Der Schichtdienst und der Alltag – wie passt das alles unter einen Hut ? Ina erzählt über Ihren Ablauf – wer kennts?

 

 

Früh-, Tag,- Spät-, Nachtschicht oder Bereitschaft – abgekürzt in verschiedensten Kombinationen: F1, F2, TD, KT, SP, ND, NB. Klingt kompliziert? Ist es auch (vielleicht) irgendwo. Für sehr viele von uns ist es Alltag – der Job im Schichtdienst.

 

Jeder vierte Deutsche arbeitet im Schichtdienst – Tendenz steigend. Die Liste der betroffenen Berufsgruppen ist lange: Kranken/Pflegepersonal, Einzelhandel, Rettungsdienst, Polizei, Pädagogen, LKW Fahrer, Zugführer und viele viele mehr. Die Arbeitszeiten variieren je nach Institution bzw. Betrieb und Anforderungen des Berufsfeldes. Kurz um Berufe haben mittlerweile 365 Tage geöffnet – Tag wie Nacht. Arbeiten am Samstag, Sonntag, Feiertag oder auch an Brückentagen ist völlig normal. Auch ich arbeite seit mehreren Jahren in einem der Berufsfelder, die 365 Tage Dienst nach einem Schichtplan abdecken. Über die Jahre habe ich Vor- und Nachteile kennen lernen können. Ich möchte mit euch meine Erfahrungen im Hinblick von Training, Regeneration und Freizeit teilen – denn die Komplexität von wechselnden Schichten stellt an Körper und Organisation große Herausforderungen.

 

1.   Planung ist die halbe Miete

Der Alltag in einem Schichtbetrieb benötigt vor allem eines: Planung. Ich versuche mir je nach Dienstplan das Training klar auf einzelne Tage verteilt vorzunehmen. Ebenso habe ich in der Arbeit genügend Wechselkleidung inklusive Duschsachen deponiert. So kann ich vor dem Spätdienst aufs Rad und in die Arbeit, oder mal in einer Mittagspause Laufen gehen.

 

2.   Trainieren und Regeneration

Jede von uns sollte in sich hinein hören, wie viel Anstrengung der Körper vertragen kann. Mit halben Akku zu trainieren bringt oft nicht das Ergebnis. Sich nicht nach dem Training regenerieren zu können, weil dann der Arbeitstag bis Mitternacht ansteht, macht es auch oft nicht leichter. In Wochen, in denen ich mehr als 2 mal zwischen späten und frühen Schichten wechsle, treibe ich keinen intensiven Sport. Wenn ich mal 3 Tage am Stück frei habe, versuche ich den ersten Tag für Regeneration her zu nehmen, bisschen Sport zu treiben, mich aber nicht zu überlasten. In den Wintermonaten versuche ich vor den späten Schichten vormittags auf eine Skitour zu gehen, in den Sommermonaten gehe ich Biken. Wichtig ist für mich aber immer, nicht zu überziehen, denn auf mich wartet weder Couch noch Bett, wenn ich fertig bin – der Arbeitstag beginnt ja dann erst.

 

3.   Vorkochen

Im Schichtbetrieb gibt es oftmals keine klaren Pausen oder feste Essenszeiten wie zu hause. Für ausgewogenes Kochen fehlt während der Arbeit (wie in jeder anderen wohl auch) die Zeit. Ich koche daher für die Arbeit oft vor. Entweder koch ich am Abend zuvor mehr für den nächsten Tag, oder friere mal etwas ein und nehme dies dann mit. Wenn es mal schnell gehen muss, greife ich gerne auf Couscous Salat mit zerschnipselter Rohkost, Feta und Nüssen zurück. Geht schnell und kocht sich quasi mit heißem Wasser selbst.

 

4.   Genügend Trinken

Ich bin in der Arbeit viel auf den Beinen und vergesse gerne mal zu trinken. Ich stelle mir seit neuestem eine 1L Flasche auf dem Schreibtisch. So vergesse ich es viel weniger, genügend zu trinken.

 

5.   Schlaf

Durch den Schichtbetrieb ist der Schlafrhythmus schnell und immer wieder durch einander. Jede Planung und Vorbereitung des Trainings bringt sehr wenig, wenn der Körper durch verschobene Schlafzeiten nicht zur Ruhe kommt und ein Schlafdefizit entsteht. Dies passiert schnell, wenn man im Wechselbetrieb zu tun hat und manchmal nur die gesetzliche Ruhezeit zwischen den Schichten einhält. Mir selbst geht es so: Komme ich nach einem Spätdienst um 22.15 Uhr raus und geh nach hause, kann ich nicht sofort schlafen. Also bin ich mal schnell bis 00.30 oder 1 Uhr wach. Um 9.15 Uhr dann wieder nach der gesetzlichen Ruhezeit weiter zu powern im Job und im Training ist recht hart. Training bei wenig Schlaf durch zu drücken, bringt einfach nichts. Denn das Schlafdefizit ist nicht nur mal vorhanden, sondern der ganz normale Alltagswahnsinn.

 

6.   Das Training alleine ist oft hart, aber es macht auch härter

Die meisten Trainingsgruppen treffen sich an einem Tag zu einer gewissen Zeit, um ungeliebte Trainingseinheiten zu absolvieren. Im Schichtbetrieb kann man sich nicht regelmäßig festlegen, an einem Training teilzunehmen. Also muss man selbst ran. Und ja, es ist oft schwer, sich aufzuraffen und was bestimmtes zu machen. Aber wenn man sich gerne bewegt, dann findet man immer einen Weg. Ich durchstreife daher Fitnessstudios in den frühen Morgen- oder sehr späten Abendstunden. Aufs Bike komme ich zu den unterschiedlichsten Uhrzeiten. Manchmal ist es echt zäh, viel alleine unterwegs zu sein, weil die Gruppe sich gerne zu schichtunkompatiblen Uhrzeiten treffen. Doch ich habe festgestellt, dass mich die Aktivitäten mental stärker gemacht haben.

 

Fazit:

Im Schichtdienst ist es unglaublich wichtig, auf sich und die Signale des eigenen Körpers zu hören. Es bringt nichts, Schlafdefizite aufzubauen oder nach einer 7 Tage Wochen sich hoch intensive Trainingseinheiten vorzunehmen. Wir alle können in uns hinein hören und spüren, was wir brauchen. Manchmal ist es die lockere Ausfahrt zur Eisdiele, manchmal der geliebte Trail, oder man geht einfach ballern bis die Lunge brennt. Doch zu guter Letzt ist auch das Faulenzen auf der Couch oder im Liegestuhl ein genauso gutes Training, wenn der Körper auf immer wechselnde Gegebenheiten reagieren muss.

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