Monatsfrau Februar: Anja Kneise

Foto: Robert Krügel

Offseason, Alternativsportarten, Rolle fahren? Der Winter ist für viele RadsportlerInnen eine Jahreszeit, die am liebsten ganz schnell vorbei gehen sollte. Nicht so für Fatbikerin Anja Kneise. Die junge Dresdnerin erklärt den Winter zur Bikesaison und erlebt bei Mehrtagestouren inklusive Biwak in der kalten Jahreszeit ganz besonders intensive Momente. So fuhr sie beispielsweise zwischen den Weihnachts- und Neujahrsfeiertagen über den legendären Rennsteig im Thüringer Wald und legte dabei 180 km und 2.800 Höhenmeter auf vielen Wurzeltrails zurück. Sie zeigt einmal mehr, wie facettenreich der Mountainbikesport ist.

Anja, wie bist du zum Mountainbiken gekommen und speziell zum Fatbike fahren?
Ich bin seit meiner Kindheit schon immer viel mit dem Rad unterwegs gewesen, zur Schule gefahren oder durch den Wald. Später erkundete ich mit dem Rennrad oder dem Crosser die Dresdner Umgebung. Direkt zum Mountainbiken, von Anfang an auf dem Fatbike, kam ich durch meinen Freund, der leidenschaftlicher Biker ist.

Was ist für dich das Schönste am Biken, das Besondere im Vergleich zu anderen Sportarten?
Biken ist einfach cool! Ich komme sehr flink von A nach B im Vergleich zum Wandern. Ich komme an Orte, an denen ich mit dem Rennrad nicht hinfahren könnte und sehe viel mehr von der Natur. Ich kann mich sportlich richtig fordern und auspowern. Und ich mag fahrtechnische Herausforderungen, von denen es für mich als Einsteigerin speziell im Mountainbikesport noch so einige gibt.

Was war dein schönstes Bikeerlebnis?
Meine erste Fahrt letztes Jahr auf dem Singletrek pod Smrkem. An diesem Tag erlebte ich einen Glücksmoment nach dem anderen. Und das obwohl es krass geregnet hat und man den Singletrail vor lauter Pfützen kaum gesehen hat. Trotzdem oder gerade deswegen war es mein bisher schönstes Erlebnis auf dem Bike.
Und dein Schlimmstes?
Ich bin noch nie schwer gestürzt oder so. Grundsätzlich hasse ich es, lange Berge hochzufahren. Kurze und steile Berge sind ok. Aber ein wirklich schlimmes Erlebnis auf dem Bike hatte ich bis jetzt zum Glück noch nicht.

Welches Bike fährst du – und in welchem Setup?
Ich fahre ein Custom-Bike, welches mir mein Freund aufgebaut hat. Es ist ein On-One-Fatty-Rahmen mit einer Specialized Fatboy Carbon Gabel. Durch die Surly Nate 4,0 Zoll breiten Reifen fahre ich eine 135 mm Nabe vorn und eine 170mm Nabe hinten.

Was sind deine drei Lieblingsprodukte rund ums Bike?
Am Anfang wollte ich nie eine haben, jetzt habe ich sie richtig zu schätzen gelernt – meine versenkbare Sattelstütze ist einfach klasse. Meine Shimano-Klickpedale möchte ich auch nicht missen. Und eine spezielle Frauenträgerhose von GORE, welche ich hinten mit Reißverschlüssen für die „Biopause“ öffnen kann 😉 trage ich auch sehr gern, weil sie einfach praktisch ist.

Während im Elbtal in Dresden noch milde Temperaturen herrschen, fährst du hinauf ins Erzgebirge, um im ersten Schnee biken zu gehen. Was macht für dich das Fatbiken im Winter so faszinierend?
Das Fahren im verschneiten Winterwald hat für mich einen gewissen Zauber. Ich mag das Geräusch der Reifen im Schnee. Sportlich und konditionell gesehen ist das Biken bei Kälte und im Schnee deutlich fordernder. Unter den Wanderern gibt es oft erstaunte Gesichter, und wir werden häufig angesprochen auf die dicken Reifen, den Reifendruck und dass wir überhaupt bei dem Wetter fahren. Für mich ist es einfach ein schönes Erlebnis.

Statt in die Ferne zu schweifen, macht ihr Mikroabenteuer vor der Haustüre – Wie seid ihr auf die Idee gekommen, eine Mehrtagestour über den Thüringer Rennsteig mit Biwak im Winter zu unternehmen?
Eigentlich wollten wir in Estland biken gehen. Aber da dort ebenso wenig Schneesicherheit herrschte, wie in Deutschland, nahmen wir uns einfach den Rennsteig zwischen Weihnachten und Silvester vor. Die Tour fuhren wir in drei Tagen.

(Fotos: Robert Krügel)

Wie war’s? Erzähl‘ mal?
Sehr cool! Wir sind überwiegend den original Rennsteig gefahren. Auf den Wurzelwegen und flussbettartigen Pfaden hatte ich eine Menge Spaß. Wir fuhren den ganzen Tag und da es ja im Dezember schnell dunkel wird auch noch ein Stück mit Licht. Am Rennsteig gibt es Schutzhütten, in denen wir unser Nachtlager aufschlugen. Durch das feuchte Wetter konnten wir aber kein Feuer machen. Also schmissen wir den Kocher an und Teelichter. Es ist ein schönes Gefühl, wenn man den ganzen Tag fahren war und so am Abend „herunterkommt“ und den Tag ausklingen lässt. Nachts war es mit um die Null Grad auch nicht sehr kalt.
Wir waren zeitig wach, genossen den Sonnenaufgang, die Stimmung und die Natur mit dem Morgentau ganz besonders.

Was hattet ihr alles an Ausrüstung dabei für die drei Tage?
Am Lenker befestigte ich meinen Daunenschlafsack. In meine neue Rahmentasche von Fellowbags, einem Dresdner Hersteller maßgeschneideter Radtaschen, packte ich alles, was ich tagsüber brauche und schnell Zugriff haben muss, wie Müsliriegel, Handy, Lampe. In einer weiteren Tasche auf dem Oberrohr und in der Satteltasche, meiner „Haifischflosse“ 😉 hatte ich einen Satz Wechselkleidung, Windjacke, Wanderhose, Multitool.
Das Gepäck saß jedenfalls bombenfest am Rad ohne zu klappern und die Trails machten damit richtig Spaß.

Und wie habt ihr euch verpflegt?
Essen haben wir selbst mitgenommen und Abends immer gekocht. Mittags kehrten wir in Gaststätten ein. Dort füllten wir auch unsere Trinkflaschen auf. Ich hatte eine Trinkblase und eine Einliter-Radflasche mit.

Viele Frauen kennen das Problem kalter Füße beim Winterbiken. Hast du Tipps gegen kalte Füße?
Ich habe leider auch kalte Füße und dicke Socken oder so helfen da nicht. Bei richtig Schnee fahre ich mit Flatpedals. Laufen hilft gegen kalte Füße. So schiebe ich auch ‚mal am steilen Berg.

(Fotos: Robert Krügel)

Habt ihr weitere Mehrtagestouren mit den Fatbikes unter winterlichen Bedingungen geplant, und wohin?
Wenn der Winter denn nochmal wiederkommt wollen wir gern an die Fláje-Talsperre ins Osterzgebirge. Auf jeden Fall ins Böhmische, weil es da so schön ist – einsam und wilde Natur.
Die Durchquerung der Hardangervidda in Norwegen im Winter wäre ein großes Ziel für uns.

Bevor du Fatbike gefahren bist, hast du Erfahrung auf den ganz schmalen Reifen gesammelt und bist Rennrad und Crosser gefahren. Beschreib‘ uns doch mal das Fahrgefühl des Fatties auf verschiedenen Untergründen.
Das Fatbike gibt mir ein Gefühl von extremer Sicherheit. Und es verzeiht viel. Während ich auf dem Crossrad im Sand das Gefühl des Wegschmierens habe, fährt sich das Fatbike ganz entspannt im Sand. Sind die Reifen auf 1 bis 1,2 Bar aufgepumpt, rollt es sich erstaunlich gut auf Asphalt – entgegen aller Kritiker! Im Schnee, es ist ja für den Winter gemacht, fahren wir mit ungefähr 0,2 Bar im Reifen. Wurzeln fahren sich sicherer, aber auch mit den breiten Reifen muss ich sie natürlich möglichst im rechten Winkel überfahren.

Fatbikes haben aufgrund der breiten Reifen ja deutlich breitere Tretlager und damit auch einen weiten Kurbelabstand (Stichwort: Q-Faktor). Wie fährt sich das als Frau? Fühlt sich das an wie ein Cowboy – äh girl ;-)?
Überhaupt nicht! Ich fühle mich extrem sportlich auf dem Fahrrad. Es ist ja auch als Mountainbike aufgebaut und nicht als Reiserad. Es fährt sich ähnlich sportlich wie ein Crosser. Für mich war es nur eine Umstellung auf den breiten 710 mm Lenker.

Du kommst aus der sächsischen Landeshauptstadt Dresden, die für ihre sehr bunte abwechslungsreiche Radszene bekannt ist. Siehst du öfters Fatbikes? Gibt es eine Fatbikeszene?
Im Freundeskreis fahren einige Fatbike. Bei den Dresdner Rennen, wie dem Cyclocrosscup oder dem Glühweinrennen sind verhältnismäßig viele mit Fatbike dabei. Aber in der Stadt und im Wald habe ich erst einmal ein Fatbike gesehen.

Kennst du andere Fatbikende Mädels?
Nee, bisher leider nicht.

Nenne uns drei gute Gründe, den Winter zur Bikesaison zu machen und nicht das Bike im Keller einzumotten!
Das schöne Gefühl durch frisch gefallenen Schnee zu fahren.
Schnee als neues Element, als ungewöhnlichen Untergrund und auch Übungselement kennenzulernen, und sich darauf fahrtechnisch und von der Bikebeherrschnung zu verbessern.
Etwas ganz Besonderes zu machen. Wie z.B. Biken und draußen Schlafen im Winter kostet vielleicht erst einmal Überwindung, aber gehört zu den ganz besonders intensiven Erlebnissen.

Welchen Rat möchtest du anderen Bikerinnen mit auf den Weg geben?
Wichtig ist, einfach am Biken Spaß zu haben. Immer rauszugehen, egal wie das Wetter ist. Auch bei Matsch und Regen kann Biken nämlich richtig Spaß machen – finde ich. Sich fahrtechnisch auszutesten und zu üben, finde ich auch ganz wichtig.

Und wie immer zum Schluss die Frage: Wie gefällt dir der Blog GIRLSIRDETOO.DE? Ganz ehrlich, gerne auch konstruktive Kritik? 😉
Ich bin ehrlich, ich kannte die Seite vorher noch nicht. Ich finde es aber sehr cool, dass es über den Mountainbikesport für Frauen eine richtige Seite gibt. So kann sich vor allem auch die MTB-Einsteigerin sehr gut orientieren.
Also, ich finde den neuen Blog freundlicher als die alte Seite. Die schwarze dünne Schrift kann man aber schlecht lesen.
Der Staub der so über die Seite greift ist sehr verpixelt, das finde ich nicht so schön.
Die wechselnden Bilder oben sind ziemlich schick. Was ich auch ziemlich cool finde, sind die drei Schlagwörter rechts: Anstehende Termine, Kategorien und Tags. Das Wichtigste und was einen interessiert, findet man schnell und oben in der Leiste stehen dann die Standardinformationen. Das find‘ ich gut geordnet und ist ’ne gute Lösung. 🙂

Danke Anja, dass du dir Zeit für das Interview genommen hast.

Steckbrief Anja Kneise

  • Alter: 28 Jahre
  • Wohnort: Dresden
  • Hobbies: Wandern, draussen sein, Radfahren, Kuchen essen und Zeit mit Freunden verbringen
  • Beruf: Handwerksberuf – Schilder- und Licht-Reklame-Herstellerin

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