Abenteuer Neurad

Als ich Anfang 2017 mein allererstes Enduro-Bike bekam, war ich so begeistert, dass ich mir nie hätte träumen lassen, dass ich nur ein Jahr später bereits „unbedingt“ ein neues Modell brauchen würde. Was auf den ersten Blick vielleicht einfach klingen mag, entpuppte sich jedoch als langwierige, nervenzehrende Aktion, von der ich hier berichten möchte….

Im Januar 2017 war es soweit: nach langen Überlegungen rund um Federweg, Geometrie und Co. kam bei mir das langersehnte Paket mit meinem ersten vollgefederten MTB überhaupt an. Ich war hin- und weg! Diese Begeisterung hielt fast das gesamte Jahr über an, während ich mit meinem Bike zum ersten Mal „richtige“ Trails fuhr, Bikeparks besuchte und nach und nach sicherer wurde.

Das hätte immer so weiter gehen können, doch dann kam der Herbst mit seinem kalten, nassen Wetter. Der Shapeshifter meines Rades (damit lässt sich der Dämpfer auf 130 oder 160 mm einstellen und die Geometrie des Rahmens verändern) funktionierte nicht mehr und musste eingeschickt werden, was einige Zeit in Anspruch nahm und sehr nervte. So nahm die Begeisterung nach und nach ab, zumal auch der neue Shapeshifter ab Temperaturen von unter 10 Grad meist streikte. Hinzu kam der nicht unerhebliche Aspekt, dass alle, einfach ALLE anderen plötzlich neue Bikes hatten. Das kleine, kaufsüchtige Mädchen in mir, das unter anderem für meine pinkfarbenen Bikeschuhe, mein Einhornshirt und meine umfassende Sammlung an Mudguards verantwortlich ist, schrie verzweifelt und immer lauter danach, dass ich ebenfalls dringend ein neues Rad bräuchte! Und so fing der eigentliche Spaß erst an…

Bye bye Canyon…

Nach einigem Hin- und Herüberlegen beschloss ich, meinen Studentengeldbeutel zu schonen und nur einen neuen Rahmen zu kaufen, an den ich dann alle Teile meines aktuellen Bikes bauen wollte. Das es natürlich nicht ganz so einfach werden würde, ahnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, aber wenn ich einmal mit dem Geld ausgeben angefangen habe, bin ich schnell dabei, noch mehr auszugeben (das ist wohl wieder das kleine, kaufsüchtige Einhorn-Glitzer-Mädchen in mir!). So wurde aus einem neuen Rahmen schnell ein neuer Rahmen + neuer Dämpfer (zu meiner Verteidigung: der alte hatte leider nicht die passenden Maße!) + neue Schaltung (also von 2×10 auf 1×12, was ich auch noch keine Sekunde bereut habe 🙂 ). Da ich nun schon einmal dabei war, mir ein komplett schwarzes Bike aufzubauen (das wollte ich schon immer haben!), mussten natürlich auch die Decals an der Gabel, die Griffe und der Sattel getauscht werden (auf dem Foto ist das Rad noch mit meinem alten Sattel zu sehen).

Als der große Tag endlich da war (zwei furchtbare Tage später als ursprünglich angegeben) und ich den neuen Rahmen in der Hand hielt, war ich wirklich begeistert! Die Farbe und die Geometrie gefielen mir noch besser als auf den Fotos im Netz. Also hieß es: schnell alle Teile vom alten Radl abmontieren, reinigen und an den neuen Rahmen bauen.
Während sich das Verlegen der Bremsleitungen und die Montage von Gabel und Lenker (der Dämpfer war ja zum Glück schon eingebaut) noch problemlos gestalteten, stellte uns (also meinen „Mechaniker“ Papa und mich)  die Sattelstütze auf eine harte Probe. Nach fast zwei Stunden schafften wir es endlich, die vermaledeite Leitung im Rahmen zu verlegen. Während dieser Zeit hatte ich die ganze Zeit über Angst, dass mein Vater alles mit den Worten „Mach deinen Mist doch alleine!“ hinschmeißen würde (an dieser Stelle sei angemerkt, dass ich eine absolute technische Niete bin).
Nachdem die Sattelstütze bezwungen war, fingen die richtigen Probleme jedoch erst an. Ich hatte in meinem jugendlichen Eifer und meiner Unwissenheit (vor allem ihretwegen) nicht bedacht, dass mein neuer Rahmen eine viel breitere Hinterradachse besitzt als mein alter, ich somit das alte Laufrad gar nicht verbauen konnte.
Auch, dass ein Wechsel von Shimano auf Sram einen anderen Freilaufkörper voraussetzt, erfuhr ich leider erst bei der (vergeblichen) Montage. Also mussten ein neues Laufrad (mit neuem Freilauf) her. Das war gar nicht so einfach wie ich dachte und weckte in mir Erleichterung darüber, nicht auch noch eine neue Sattelstütze gekauft zu haben….. Dummerweise bemerkte ich die Hinterrad-Misere ausgerechnet an den Osterfeiertagen, sodass es viel zu viele Tage dauerte, bis das neue Rad da war und ein geplanter Bikepark-Besuch mit dem neuen Bike ausfallen musste.

…Hallo Propain!

Über kurz oder lang und nach einigen, zeitaufwändigen und nervenaufreibenden Ärgernissen beim Einbau der Kurbel (inzwischen hatte ich gefühlt alle Personen, die ich vom Biken kannte, mit Fragen zu diesem und jenem genervt) war das neue Radl dann tatsächlich fertig!
Ich kann es immer noch nicht richtig glauben und habe nach wie vor das Gefühl, dass ich noch hektisch Teile bestellen und Sachen einstellen muss (das Gefühl wird wohl auch noch eine Weile anhalten).

Ob ich diesen ganzen Prozess so noch einmal durchlaufen würde, weiß ich nicht genau, sicher ist aber, dass ich seeehr viel gelernt habe und am Ende ein tolles, neues Radl dabei herausgekommen ist, mit dem ich hoffentlich auch in einem Jahr noch zufrieden sein werde (an dieser Stelle nochmal ein riesiges Denkeschön alle alle freiwilligen und unfreiwilligen Helfer!) 🙂

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