Monatsfrau Februar: Alexandra Werkmeister

Das Leben komplett umkrempeln und an einem anderen Ort nochmal ganz neu anfangen – wer von uns träumt nicht (zumindest manchmal) davon? Alexandra Werkmeister hat genau das getan und sich mit dem Umzug von Hamburg in den Harz und der Eröffnung eines mit viel Herz und Liebe zum Detail geführten Mountainbiker-Bed & Breakfast dort einen Traum erfüllt, der nicht nur sie, sondern auch ihre Gäste glücklich macht.

Wie bist du zum Mountainbiken gekommen?
Seit meiner Kindheit spielt Fahrradfahren für mich eine wichtige Rolle. Ob als reines Fortbewegungsmittel oder zum sportlichen Ausgleich in der Freizeit, egal wie: draußen sein auf zwei Rädern hat mir einfach schon immer Spaß gemacht. Zum wirklichen Mountainbiken bin ich letztendlich durch meinen Mann gekommen. Der Klassiker: Er fährt schon seit seiner Jugend und hat mich dann hin und wieder mit auf Tour genommen. So hat alles begonnen. Heute fahre ich mit Vorliebe abfahrtsorientiert in Bikeparks.

Was ist für dich das Schönste am Biken, das Besondere im Vergleich zu anderen Sportarten?
Biken ist für mich die perfekte Kombination aus allem: Draußen sein und die Natur erleben, sportliche Herausforderung und Entspannung, ganzheitliches Training (sowohl für Körper als auch mental). Als Sportart ist es zudem durch die unterschiedlichen Disziplinen so unglaublich abwechslungsreich, sodass für jede Laune oder Gegebenheit immer etwas dabei ist.

Was war dein schönstes Bike-Erlebnis? Und dein schlimmstes?
Da ich in letzter Zeit eher viel in Bikeparks fahre, ist natürlich jedes neue Hindernis, das ich mir erarbeite und jede neue Linie, die sich noch geschmeidiger fahren lässt, ein tolles Erfolgserlebnis für mich. Doch das gravierendste Erlebnis hatte ich im Nachgang eines weniger erbaulichen Bikeurlaubs. Das war noch ziemlich am Anfang, vielleicht ein Jahr, nachdem ich mit dem Mountainbiken begonnen hatte. Wir sind mit den Rädern nach Andalusien, in die Sierra Nevada, und haben dort einen Urlaub mit Guide gebucht. Das Ganze ist für mich leider etwas nach hinten losgegangen, da ich mit meiner damaligen Fahrtechnik dort recht schnell an mein Limit kam. Große Unsicherheit und (zum Glück nur harmlose) Stürze waren die Konsequenz. Doch psychisch hat mich das richtig fertig gemacht, sodass ich am Ende das Gefühl hatte, dass ich nur mein Rad anschauen muss und schon wieder liege. Selbstbewusstsein gleich Null! Und was nun?
Zum Glück hatte ich noch nicht grundsätzlich die Lust am Biken verloren und den Willen, das wieder in den Griff zu bekommen. So fing ich noch vor Ort und mit der großartigen Unterstützung meines Mannes langsam wieder an, mir die Grundlagen neu zu erarbeiten. Er war auch derjenige, der erkannte, dass es mit unseren kleinen Übungssessions alleine nicht getan war, denn die Grundunsicherheit blieb. Es musste also eine andere Lösung her: Ein Bikekurs für Fahrtechnikgrundlagen. Im Nachhinein muss ich sagen, dass das die beste Entscheidung überhaupt war. Es ist mir – dank des kompetenten Trainers – gelungen, die Sicherheit auf dem Bike zurückzugewinnen und mir darüber hinaus die technischen Skills anzueignen, die mich dahin gebracht haben, wo ich heute bin: angstfrei zu fahren und fähig, mir Hindernisse selbstständig zu erarbeiten und mich so ständig weiterzuentwickeln. Ich habe im Anschluss noch weitere Aufbaukurse besucht und muss zusammenfassend sagen, dass ich mir Mountainbiken in technisch anspruchsvollem Gelände (sei es auf den Trails im Harz oder im Bikepark) ohne ein Training nicht mehr vorstellen kann.
Wenn ich heute zurückschaue, finde ich es immer noch faszinierend, wie dieses wirklich nicht schöne Erlebnis in Andalusien den Grundstein für all die schönen Momente gelegt hat, die ich jetzt ständig auf dem Bike erleben darf.

Welches Bike fährst du (am liebsten) – in welchem Setup?
Ich habe ein 2013er Kona Process und ein Operator. Das Process fahre ich grundsätzlich schon am liebsten, da es ein super Allrounder ist. Gleich am Anfang habe ich die Bremsen und die Sattelstütze zugunsten einer Kindshock Lev und den unschlagbaren Hope Tech 3 E4 getauscht. Nach den steilen Abfahrten in Andalusien war mir Sicherheit bergab wichtig und vor allem die gut zu dosierenden und zuverlässigen Hopes helfen da sehr.
Das Process ist agil und gibt mir dennoch immer ein sicheres Gefühl beim Fahren. Doch auch mein Downhiller, das Operator, hat natürlich seine Vorzüge. Gerade wenn ich mir Sprünge erarbeite, oder im steileren, ruppigen Gelände unterwegs bin, freue ich mich doch sehr über das Plus an Federweg und die Robustheit des Bikes. Für jede Gelegenheit gibt es eben das passende Bike  Momentan spiele ich mit dem Gedanken, mir demnächst wieder ein weniger gewichtiges Bike für Touren zuzulegen, sodass sich auch die Uphills etwas angenehmer fahren lassen (mein Process ist eh schon recht schwer und mit den Maxxis High Roller auch eher für ruppige Abfahrten optimiert). Mir ist wichtig, dass ich auf meinem Bike Spaß haben kann und dazu gehört, dass es für die jeweiligen Anforderungen komfortabel ausgestattet ist und ich mich damit sicher fühlen kann.

Was sind deine 3 Lieblingsprodukte rund ums Biken?
An erster Stelle stehen meine Freerider Elements-Schuhe von FiveTen. Man mag es kaum glauben, wie viel Mehrwert die FiveTen beim Fahren bringt. Die Haftfähigkeit der Sohle verhindert lästiges Abrutschen, das Obermaterial lässt so gut wie keine Feuchtigkeit durch – was bei dem feuchten Wetter im Frühjahr und Herbst im Harz ein entscheidendes Kriterium ist – und der Tragekomfort ist einfach spitze.

An zweiter Stelle kommt meine Federgabel, die 2013er Lyrik von RockShox (Stahlfeder). Das Fahrverhalten dieser (Oldschool-)Gabel hat mich einfach nachhaltig beeindruckt und begeistert mich weiterhin jedes Mal, wenn ich mit meinem Process unterwegs bin. Butterweich, kein unangenehmes Stocken, kein Aufschaukeln, einfach das perfekte Reaktionsverhalten für meinen Anwendungsbereich.

An dritter Stelle steht bei mir ein weniger fahrerisch essentielles Produkt, es ist eher ein Wohlfühlding: Ich bin großer Fan von den Bike-Klamotten von Maloja. Es macht mir jedes Mal große Freude in die schönen Trikots zu schlüpfen. Tolle Qualität, schickes Design und eine vernünftige Passform – endlich mal ein Hersteller, der versteht, dass Frauenklamotten sich nicht dadurch definieren, dass sie pink sind.

[Fotos: Privat]

Du und dein Mann haben ein Mountabiker-Bed & Breakfast gegründet, das du selbst ein „Projekt“ nennst. Erzähl uns mehr darüber …
Die Idee zu unserem Harz-BnB entstand Anfang 2016 bei einem Familienbesuch in Indien. Dort hatten wir sehr viel Zeit nachzudenken. In Hamburg haben wir für uns länger schon keine dauerhafte Perspektive mehr gesehen, daher zog es uns dorthin, wo wir eh schon jede freie Minute verbracht hatten: in den Harz. Die Idee, ein Bed & Breakfast zu eröffnen, kam im Nachgang, ich wollte mich sowieso beruflich umorientieren. Was liegt näher, als den Traum vom eigenen „Frühstückscafé“ mit dem eigenen Hobby zu verbinden und ein B&B für Mountainbiker zu eröffnen? Das passte am besten zu uns.

Welche Hürden musstet ihr meistern, bis euer BnB fertig war? Was war am schwierigsten? Was vielleicht leicht als gedacht?
Bis wir im Dezember 2016 die ersten Gäste empfangen konnten, war es schon ein ganz schöner Marathon, den wir hingelegt haben: Finanzierung, Kauf, Renovierung, Umgestaltung, und das alles innerhalb von wenigen Monaten.
Nachdem wir quasi durch Zufall das Haus gefunden hatten (wir waren früher selbst als Gäste hier), musste natürlich zuerst die Finanzierung an den Start gebracht werden. Zugegeben etwas blauäugig haben wir geglaubt, dass das überhaupt kein Problem sei, da Immobilienkredite derzeit nicht so schwer zu bekommen sind. Außerhalb von Metropolregionen wie Hamburg ist das allerdings eine vollkommen andere Sache.
Es musste also erstmal ein Geschäftsplan her, den wir neben unseren beiden regulären Jobs im Akkord runtergeschrieben haben. Am Ende stand das 70 Seiten starke Werk, mit dem wir uns bei drei regionalen Banken vorstellen durften. Trotz der kritischen Haltung unserer Gesprächspartner gegenüber einer Neueröffnung einer Pension im Harz bekamen wir dann dank unseres überzeugenden Konzepts die Zusage von 2 Banken.

Super schön ist auch zu sehen, dass unsere Ideen nicht nur auf dem Papier bei der Bank überzeugen konnten, sondern jetzt auch beim laufenden Betrieb. Das Feedback, das wir von unseren Gästen bekommen, ist einfach großartig und bestätigt uns jeden Tag aufs Neue, dass wir absolut die richtige Entscheidung getroffen haben, hierherzukommen und unser Leben etwas umzukrempeln.

Musstet ihr für das B&B extra umbauen oder war die gesamte Infrastruktur schon da?
Mit unserem Haus hatten wir sehr viel Glück. Die passende Infrastruktur war schon komplett gegeben, denn auch die Vorbesitzerin hatte das Haus als Pensionsbetrieb geführt. Sie war sogar so weitsichtig gewesen, dass sie bereits beim Bau des Hauses viele nützliche Details bedacht hatte, die für extra Komfort sorgen.

[Fotos: Harz BnB Werkmeister]

Muss man bestimmte rechtliche Vorgaben einhalten (z.B. Sicherheit, Hygiene, etc.) oder kann jeder einfach so einen Übernachtungsbetrieb eröffnen?
Die Vorgaben sind recht überschaubar. Klar sind versicherungstechnische und Brandschutzrichtlinien im Haus zu berücksichtigen und da man mit Lebensmitteln zu tun hat, muss man im Vorfeld zu einer Hygiene-Schulung, der „Belehrung im Sinne des Infektionsschutzgesetzes“. Aber das ist auch schon alles, was man braucht, um starten zu können.

Arbeitet ihr beide, dein Mann und du, Vollzeit und als Haupterwerb in eurem BnB?
Da mein Mann in seinem Job sehr flexibel ist und von überall aus arbeiten kann, stellte sich nur bei mir die Frage, wie sich das Berufliche mit dem Wohnen im Harz vereinbaren lässt. Das Harz-BnB ist also mein Baby. 🙂

Hattet ihr vor der Eröffnung bereits Hotellerie-Erfahrungen?
Wir beide kommen aus dem Medienbereich, sind Ingenieure für Medientechnik – also nein, überhaupt nicht. Wir sind viel gereist, gehen gerne gut essen und haben uns immer schon für Gastronomie im weitesten Sinn interessiert. Im Vorfeld habe ich noch einige Praktika in Hotels und der Gastronomie gemacht.

Wie viele Zimmer habt ihr? Wie viele Gäste könnt ihr aufnehmen?
Es gibt bei uns 7 Zimmer, in denen wir regulär 14 Gäste unterbringen können. Davon sind 5 schöne, geräumige Doppelzimmer und 2 Zimmer, die wir aufgrund ihrer Größe als Familien- und Gruppenzimmer anbieten. Alle Zimmer haben einen Balkon oder eine Terrasse, das ist toll, denn der Ausblick ist eines unserer Highlights.

Und wie sieht es bei euch aus? Beschreib uns doch euer Haus mal …
Unser Haus befindet sich in der Bergstadt und dem Luftkurort St. Andreasberg, in Hanglage am Waldrand mit Blick auf den Matthias-Schmidt-Berg, auf dem sich der Bikepark MSB-X-Trail befindet. Das Haus erstreckt sich über drei Etagen, die jeweils nach einem regionalen Leitmotiv gestaltet sind: Das Gipfelzimmer, die Waldetage und die Bergwerksetage. In der mittleren Etage ist auch unser großer Frühstücks- und Aufenthaltsraum, dort trifft man sich, abends kann auf dem Balkon gemeinsam gegrillt werden.

[Fotos: Harz BnB Werkmeister, Juliane Rudolph]

Ihr wohnt ja im selben Haus wie eure Gäste. Wie ist das, immer „Fremde“ so nah um sich herum und im eigenen Privatbereich zu haben?
Dass man im selben Haus wohnt wie die Gäste, ist für uns gar kein Problem. Im Endeffekt unterscheidet sich das ja auch nicht vom Wohnen in einer Wohnung oder einem Mehrfamilienhaus. Mit dem Unterschied, dass unsere Gäste unsere Begeisterung für die Natur und das Biken teilen, was wirklich toll ist. Man muss natürlich schauen, dass man nicht 24/7 verfügbar sein muss, man braucht ja auch seinen eigenen Freiraum. Aber mit etwas Organisation und guter ARbsprache mit den Gästen lässt sich das gut in den Griff kriegen. Das Schöne ist, dass sich unsere Gäste bei uns wohlfühlen und die Stimmung immer entspannt ist, das gibt einem positive Energie. Bei uns ist es unkompliziert und familiär, man kann sich wie zu Hause fühlen. Manchmal bietet es sich dann an, dass man vielleicht abends noch gemeinsam grillt oder ein Bierchen trinkt und an anderen Tagen ist man lieber für sich. Das ergibt sich einfach.

Ihr habt gerade euer erstes Kind bekommen. Wollt ihr daran nun etwas verändern?
Nein, da wollen wir nichts ändern. Wir haben auch häufig Familien mit kleineren Kindern bei uns, da kann unsere Kleine dann bald mitspielen. 🙂

Ihr habt euch auf Mountainbiker spezialisiert: Warum das? War das von Anfang an klar oder hat sich das erst so entwickelt?
Die Spezialisierung auf Mountainbiker war von Anfang an klar. Denn es ist das Mountainbiken, das uns hier hin gebracht hat, das uns antreibt und ein riesiges Plus an Lebensqualität bringt. Letztendlich ist es natürlich auch der Bereich, in dem wir uns auskennen, den wir authentisch repräsentieren. Ein ganz wichtiger Punkt, wie ich finde.

Bietet ihr spezielle Services für eure bikenden Gäste an? Falls ja, welche?
Für unsere bikenden Gäste bieten wir bislang eine sichere Unterstellmöglichkeit für die Bikes, einen Bikewash am Haus, eine Werkstatt und bei Fragen zu Touren oder Bikeparks stehen wir mit Rat und Tat zur Seite. Wir haben aber noch einiges mehr geplant, das wir Stück für Stück umsetzen. Es wird z.B. noch eine Umkleideschleuse/einen Trockenraum und diverse kleine Annehmlichkeiten, die das Bikerleben leichter machen, geben.

Geht ihr selbst mit euren Gästen auch mal auf Tour?
Wenn es sich ergibt und die Chemie stimmt, dann machen wir das. Aber wir bieten selbst offiziell keine geführten Touren an. Dafür verweisen wir lieber auf unsere Partner, wie Trailtech, die das mit ihren ausgebildeten Guides viel besser machen können als wir.

Gibt es noch (viele) andere „Bike-Hotels“ in der Umgebung – oder ist euer Haus schon etwas Besonderes?
Bei uns in der Gegend gibt es mittlerweile auch andere Übernachtungsbetriebe, die Biker ansprechen, aber so, wie wir das machen, ist das schon besonders.

[Fotos: Harz BnB Werkmeister]

Wie finden euch interessierte Besucher?
Die wichtigste Kommunikationsplattform für uns sind die sozialen Netzwerke und da im Speziellen Facebook. Wir sind natürlich auch auf den gängigen Buchungsportalen vertreten, aber über Facebook bekommen wir tatsächlich auch die meisten Anfragen und Buchungen.

Wer und wie sind eure Gäste?
Der überwiegende Teil unserer Gäste sind Mountainbiker, da geht unser Konzept also schon auf. Doch zum Glück fühlen sich bei uns auch nicht bikende Gäste sehr wohl. Wir haben viele Familien da, Wanderer und Pärchen, die einfach nur zum Relaxen herkommen.

Habt ihr auch schon mal schlechte Erfahrungen mit Gästen gemacht?
Wir haben bislang nur nette Gäste gehabt, mit denen wir uns gut verstehen. Wir haben in den letzten Monaten unglaublich viele tolle Menschen kennenlernen dürfen!

Wie groß und wichtig als „Tourismus-Faktor“ ist der Bikesport im Harz?
Den Harz könnte man als Bike-Eldorado des Nordens bezeichnen. Sein Einzugsgebiet ist der gesamte norddeutsche Raum – aus Berlin, Hamburg und Bremen ist man in 2-3 Stunden da und hat beste Bedingungen, um sowohl auf Touren als auch in einem der fünf Bikeparks voll auf seine Kosten zu kommen.
Früher war der Harz vor allem eine Winterdestination, aber das verändert sich gerade sehr stark. Die Region hat den Bikesport (Mountainbiken, Rennrad, Touren) als Tourismusfaktor erkannt, d.h. die Angebote für Biker werden vielfältiger und es wird verstärkt auf die Qualität geachtet. Eine Entwicklung, die wir natürlich sehr gut finden.

Engagiert ihr euch auch in irgendeiner Form für die Entwicklung des Bikesports in eurer Region?
Na klar! In Ergänzung zu unserem B&B organisieren wir mit unserem Partner Trailtech kleinere Bike-Events wie z.B. das Ladiescamp und das Trailcamp. Mit unseren Social-Media-Aktivitäten wollen wir unsere Community über Events und Biken in der Region auf dem Laufenden halten. Darüber hinaus sind wir stetig dabei, unsere Vernetzung mit anderen Akteuren, die mit Biken, Outdoor und Tourismus zu tun haben, auszubauen und gemeinsam den Harz nach vorne zu bringen.

Mach mal ein bisserl Werbung für den Harz als Bikerevier: Wer sollte dort warum unbedingt mal zum Biken hinkommen? Wie sieht es dort aus – die Landschaft, die Wege – die Akzeptanz von Bikern – das Wetter … etc 😉
Wer noch nicht im Harz war, der sollte das unbedingt nachholen. Der Harz ist ein unglaublich abwechslungsreiches Mittelgebirge, sowohl in Bezug auf die Landschaft als auch die Trails. Mystischer Wald, Klippen und schroffe Felsformationen, wunderschöne Abfahrten durch märchenhafte Wälder, entspannte Trails entlang an lieblichen Bergwiesen. Unzählige Seen, Bäche und Flussläufe, sowie die harztypischen Wurzelteppiche und technisch anspruchsvolle Singletrails. Und als wäre das nicht schon genug: Wir haben ganze 5 Bikeparks mit unterschiedlichen Profilen und Ausrichtungen, das ist der Wahnsinn. Mountainbiker sind im Harz sehr gut akzeptiert, es herrscht entspannte Stimmung zwischen allen „Nutzern“ des Waldes. Wie gesagt: DAS Mountainbike-Paradies des Nordens.

[Foto: privat]

Habt ihr rund ums Jahr geöffnet oder schließt ihr auch mal eure Pforten?
Das Harz-BnB Werkmeister ist ganzjährig geöffnet. In den Übergangszeiten (November/März), wenn das Wetter typischerweise schlecht ist, ist’s hier in der Gegend generell sehr ruhig, da können wir dann Urlaub machen, aber ansonsten kann man das ganze Jahr zu uns kommen. Letztes Silvester hatten wir auch noch Biker da, die den MSB-X-Trail, unseren Hauspark gegenüber, unsicher gemacht haben und andere, die bis zum ersten Schnee noch auf Tour waren.

Wie ist das: Ist so ein BnB ein „Dauerprojekt“, an dem es immer etwa auszubessern und zu verbessern gibt oder seid ihr schon soweit angekommen, dass alles so ist, wie ihr es euch erträumt habt?
Wie jedes Haus ist auch unser B&B ein Dauerprojekt. Klar haben wir ein Bild im Kopf, wie alles am Ende aussehen soll, aber es kommen auch immer wieder neue Ideen dazu. Wir wollen alles so machen, wie wir es uns als Gäste immer erträumt haben. Wir mussten aber im Verlauf des Projekts auch lernen, dass es viele Definitionen von „fertig“ gibt. Und ich bin mir auch sicher, dass wir nie ganz fertig werden. Aber das ist auch gut so, denn Entwicklung und Weiterentwicklung ist wichtig und nicht nur die Gäste nehmen es positiv wahr, sondern auch wir freuen uns um jede Neuerung und Verschönerung, die wir umsetzen konnten. Man darf bei uns also gespannt bleiben!

Welchen Rat möchtest du anderen Bikerinnen zum Schluß noch mit auf den Weg geben?
Mir ist es grundsätzlich schon ein großes Anliegen, mehr Frauen an den Bikesport heranzuführen und sie zu selbstbewussten Fahrerinnen zu machen. Das versuche ich auch in unserem B&B umzusetzen. Wir sind z.B. gerade dabei, mit unserem Partner, der Bikeschule Trailtech, ein erstes Ladiescamp hier im Harz zu organisieren. Das Thema wollen wir im Anschluss auch noch weiter ausbauen.
Gerade durch die Erfahrungen, die ich selber gemacht habe, weiß ich, dass es nicht nur grundsätzlich unterschiedliche Herangehensweisen von Mann und Frau an den Sport gibt, sondern dass auch die unterschiedlichen physischen Voraussetzungen eine große Rolle bei dem Ganzen spielen. Das ist eine Erkenntnis, die bei mir lange gebraucht hat, bis ich sie wirklich realisiert habe. Vielleicht kennt ihr das auch: fahrtechnisch seid ihr ganz fit, doch wenn ihr mit Männern auf gleichem Niveau fahrt, passt bei ihnen immer noch eine Schippe mehr drauf. Der Aha-Effekt setzte bei mir erst ein, als ich mit dediziertem Krafttraining anfing. Plötzlich war es mir möglich, in kritischen Situationen, in denen ich mich sonst ganz sicher gemault hätte, mich abzufangen und nach einigem Schlenkern weiterzufahren. Welche große Rolle die Muskelkraft bei der ganzen Sache spielt, war für mich eine sehr wertvolle Erkenntnis. Gleichzeitig ist es aber auch noch ein Punkt, der meiner Meinung nach allgemein noch zu wenig in den Köpfen ist.

Z.B. beobachte ich sehr häufig, dass es bei bikenden Pärchen oft zu Reibereien aufgrund der unterschiedlichen Leistungsniveaus kommt. Die klassische Situation in Kürze: Sie fühlt sich unsicher und er meint nur, sie solle sich nicht so anstellen! Sie weiß nicht so genau, woran es liegt und er versteht nicht, wo auf einmal das Problem liegt. Die Situation wird angespannt und der Spaß ist dahin. Persönlich finde ich das sehr schade, denn gemeinsam die Begeisterung für dasselbe Hobby zu teilen, ist doch so großartig.
Ich möchte mich daher dafür engagieren, dass mehr Bewusstsein dafür entsteht, wie wichtig eine fundierte fahrtechnische Ausbildung auf der einen Seite und gezieltes körperliches Training auf der anderen ist. Gerade um die Motivation für letzteres aufrecht zu erhalten, hilft mir immer folgendes Bild: Stell dir vor, dass dein Muskelapparat die Ritterrüstung ist, die dich bei einem Sturz vor schweren Verletzungen schützt und beim Fahren die Stabilität gibt, die dir Sicherheit gibt.

Daher mein Rat: Wenn ihr euch unsicher fühlt, kümmert euch um professionelle Anleitung durch gut ausgebildete Trainer und freundet euch mit Kraftsport (besonders für die Schulterpartie) an!

Und – wie immer – ganz zum Sclhuss noch: Wie gefällt dir GIRLSRIDETOO.DE (ganz ehrlich, gerne auch konstruktive Kritik ;-))?
GIRLSRIDETOO.DE finde ich eine prima Initiative, allerdings als Plattform für Bikerinnen noch etwas ausbaufähig. Ich muss gestehen, dass ich im Zuge dieses Interviews seit längerem mal wieder auf der Seite war und sehr positiv von dem neuen Erscheinungsbild angetan bin.
Mit einer der Gründe für meine seltenen Besuch auf der Seite ist die regionale Ausrichtung auf den eher südlichen Raum, was für mich als Harzer „Nordlicht“ dann doch oft weniger relevant ist. Da ihr explizit nach Anregungen fragt: Was ich vermisse, ist ein Forum, in dem freier Austausch zu diversen Themen stattfinden kann und in dem man Biketeile / Zubehör / Klamotten /etc. kaufen und verkaufen kann. So eine Plattform mit Fokus auf die Bedürfnisse von Bikerinnen wäre m.M. nach nicht schlecht.

Und hier noch der Link zu Alex Bead&Breakfast: http://harzbnb.de/

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