„Biken nach der Geburt“ oder „Biken wie neugeboren“

02. April 2017 | Christin | Aus unserem Bike-Alltag |

Foto: privat

Eines Nachts nach der Geburt unseres kleinen Sohnes kam mir der freudige Gedanke, mal wieder biken zu gehen. Die Radklamotten hatte ich in der Schwangerschaft schon weit weg gelegt, denn abgesehen davon, dass sie nicht passten, hielt ich mich eher durch ausgedehnte Wanderungen fit, als Rad zu fahren.

Die erste Tour

Genau drei Wochen nach dem großen Ereignis war es dann soweit. Unsere Hausgeburtshebamme gab mir grünes Licht. Ich zog die Bikebaggy meines Mannes an, denn meine eigenen passten mir noch nicht. Auch das Trikot spannte und ich sah aus, wie in den alljählich erscheinenden „Wampe-Weg-Artikeln“ der Bikezeitschriften – was mir allerdings so was von EGAL war, denn ich fühlte mich großartig. Mit vollem Elan fuhr ich durch den Englischen Garten in Landsberg  und dann den Lechhang hinauf. Am Anstieg überholte mich ein Opa auf dem Trekkingrad. Und ja – das hat mich sogar gewurmt, wohlwissend, es heute ganz entspannt anzugehen. 😉  Die Lechhangtrails mit Alpenblick fühlten sich für mich dann an, wie im Singletrailpark – FLOW! FREUDE! ÜBERSCHWANG! Diese erste knapp 10 km lange Tour werde ich sicher nie vergessen.

Alleine, als Paar und Familie biken

Fortan startete ich zwischen den Stillpausen öfters alleine eine Geländeradrunde bis zu 1,5 Stunden und kam mit einem wahnsinnsbreiten Grinsen wieder nach Hause.

Zweieinhalb Monate nach der Geburt besuchten wir zweimal die frischgebackenen Großeltern in Bayerns benachbarten Freistaaten. Die Tatsache, dass unser Sohn auch aus der Flasche abgepumpte Muttermilch trank, ermöglichte meinem Mann und mir einige schöne gemeinsame MTB-Touren. Die Miriquidi-Bike-Trails in meiner Heimat oder die Pfade an den Südthüringer Muschelkalkhängen im Werratal bereiteten uns unheimlich viel Spaß. Wir genossen es, einmal nur zu Zweit „richtig“ Mountainbiken gehen zu können, was leider mittlerweile viel zu selten vorkommt, aber dadurch umso schöner ist.

Später sorgten dann Anhängertouren im Gelände für einen ungemein hohen Trainingseffekt. 1000 Höhenmeter auf 40 Kilometern im Mittelgebirge mit dem Kolofogo sind für mich echt die Schmerzgrenze. 😉

Im gleichen Jahr gönnten wir uns ein MTB-Tandem und drehen seitdem mit unserem Nachwuchs unsere Runden. Der Anhänger fühlt sich nur halb so schwer an, und wir fühlen uns als Elternpaar doppelt so stark.


Bikeurlaub mit Säugling?

Auch das funktioniert. Als unser Sohn vier Monate alt war, genossen wir mit Freunden im Vinschgau unseren ersten Bikeurlaub. 11 Stunden Sport in fünf Tagen waren auch für mich als voll stillende Mama möglich – Touren mit Partner, als Familie und mit Freunden. Ich war total happy den Holy Hansen-Trail zu fahren, auch wenn der Anstieg mit knapp über 1000 Höhenmetern, Schnee und 2°C am Traileinstieg zu den wohl am hart erkämpftesten für mich bisher gehörte. Und ebenso toll für mich war auch, dass ich zu diesem Zeitpunkt mein vorheriges Gewicht wieder erreicht hatte, waren es doch ‚mal 20 kg mehr.

Phänomen Mut

Ich bin selbst über mich überrascht, denn seit der Geburt fahre ich besser Mountainbike denn je. Spitzkehren z.B., mit denen ich bisher eher auf Kriegsfuß stand oder einfach prophylaktisch abstieg fahre ich nun einfach. Ausreden, wie „Ach, die ist eh viel zu eng“ oder „Ach, ich übe die später mal richtig“ habe ich nicht mehr. Ich fahre sie einfach! 😀 Ebenso andere technische Stellen. Ich erkläre es mir so, dass es die Kombination ist aus extremer Motivation und der Tatsache, zu wissen, dass es nicht unendlich viele Gelegenheiten zum Biken gibt. Auch mein erster Bikeparkbesuch in St. Andreasberg / Harz hat mich richtig gepusht. Im Tal noch mit vor Adrenalin schlotternden Beinen angekommen, keimte in mir der Wunsch auf: „Droppen zu lernen, wäre auch ‚mal ‚was.“

Fazit

Biken ist (nach wie vor) der schönste Sport der Welt für mich! Daran hat das Mama-Sein nix geändert. 😉

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