bike-components TrailTrophy Latsch 2018

01. Juni 2018 | Steffi F. | Rennfieber | Rennberichte,

Zum bereits neunten Mal fand letztes Wochenende die TrailTrophy Latsch statt. Klar, dass auch wir Mädels vom Team GIRLSRIDETOO.DE wieder mit am Start waren. Traditionellerweise startete das Rennen bei typischem Vinschgauer Sonnenschein und warmen 27°C. Auf dem Plan für den Nachmittag standen 3 Stages, garniert mit etwa 450 selbst zu erarbeitenden Höhenmetern.

Tag 1:

Für mich war’s das erste Rennen der Saison, und wie jedes Jahr bin ich am Start unglaublich nervös. Als mir der Streckenposten am Start von Stage 1 sagt „Du kannst wenn du magst“ hätte ich fast geantwortet „Ich mag aber nicht“. Aber natürlich trete ich stattdessen an und das altbekannte „piep“ des Transponders ertönt, als ich durch das Startgatter fahre: Racemodus an! Die erste Stage schlängelt sich anfangs im Slalom durch den lichten Kiefernwald, bevor es auf einen flachen Waalweg geht. „Hätte ich mal mein Wintertraining nicht so vernachlässigt“, denke ich noch, als mir nach kurzer Zeit die Beine brennen. Nach einem kurzen Abstecher ins Gemüse (den offensichtlich auch einige Fahrer vor mir schon genommen haben) sehe ich das erlösende „50m to finish“-Schild und werde kurz darauf von dem wilden „pieppieppieppieppiep“ des Transponders erlöst.

Nach einem kurzen Anstieg stehen wir dann auch schon am Start von Stage 2, dem sogenannten „Bierkeller-Trail“. Ich kenne den Trail noch von der letzten TrailTrophy und erinnere mich an die vielen Leute mit Platten. Etwas zu motiviert starte ich in den Trail und finde mich 100m bereits mit dem Rad quer zur Strecke stehend wieder. Wie zur Hölle ist das den jetzt passiert? Innerlich ermahne ich mich zur Vorsicht und fahre mit etwas reduzierter Geschwindigkeit weiter, um weiteren Blödsinn zu vermeiden. Im darauffolgenden Steinfeld rettet mich trotzdem nur das in meinem Hinterrad verbaute Procore vor einem fiesen Durchschlag. Irgendwie komme ich nicht so richtig in den Flow.

Die letzte Stage des Nachmittages ist die Lieblingsstrecke von Veranstalter Thomas Schlecking: der Jägersteig. Die Strecke beinhaltet zwei richtig fiese Gegenanstiege. Der zweite und längste findet schier kein Ende. Ich schalte daher runter und versuche im Sitzen einfach nur oben anzukommen. Auf halber Höhe hängt an einem Baum ein Schild mit der Aufschrift: #spiritofenduro …jaaa so ein bisschen Atem wäre jetzt schön!! Als der Untergrund endlich wieder abfällt und es den verblockten Wanderweg nach unten geht, denke ich nur noch, dass ich noch nie in einem Rumpelstück so entspannt habe!

Nach der Pastaparty am Festgelände startet der zweite Teil des Tages: der Nightride! Noch einmal geht’s den Berg hoch, zu den Montani-Burgen. Am Start des Trails werden wir gut gelaunten „Gate Directors“ (so heißen bei der TT die Posten, die die Zufahrt in die Stages regeln) mit Musik und Gummibärchen empfangen. Der Spitzkehren-Trail ist auch bei Nacht gut zu fahren und zum ersten Mal an diesem Tag habe ich das Gefühl, meinen Flow gefunden zu haben.


Tag 2:

Der zweite Tag der TrailTrophy ist traditionellerweise der, an welchem die meisten Höhenmeter aus eigener Kraft bewältigt werden müssen. Für heute stehen 800hm auf dem Plan. Wir starten bei besten Bedingungen (wolkenloser Himmel) ein zweites Mal zu den Montanis, wo wir die Nightstage bei Tageslicht wiederholen dürfen. Danach folgt der längste Transfer des Rennens bis zum Start des Aigen-Trails. Hier merke ich ein weiteres Mal, dass es irgendwie nicht so richtig läuft. Der rutschige Untergrund macht mir zu schaffen und ich schaffe es nicht wirklich Gas zu geben. Also rolle ich streckenweise nur unmotiviert dahin und versuche wenigstens die schöne Aussicht übers Tal zu genießen.

Nach der Stage folgt ein weiterer Anstieg bis zu Verpflegungsstation, wo wir mit Wasser, Eistee und Energieriegeln empfangen werden, bevor es weiter nach oben geht zur Stage 7. Diese startet in einem dunkeln Hohlweg, bevor es Spitzkehren par excellence gibt! Nicht alle Kehren schaffe ich ohne den Fuß runter zu nehmen, aber ich liebe die Herausforderung der Kehren und vergesse mittendrin sogar, dass ich grad auf einer Rennstrecke unterwegs bin. Erst als ich auf die vor mir fahrende Sabrina auffahre packt mich wieder der Ehrgeiz und sie lässt mich in einer etwas breiteren Kehre überholen. Yeah!

Vom Ziel der Stage 7 geht’s zurück zum Festgelände zum Mittagsimbiss. Hier werden wir bestens mit belegten Vinschgerln und Kuchen versorgt bevor es dann mit dem Shuttle weiter geht zu Stage 8 und 9. Noch kurz den Halbschalenhelm gegen den Fullface getauscht und los geht’s! Einen riesen Respekt in diesem Fall an die Shuttlefahrer: durch die große Teilnehmeranzahl beim Rennen treffen sich die Shuttles auf der schmalen Bergstraße. Mit nur wenigen Millimetern Abstand manövrieren die ihre Busse mit den großen Fahrradanhängern aneinander vorbei und halten dabei noch ein kurzes Schwätzchen durch die offenen Fenster. Diese Ruhe hätte ich auch gerne mal…

Stage 8 &9 sind dann Teil des Monte Sole –Trails. Für das fiese Steinfeld gibt es inzwischen eine flowige Umfahrung die mit ihren Bodenwellen fast Pumptrack-artig ausfällt. Was bei geringeren Geschwindigkeiten Spaß macht wird im Renntempo allerdings zur Tortur; schon nach kurzer Zeit brennen meine Oberschenkel vom Wegdrücken der Wellen. Stage 9 startet dann auf den Annenberger Böden und zieht sich am Hang entlang bis fast zur Hängebrücke. Die größte Herausforderung hier: der viele Sand und Staub auf den Felsen. Bodenhaftung ist hier ein Fremdwort, und ich bin sehr froh auf den Fullface-Helm gewechselt zu haben.

Abends gibt es dann großes (und leckeres) BBQ am Festgelände. Mit müden Beinen falle ich anschließend relativ früh in mein Bett.


Tag 3:

In der Nacht hat es geregnet und morgens am Start macht sich leichte Panik breit. Heute stehen der 1er und der Roatbrunntrail auf dem Programm. Beides Trails, die bei Feuchtigkeit schnell zu einer großen Rutschpartie werden. Während der Shuttle-Fahrt zur Talstation der Tarscher Alm-Bahn gibt es kein anderes Thema als die Frage, wie nass es wohl sein wird. Auf dem kurzen Transfer zum Start der Stage wird aber klar: es ist bei weitem nicht so schlimm wie erwartet! Trotzdem macht es uns Stage 10 nicht leicht: Im steilen Gerümpel verstecken sich immer wieder noch feuchte Wurzeln, die mir das Vorderrad in Richtungen rutschen lassen, in die ich eigentlich gar nicht wollte. So parke ich auch in einer Rechtskurve plötzlich frontal im Flatterband der Strecke. Dass mich der Streckenposten nett drauf hinweist, dass es nicht hier, sondern in die andere Richtung weitergeht, hilft mir in dem Fall auch nicht wirklich weiter. Laut fluchend befreie ich mich und weiter gehts. Doch der Flow stellt sich erst ganz am Ende der Stage wieder ein, wo die Jungs von Bike Projects einen komplett neuen Streckenabschnitt abgesteckt haben, komplett auf frischem, fluffigen Waldboden (wem das nichts sagt: vergleichbar mit Tiefschnee-Powder!)!

Stage 11 fahre ich dann komplett auf Sicherheit. Der Schreck von meinem Ausflug ins Flatterband sitzt mir noch in den Knochen, so dass ich versuche einfach nur sicher unten anzukommen. Die Stage ist cool, ein schöner Wechsel von anspruchsvolleren, verblockten Abschnitten und flowigen Stücken auf denen man auch mal kurz entspannen kann.

Die letzte Stage des Rennens findet dann in Teilen wieder auf dem Jägersteig statt, allerdings ohne die fiesen Uphill-Passagen. Als Ersatz gibt es ein paar steile enge Kehren und nochmal ein Sprintstück. Nach dem ersten Steilstück sehe ich den vor mir gestarteten Fahrer, was mich nochmal anspornt auch das letzte Fitzelchen Power aus meinen müden Beinen rauszuholen. Zum Überholen reicht es trotzdem nicht ganz, aber wir rollen direkt hintereinander durch’s Ziel.

Am Festgelände angekommen kann man dann beim großen TrailTrophy-Gewinnspiel sein Transponderpfand (oder zumindest einen Teil davon) gleich in die Trailpflege investieren:  Eine – wie ich finde – sehr coole Aktion! Und „nebenbei“ kann man im Rahmen dieser Aktion am Ende der TrailTrophy-Saison auch noch ein Santa Cruz Nomad im Wert von rund 10.000 € gewinnen

Auch wenn ich mich auf dem einen oder anderen Abschnitt zwischendurch nicht so wohl gefühlt habe – für den Sieg in der „Ambassador“ -Class hat es dann doch gereicht, „overall“ zur siebschnellsten Zeit bei den Frauen. Also alles in allem besser, als ich befürchtet hatte. Somit war’s am Ende eine rundum gelungene Veranstaltung und ich freue mich schon auf die nächste TT in Flims Laax in der Schweiz.

Alle Infos zur bike components TrailTrophy-Serie gibts unter: http://www.trailtrophy.eu/

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