Hitze, Staub und viele Kilometer

11. Juli 2015 | Conny | Rennfieber | Rennberichte,

sportograf-65945027_lowresKurze Vorgeschichte… es ist Samstag, eine Woche vor dem Albstadt Marathon und ich fahre mit drei Kumpels den Gonsotrail in Albstadt ab, weil einer der drei die Woche darauf eine Alpenüberquerung macht und nochmal vorher fahren will. Auf dem Rundtrail sehen wir immer wieder Rennschilder und ich sag noch lachend „bin ich froh, dass ich mir das nicht geb“.

Als wir kurz vor dem Ende einkehren treffe ich eine Bekannte und die fragt, ob ich nächste Woche mitfahre und ich so: „Neeee ich hab keinen Startplatz“. Da sagt sie „Ach kein Problem, den kann ich dir besorgen.“ „Ööööhhhh ja mhh ok ich meld mich bei dir.“ Mittwochabends fragt sie nochmal nach, da ich mich natürlich nicht gemeldet habe und der Ritchie (einer der Kumpels) meldet sich ebenfalls und meint, „Du, der Hansi ist krank und kann nicht fahren, kannst seinen Startplatz übernehmen?“!
Kurzum, spontan wie ich bin wird Donnerstagabend umgemeldet und ich starte tatsächlich und habe ehrlich gesagt mehr Muffe als je zuvor, da ich weder jemanden habe der mich verpflegt, noch habe ich jemals eine Renndistanz mit dem MTB in dieser Länge bestritten. Aber gut, man wächst an seinen Herausforderungen.

Samstag Früh fahre ich extra zeitig los, damit ich das Ummelden mit meinen Startunterlagen geregelt bekomme. Dort überreicht man mir meine Unterlagen und meint es hätte alles geklappt, lediglich die Startnummer, da steht eben Hansi drauf – hihi 😉
Da ich dieses Mal genügend Zeit habe schlendere ich zum Auto, ziehe mich um, baue mein Rad zusammen und schaue was und wie viel die Leute um mich rum so an Verpflegung mitnehmen. Schließlich hab ich keine Ahnung wie viel ich da brauch oder auch nicht. Ist ja schließlich alles Gewicht. Der links neben mir stopft sich ohne Witz 8 Riegel in sein Satteltäschchen. Ich entscheide mich für zwei Riegel und ein Gel, bin ja nicht so der große Esser.
Richtung Start rollend schaue ich nach den Blockaufstellungen und den Startnummern. So viele Menschen habe ich selten auf einem Haufen gesehen und es wird mir etwas mulmig zumute. Dank den Tipps von Jule weiß ich, dass erst ab der zweiten Hälfte die schlimme Strecke beginnt und auf die letzten 30 km der insgesamt 86 km und 2000 Höhenmeter der harte Teil kommt und ich meine Kraft gut einteilen muss. Bei der Suche nach dem richtigen Block fährt mir die Bekannte über den Weg und nach kurzer Unterhaltung meint sie, dass sie mir eine Verpflegungsflasche vorbereitet hat und einem Ihrer Verpflegungsmänner mitgibt. Vielen Dank Iris, du bist klasse! Hier und da noch bekannte Gesichter getroffen und dann geht es in die Startaufstellung im Block E (5) von insgesamt sieben Blöcken.

Der Startschuss fällt und es geht direkt den ersten Berg hinauf. In einem weiteren welligen auf und ab auf den ersten Kilometern rollt mein Rad und meine Beine fühlen sich super an. In zügigem Tempo passiere ich freundlich grüßend oder andere mich und irgendwann finde ich eine gute Männergruppe mit der ich mitfahren kann. Das Gelände wechselt laufend von Wiesen über feinem zu grobem Schotter und Waldwegen. Die Anstiege sind teilweise sehr bissig und auf losen Steinen und werden immer länger und schwieriger und die herab brennende Sonne macht es noch zusätzlich staubig und heiß. Die Abfahrten sind leider meist auf Schotter und für manche eine echte Herausforderung. Natürlich habe ich mal wieder einen nicht so versierten Mitstreiter vor mir, der sein Rad unerklärlicherweise komplett quer den Hang hinunter treibt. Da gibt’s nur eins, überholen und Finger von der Bremse.

(Fotos: Sportograf.com)

Irgendwann rollt einer neben mir auf und ich starre ihn mit weit aufgerissenen Augen an. Völlig blutiges Kinn und blutiger Arm, das Trikot hängt in Fetzen an ihm und von der Hose hängt auch ein Teil weg  8-( ich frag ihn ob es ihm gut geht. Er meint nur, ja passt, aber viel schlimmer ist er hat seinen Tacho verloren, ob ich ihm sagen könnte bei wie viel Kilometern wir gerade sind. Klar mache ich das und er bleibt auch in meiner Nähe und fragt mich alle 10 Kilometer von neuem.  An einem der krassen Anstiege schreit dann tatsächlich ein Zuschauer lachend „auf Hansi, gib alles“ J als ich an den schiebenden Männern vorbei fahre. Ich lache laut raus und freue mich.
An der letzten Verpflegung, die ich leider auch auslasse, wickelt sich eine Folie um mein vorderes Kettenblatt und verklemmt sich zwischen diesem und dem Ritzel. Mit Zerren und Ziehen verrinnt leider viel Zeit bis das Kettenblatt befreit ist und ich weiterfahren kann. Versuche die verlorene Zeit wieder rein zu kurbeln und verbrauche meinen letzten Tropfen Wasser.

Die letzten zehn Kilometer ohne Wasser sind richtig zäh und ich sehne das Ziel herbei. Viele Männer schieben oder stehen mit Krämpfen in den Beinen am Rand, manche schreien auch vor Schmerzen. Gleichmäßig fahrend und konzentriert kämpfe ich mich jeden Anstieg und jede Rampe hinauf. An den schlimmsten Stellen wurde man mental von den Zuschauern nochmal angefeuert und motiviert. Von den am Ende erhofften sechs Kilometern Abfahrt, laut Höhenprofil bis zum Ziel, blieb tatsächlich leider nur ein einziger Kilometer übrig.

Im Ziel war ich fertig, staubig, sah aus wie ein Waschbär im Gesicht und war einfach nur glücklich, stolz und begeistert solch eine Distanz komplett fahrend geschafft zu haben.
Mit dem 9. Platz in meiner Altersklasse, 33. Platz Gesamt Frauen von 135 einschließlich Sabine Spitz und Co bin ich überglücklich und überhaupt freue ich mich, dass auch mein Knie die Strapazen ohne Probleme mitgemacht hat.

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