Foto: Colin Stewart

Foto: Colin Stewart

„Eigentlich führe sie ja nur ein kleines (aber äußerst schnuckeliges) Café im Oberbayrischen“ sagt Elisabeth über sich – und stapelt dabei ordentlich tief. Denn das bayerische Original avanciert gerade zur „Lifestyle-Ikone“, bei der Sponsoren, Magazine und Werbefilm-Produzenten anklopfen.
Begonnen hat alles mit kleinen Video-Clips, die „die Lady in Pink“ auf die Facebook-Seite ihres Cafés (https://www.facebook.com/ElisabethsPlatzerl) stellte – und deren virale Wirkung bis hinein nach Asien reicht. Biken ist für die Mutter von zwei Kindern vor allem ein (Fort)Bewegungsmittel, das sie dorthin bring, wo es am besten schmeckt: auf den Gipfel. „Bewegung und Essen“ gehören für Elisabeth einfach zusammen – und genau  an diesem Gipfelgenuss lässt sie uns in ihren Filmen teilhaben. Damit hat sie einen echten Nerv getroffen, der nun seinerseits Bewegung in ihr Leben bringt ….

Elisabeth, wie bist du zum Mountainbiken gekommen?
Durch meine Kids war ich zeitlich immer ein wenig unter Druck (wg. Stillen) und konnte nicht mehr so lange Bergtouren machen: Mit`m Radl war ich dann halt einfach schneller wieder daheim.

Was ist für dich das Schönste am Biken, das Besondere im Vergleich zu anderen Sportarten?
Ich liebe das starke Bergaufschwitzen und danach das luftige Runtersausen 🙂

Was war dein schönstes Bike-Erlebnis? Und dein schlimmstes?
Mein schönstes war im Zilltertal mit einer anschließenden Belohnung auf dem Gipfel mit einem Tomahawk und mein schlimmstes war, als ich am Abend bei meinem Mittwoch Stammtisch nach`m Runterfahren gemerkt hab, dass der Autoschlüssel noch oben auf`m Tisch liegt. (Ich war allerdings typischerweise mal wieder die Letzte und musste mit ein oder zwei Weißbier in den Haxn nochmal 800hm Raufradln, das war echt SCHLIMM!!!)

Welches Bike fährst du (am liebsten) – in welchem Setup
Oh mein Gott, ich weiß es ist saupeinlich, aber ich müsste erst nachschauen. Ich weiß, dass ich ein Scott Genius fahre, dass es ein Fully ist, dass es 140mm FW hat, dass es Twin Lock hat und eine absenkbare Sattelstütze, dass es nicht pink ist, dass ich es liebe und dass man heutzutage mit fast jedem Bike auf`m Berg komm

(Fotos: Colin Stewart)

Du hast ein mega-kuscheliges kleines großes Café im oberbayerischen Miesbach – das „Platzerl“. Wie seid ihr zwei zusammen gekommen? Ihr hattet ja keinen so ganz einfachen Start, oder?
Ich wollte schon lange was Eigenes machen, hatte jede Menge Ideen (eher immer zu viele), jedoch passten sie nicht zu meinem damaligen Leben. Als ich dann durch Zufall von diesem Platzerl hörte hab ich mich sofort in die Location verliebt und das gesehen was es jetzt ist. Tja, die Schwierigkeiten waren eher wegen dem Geld, host nix, kriagst nix. Gottseidank hatte ich dann von allen Seiten Unterstützung, die es mir ermöglicht haben loszulegen.

Wer rein kommt, spürt sie sofort: Die heimelige Atmosphäre im Café. Woher kommt das? Was macht das Besondere daran aus?
Ich weiß was das für eine Atmosphäre ist, viele sagen: „Bei Dir fühl ich mich wie daheim“. Das machen auch meine supernetten Mädls aus, die sich wirklich um jeden einzelnen Gast herzlichst kümmern. Gekocht wird auch so wie daheim am Herd und auf`n Tisch kommt das was uns schmeckt, ganz nach dem Motto: „So lange du Deine Füße unter meinem Tisch hast …“.  Besonders ist auch, dass es ein Treffpunkt für Jung und Alt ist. Eine Mutter macht gerade Hausaufgaben mit ihrer Tochter am Tisch, 13 Jährige Teens treffen sich zum Chatten in der Damenrunde und der süßfalttrige Opi gfreid sich über an gscheiden Zwetschgendatschi wie ihn damals seine Mutti gmacht hat. Was will man mehr?

Was bedeutet das Café für dich, für dein Leben?
Es ist für mich und meine Familie eine zweite Heimat. Meine Kinder kommen nach der Schule dort gleich hin, können Freunde mitnehmen; meine Eltern sind fast jeden Tag da, meine Tanten, Onkeln,  Cousinen,  Cousins alle kommen, aber das Schönste ist immer am Donnerstag – da kommt sogar noch meine 90jährige Oma zu ihrem Stammtisch. Sie genießt es auch, da sich alle über sie so sehr freuen. Das liegt an ihrer unglaublichen Zufriedenheit und glücklichen Ausstrahlung.

Aus einer spontanen Laune heraus haben du und ein befreundeter Fotograf und Filmer ein paar Videos gedreht und auf die Facebook-Seite des Cafés gestellt. Erzähl mal kurz, worum es in den Videos ging.
Ach eigentlich nichts dramatisches, wir sind halt mit dem Rad und zum Teil zu Fuß losgezogen, die Tasche mit allem möglichen Schmarrn gepackt, und am Gipfel gekocht. Colin hat seine Kamera drauf gehalten währen ich mich mit meinem Filetpfandl amüsiert habe und schon war‘s passiert.

Unser erfolgreichstes Video war allerdings mit für MAXX Bike. Wir haben für das Video ein komplett pinkes Fatbike mit weltweit der einzigen Rohloff in PINK bekommen. Damit sind wir dann Richtung Kampenwand losgezogen und haben dort oben einen Steckerlfisch gegrillt. Wir wollten bei diesem Video ein besonderes Ende, irgendwas verrückt Gemütliches. Als ich dann in der Früh in der Badewanne hockte, dachte ich mir: „Ich brauch eine Bad‘wann am See zum selber Heizen“. Weil wie immer bei mir alles supersuperspontan ist, war es nicht so einfach. Es lief darauf hinaus, dass ich von  meiner Nachbarin ein altes Milchfass aus Edelstahl bekommen hab. Wir konnten es dann wie einen Hot Pot benutzen. Bei -6 Grad echt aufregend.

Fischen im zugefrorenen See und dann mit Bike und erfolgreichem „Fang“ auf den Gipfel zum Grillen: wie kommst du auf solche – für viele sicherlich sehr abgefahrene – Ideen?
Cool, du findest es abgefahren? Hihihih! Die Ideen entstehen nicht nur in meinem Kopf sondern auch in Colins. Wir ratschen über das was wir gerne machten würden und tun‘s halt dann einfach. Keine Ahnung woher sie kommen. Ich finde es ja eh nicht abgefahren. Hab halt mein eigenes „NORMAL“.

(Fotos: Colin Stewart)

Wie hängen Biken und Essen für dich zusammen? Und wie die Filme und dein Café?
Ich finde, dass Sport und Essen immer eine gute Kombi ist. Wenn man sich bewegt hat und ausgepowert ist, hat das Essen einen viel höheren Stellenwert. Unsere Generation ist ja ohne Hungergefühl aufgewachsen und isst eh oft nur weil‘s halt dazugehört. Ich mag aber das Gefühl mit dem Oberkohldampf mich aufs Essen zu stürzen und es genießen. Ich habe die Videos auf Facebook gestellt, weil ich dachte, es könnte vielleicht auch ein paar Leute inspirieren um Sport mehr als Genuss zu erkennen. Und es war echt ganz lustig, weil am nächsten Tag ist gleich ein Mädchen zu mir ins Café gekommen und hat gesagt: „Mei Lisi, ich bin heute das erste Mal in meinem Leben auf`n Riederstein gegangen und hab mit einer Freundin dort oben Brotzeit gemacht, ich hab gar ned g‘wußt wia schee des sein konn.“Und das hat mich richtig gefreut und auch funktioniert.

Die Filme wurden ein enormer Erfolg, haben sich viral enorm verbreitet und dich übers Oberland hinaus bekannt gemacht. Was denkst du, woher kommt der Erfolg? Welchen Nerv habt ihr damit getroffen?
Ein Grund ist sicherlich, dass viele Leute ständig unter Druck stehen (auch ich), und da sind solche Genussmomente ganz wichtig. Viele würden gerne auch am Gipfl sitzen mit so einem tollen Panorama im Hintergrund, einfach die Weite genießen – weg von jedem kleinen oder auch großen Alltagsproblem. Das Essen setzt nur das Tüpfelchen auf das I.

Hattest du mit dem Erfolg gerechnet?
Nein, weil wir damit auch nicht wirklich was vorhatten. Bin jedes Mal wieder aufs Neue überrascht, wie viel positives Feedback kommt.

Was hat sich für dich und für dein Café dadurch verändert?
Ja, wir haben mehr Arbeit im Café, wir haben mehr Arbeit mit Videos und daher auch weniger Zeit für mich und meine privaten Momente. Jetzt muss ich noch mehr lernen, alles gut zu koordinieren, damit keiner zu kurz kommt oder auf der Strecke bleibt. Meistens funktioniert es eh ganz gut, aber manchmal halt auch nicht. Das macht mich dann auch mal traurig. Gottseidank sind in meinem Kopf so viele schöne Gedanken, dass diese Momente nicht zu lange dauern.

Wer viel im Alpenvorland unterwegs ist, trifft dich mit großer Wahrscheinlichkeit irgendwo am Berg – und das wohl ganz in pink. Auch in deinem Café begegnet man der Signalfarbe überall – ist das dein Markenzeichen? Warum gerade Pink?
So, das ist ein Gerücht. Ich bin nicht immer ganz in Pink! Ich liebe diese Farbe schon immer, aber nicht Plüschpink sondern Sportpink. Außerdem bin ich nie oder seltenst ganz in Pink. Zum Café kann ich nur sagen: das war nicht so geplant, Meine Freundin Moni hat noch zu mir gesagt, als ich am Anfang mit meinen Kids und mit meinen Eltern alles renoviert hab: „Reiß dich voi bloß mit deim Pink zamm, ned olle finden des so guad!“ Okay, okay, also blieben die Wände erstmal weiß und ich habe nur die Theke in Pink gestrichen, allerdings ist noch ein bisschen Farbe übriggeblieben und die konnte ich ja nicht einfach wegwerfen. Somit wurde dann der Türrahmen, die Tafel und ein paar wenige Details noch Pink. Der Ruf kommt eher daher, als der erste schöne Tag nach der Eröffnung war, musste ich den Garten bestuhlen, aber mein Schreiner war ein wenig mit den Möbeln verspätet und ich habe mir aus „Versehen“ ein paar pinke Stühle bei Ikea geholt. Tja, das war halt anfangs einfach ein bisschen zu viel für Miesbach und somit hatte ich den Namen „Café PINK“.

Mit deinem neuen (pinken!) Fatbike und deinem stets sehr bunten Outfit ziehst du alle Blicke auf dich. Dazu noch die „Gretchen-Frisur“ … ohne Zweifel: Du bist ne echte Marke. Wie ist das, macht es dir Spaß, aufzufallen, ggf. auch zu polarisieren? Und siehst du dich selbst als „Werbefigur“ für dein Café?
Ich habe nicht das Gefühl, dass ich auffalle. Mich kennen einfach nur viele Leute und deshalb grüße ich auch immer wenn ich unterwegs bin. Manche mögen mich, manche nicht,  aber das ist auch okay. Ich muss zwar noch lernen damit richtig gut umzugehen, aber ich bin auf einem guten Weg dahin. Klar bin ich auch eine Werbefigur für mein Café, es heißt ja auch „Elisabeths Platzerl“ und das ist nicht nur im Café, sondern auch  in den Bergen, an den Seen – einfach draußen. Somit passt das ja auch mit den Videos ganz gut, fällt mir grad auf.

Du sprühst vor Ideen und Lebensfreude: was wird man von dir als nächstes hören oder sehen?
Gestern Abend waren wir beim Standup-Paddeln am See und Colin meinte, ich soll mir schnell meine Haare flechten, weil mich die Girlies immer fragen wie es geht. Also sind wir mit einem Glaserl Wein raus in die Mitte vom See und ich hab mir zwei Frisurenvarianten geflochten. Das wird er die Tage schneiden und wir haben wieder ein kleines „Elisabeths Welt Video“. Außerdem drehen wir die Tage mit dem bayrischen Fernsehen „Heimatrauschen“, dann bin ich in verschiedenen Zeitungen mit meiner Gipfelküche und für meine Onkel drehen wir einen Film für Toyota. Also es wird nicht langweilig!! Immer easy mit der Lisi .-))))

Welchen Rat möchtest du anderen Bikerinnen zum Schluss noch mit auf den Weg geben?
Eine gute Brotzeit und ein feines Getränkal mitnehmen.

Und zum Abschluss: Wie gefällt dir GIRLSRIDETOO.DE?
Ganz ehrlich kannte ich es bis vor kurzem nur durchs Internet ganz oberflächlich und kann mir daher noch kein Urteil erlauben, das wird sich aber jetzt schleunigst ändern und dann lass ich es euch sofort wissen.

Liebe Elisabeth, dank Dir für das Interview (und den guten Kaffee ;))

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