24h Rennen in Finale Ligure oder doch eher ein Festival der Extraklasse?

Meine Teamkollegin Tamara hat schon des Öfteren begeistert von diesem legendären 24h-Rennen in Finale Ligure erzählt, konnte mich aber bisher noch nie davon überzeugen selbst teilzunehmen. Zu groß waren die Bedenken, für ein solches Unterfangen nicht über die ausreichende Fitness zu verfügen, sowie die Angst anschließend wochenlang nicht mehr sitzen zu können 😉

Wie ich mich dann doch dazu überreden lassen hab, dieses Jahr bei der „Vintage-Edition“ zum 20-jährigen Jubiläum teilzunehmen?

Die „Toboga“ von oben

Wir kamen letztes Jahr zufällig genau am letzten Tag des Rennens in Finale an. So beschlossen wir an unserem ersten Urlaubstag, die Strecke des Rennens abzufahren, die teilweise noch ausgeschrieben war beziehungsweise durch Spurenlesen noch leicht nachzufahren war.

Und was soll ich dazu sagen? Die Strecke, die zu 90% aus Trails besteht gespickt mit schönen flowigen bergauf, bergab Passagen im Wald, kurzen technischen Anstiegen für die du mit einem Blick auf die Küste entlohnt wirst und welche als abschließende Krönung noch mit der „Toboga“ – einer Serie an Steilwandkurven- aufwartet, hat mein tiefschlummerndes Cross Country-Herz höher schlagen lassen! Und ich hab den verhängnisvollen Satz „Ach, da bekomm ich grad ‚mal wieder Lust auf so ein CC-Rennen“ fallen lassen.

In weiser Voraussicht haben wir schon mal für die optimale Verpflegung vorgesorgt! DANKE an Sponser Food!

Dass ein solcher Satz bei begeisterten Anhängern des 24h- Rennens auf der Suche nach Teammitgliedern nicht einfach so verhallt, könnt ihr euch ja denken! Somit hab ich im Winter zugesagt quasi für das Team von mtb-news.de alias „Slow-News“ zu starten und hab mir natürlich fest vorgenommen richtig dafür zu trainieren. Ich hab mir eingeredet, dass das genau der richtige Ausgleich zum stressigen Arbeitsalltag ist. Soweit ein guter Plan.

Jetzt wird’s ernst!

Gute 5 Monate später sitze ich im Auto auf dem Weg Richtung Süden und werde das Gefühl nicht los, mir zusätzlich zu dem Alltags-, Arbeits- und Prüfungsstress der vergangenen Wochen nun auch noch den mir allzu bekannten Freizeitstress aufgehalst zu haben. Natürlich hat das mit dem Training als Ausgleich nur halb so gut wie geplant geklappt und ich fühle mich eigentlich alles andere als fit und leistungsfähig… Warum nochmal kann ich nicht auch einfach mal einen Urlaub machen, in dem ich einfach nur am Strand liegen und NICHTS tu?!
Auch die beschwichtigenden Worte meines Freundes, dass wir doch nur zum Spaß mitmachen und wir doch überhaupt keinen Druck hätten, helfen nicht wirklich. Wie oft hab ich das schon gehört oder mir vorgenommen und sobald der Startschuss fällt ist er wieder da – dieser Ehrgeiz und Wettkampf mit den anderen und sich selbst.

Erst als wir am Eventgelände ankommen, unser Zelt aufbauen, ringsherum Musik gespielt und Bier getrunken wird ahne ich, dass die Stimmung hier wohl tatsächlich italienisch ausgelassen und fröhlich entspannt sein wird. Alles ähnelt vielmehr einem ausgelassenen Festival als einer verbissenen Wettkampfatmosphäre.
Dementsprechend, darf man das mit dem wichtigen, tiefen Schlaf vor einem Wettkampf hier nicht so ernst nehmen, gell Tobi? 😉

Los geht’s!

Am nächsten Morgen ist sie wieder da diese leichte Nervosität vor dem Rennen, aber so langsam mischt sie sich auch mit Vorfreude und wir beschließen, dass ich gleich als erste in der Wechselzone warten werde und den Transponder von unserem Startfahrer Tobi P übernehmen werde, der zu den 350hm und 12km der Runde noch zusätzliche 200hm hinter sich bringen muss, da der Start des Rennens unten auf dem Marktplatz an der Finale Marina stattfindet.

Fotos: Tobias Stahl

Ich gehe auf die erste Runde, mit meinem Testrad, dem  SCOTT CONTESSA SPARK 710 und freue mich, dass es endlich los geht und ich mal die gesamte Strecke abfahren werde. Dafür hatte es heute Morgen nicht mehr gereicht. Ich hatte sie ja noch aus dem Vorjahr im Kopf, aber trotzdem konnte sie mich erneut begeistern und verblüffen, wie abwechslungsreich und landschaftlich atemberaubend! Mein persönliches Ziel ist es, wenigstens in der ersten Runde alle steilen und technisch anspruchsvollen Anstiege zu fahren und freu mich über die „Brava Ciclista!“ Rufe meiner italienischen Mitstreiter. Überhaupt fällt mir auf, dass die Stimmung unter den Fahrern sehr locker, freundlich und zuvorkommend ist. Einfach schön und so komme ich mit einem fetten Grinsen und dem Ausruf: „Wie geil ist das denn!“ in die tosende Fankurve in der „Toboga“. Von meinen Teammitgliedern werde ich hier auch gleich nochmal dazu angestachelt auf den letzten Metern nochmal alles zu geben!

Fotos: Tobias Stahl

Unglaublich, auch die zweite Runde macht mir nochmal mindesten genau so viel Spaß und ich bin erstaunt wie schnell diese ca. 45-50 Minuten auf der Rennstrecke verfliegen!
Zugegeben, danach kommt der Mann mit dem Hammer. Ich hab Kopfweh und bin super müde….eigentlich kein Wunder, die vergangenen Wochen mit all dem Stress und wenig Schlaf sind nicht ganz spurlos an mir vorbeigegangen und ich bin froh, dass ich mich für ein paar Stunden auf’s Ohr hauen kann. Weit entfernt höre ich, dass die Party an der Toboga wohl gerade ihren Höhepunkt erreicht hat und ich weiß jetzt genau, so schnell hätte ich nirgendwo sonst den Alltag vergessen und genieße es endlich hier zu sein.

Wenn’s läuft, dann läuft’s!

Um 5 Uhr mache ich mich bereit für eine weitere Runde, mittlerweile ist etwas Ruhe eingekehrt und ich genieße das Fahren in vollen Zügen. Die Stimmung so kurz vor dem Sonnenaufgang ist ganz besonders, die Nacht ist lau, die ersten Vögel zwitschern schon und mein Blick fokussiert sich auf den von meiner Helmlampe erleuchteten Trailabschnitt vor mir.
Beflügelt komme ich ans Camp zurück und freue mich schon auf die nächste Runde!

Fotos: Sportograf

Kurzer Hand entscheide ich mich eine Runde mit dem SCOTT SPARK RC 900 WORLD CUP, quasi dem Weltmeisterbike und gleichzeitig Testbike meines Teamkollegen, auf die Strecke zu gehen.
Ich sag nur so viel, nach der Runde hatte ich Angst, dass wir aufgrund von Wettbewerbsverzerrung disqualifiziert werden. Das Rad ist eine Rakete und ich bin sehr erstaunt, wie lange ich doch am Hinterrad eines super durchtrainierten Italieners bleiben kann! Auch bergab fühl ich mich sehr sicher und rausche berauscht von Glückhormonen über die Trails mit Blick auf das türkisblaue Meer und natürlich darf mit so einem Rad ein kleiner „Nino Schurter – Gedächtnis – Jump“ nicht fehlen – okay, ohne Whip und vielleicht auch nicht ganz so hoch 😉

So angefuchst von dieser Runde, überzeuge ich meine Teammitglieder davon, dass ich am besten gleich nochmal auf die Strecke muss und genieße meine 5. und letzte Runde in vollen Zügen!

Die Camp-Crew

Ihr wollt wissen welche Platzierung am Ende für uns rauskam? Ganz ehrlich, ich weiß es selber nicht und bin immer noch fasziniert davon, dass es hier tatsächlich um den Spaß und allerhöchstens um die teaminterne Bestzeit ging!

 

P.S. Das Problem mit dem Sitzen hielt sich stark in Grenzen und am Dienstag saß ich schon wieder auf meinem geliebten SQ-Lab Sattel 😊

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