Für Claudi geht´s BERGAUF!

17. Juni 2015 | Claudi | Rennfieber |

StreckenprofilGanz artfremd schnupperte ich zum ersten Mal wieder Rennluft. Es sollte bergauf gehen. Ja, ganz richtig, nur BERGAUF.

Die Idee dazu wurde in geselliger Runde mit Freunden geboren. Sie erzählten von Bergaufrennen oder auch Bergzeitfahren, im schönen Thüringer Wald. Witziger Weise erzählten sie auch, dass solch ein Rennen angeblich Spaß machen soll. Jaja… ich konnte es kaum glauben. Das Bergauffahren stellt für mich immer das notwendige Übel dar, wenn man genussvoll bergab rollen möchte. So konnte ich mir dieses Rennformat nur schwer vorstellen.

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Kurzentschlossen meldete ich mich am Donnerstag vor dem Rennen an und wollte mich selbst überzeugen. Die Strecke war mit 7,2 km und 400 hm recht überschaubar und fürs Kennenlernen super geeignet.

DSC00453Am Sonntagmorgen schien die Sonne und wir frühstückten bei sommerlichen Temperaturen ausgiebig auf der Terrasse. So könnte jeder Tag beginnen 🙂 Gegen 8 Uhr starteten wir dann in Richtung Schmalkalden, genauer gesagt ins beschauliche Floh-Seligenthal. Dort angekommen ging es zur Startnummernausgabe. Wuhu, mit jeder Minute war ich aufgeregter. Die Fahrer starteten paarweise alle 30 Sekunden. Und so hieß es für mich 10:10:00 h Start frei. Mein Mitstarter sprintete gleich los und ich sah ihn nach knapp 100 m nicht mehr. „Nun gut“ dachte ich mir, „erst einmal ruhig beginnen, atmen und das eigene Tempo fahren“. Und siehe da, kurz vor Kilometer 1 überholte ich die ersten 3 Männer, die bereits jetzt am Ende ihrer Kräfte waren. So schien es jedenfalls. Zunächst war ich verwundert, dass ich bereits jetzt Mitstreiter überholen konnte, aber warum nicht. In diesem Moment fuhr auch mein Freund an mir vorbei, der 30 Sekunden nach mir gestartet war. Er bestärkte mich nochmals, mein Tempo zu fahren und so weiter zu fahren wie bisher. Dann war er weg.
DSC00435Als ich den nächsten Mann überholt hatte, merke ich, dass er plötzlich in meinem Windschatten fuhr und mich auch noch bis Kilometer 5 begleiten würde. Irgendwie störte er mich. Ich versuchte meinen Rhythmus bei zu behalten. Doch immer wieder drehte sein Reifen durch und es fühlte sich an als würde er mir gleich auffahren. In steileren Stücken konnte ich Abstand rausfahren, doch dann war er immer wieder da…. Maaaaaaan, kann der nicht sein Tempo fahren?! Im Stehen drückte er die Anstiege hinter mir hoch, atmete schwer. Immer wieder versuchte ich weniger steile Abschnitte zum Beschleunigen zu nutzen und um die Beine zu entspannen. In Gedanken versunken fand ich dann endlich einen guten Rhythmus den ich noch lange Zeit fahren konnte. Plötzlich überholt mich eine FahrerIn!!!! Hoppla… fast erschrocken realisierte ich wie schnell sie war. Locker flockig kurbelte sie an mir vorbei und baute den Abstand aus. Wir befanden uns bei Kilometer 5 und ich versuchte nun auch etwas zügiger zu fahren. Doch an ihr dran zu bleiben war eine Utopie! Respekt! Am Streckenrand standen immer wieder Menschen, die vorbeikommende Fahrer motivierten und freudig bejubelten. Bald geschafft. Meinen Windschattenfahrer konnte ich abhängen und auf den letzten Kilometern überholte ich nochmals 4 oder 5 Männer. Hach, ein gutes Gefühl. Dann ging es auf den letzten Kilometer und ich versuchte nochmal Gas zu geben.

Die letzten Höhenmeter sollten direkt zur Ebertswiese am Rennsteig führen. In der letzten Schotterkurve schaltete ich hoch, begann im Stehen den letzten  Anstieg zu bezwingen. Knapp nach der Hälfte brannten mir die Oberschenkel. In dem Momente kam glücklicherweise mein Freund aus der Menge und brüllte mich die letzten 50 m den Zielhang hinauf. Danke!!!! Angekommen wusste ich kurz nicht ob ich mich hinlegen oder einfach ein Stück laufen sollte. Ich entschied mich für letzteres und versuchte den Puls herunter zu bekommen. Oh mein Gott, war das anstrengend! Meine Zeit von 30:07 Minuten stimmte mich vollkommen zufrieden. Mein persönliches Tagesziel war erreicht 😉

Schlussendlich wurde ich mit einem 4. Platz in der Gesamt Damenwertung und dem 1. Platz in meiner Altersklasse belohnt. Gratulation an die restlichen Damen und die Klasse Leistung!DSC00489

Mein Fazit:
Eine interessante Erfahrung, die ich nicht bereue.  Da dieses Rennformat, getreu dem Motto „kurz und schmerzhaft“, bereits zum Mittag Geschichte war, konnten wir den Sonntag noch in vollen Zügen genießen!

Gewicht ist das A und O! Und wer nicht bei sich selbst beginnt, nimmt eben das Mountainbike. Der Gesamtsieger der Herren optimierte sein Fahrrad sogar so effizient, dass er kurzerhand die Hinterradbremse demontierte, um Gewicht zu sparen. Auch prägten Starrgabeln, Carbon und viel zu dünne Reif(ch)en ohne Profil das Bild am Wochenende. Anscheinend hat jede Renngemeinde ihre witzigen Eigenheiten! Das nächste Wochenende geht’s dann in den Harz zur Trail Trophy, wo Pike und Hans Dampf zum guten Umgangston gehören 😉

Ähnliche Beiträge: