It’s Fun, it’s Hard, it’s Crazy! – It’s the 24 h of FINALE

21. Juni 2015 | Tamara | Rennfieber | Rennberichte,

20150524-_MG_6423An Pfingsten war es wieder soweit: 24h Rennen in Finale! Das 24h Rennen in Finale ist nicht irgendeines, das im Rennkalender steht, nein die Veranstaltung hat absoluten Kultstatus und ist jedes Jahr ein großes Saisonhighlight für mich.

Die Strecke ist der echte Wahnsinn! Eine richtig schöne anspruchsvolle XC-Strecke durch Waldstücke und entlang der Steilküsten oberhalb von Varigotti. Auf 11,7km und 300 Höhenmeter findet man ca. 95% Singletrail-Anteil zusammengesetzt aus trockenen, wurzligen Waldpassagen, Traum-Panorama-Steilküstenabschnitten, ausgesetzte Rampen, verblockte Uphills, anspruchsvolle und flowige Downhills. Einfach mal ALLES! Ich denke, im 24h-Rennformat sicherlich eine einmalige Strecke.

Schon seit sieben Jahren weiß auch eine Gruppe von Unisportlern von diesem genialen Rennen und kann gar nicht anders als immer wieder zu kommen. Und so traf sich auch dieses Jahr wieder ein verrückter Haufen der Stuttgarter MTB-Unisportler. Mittlerweile gehören diesen Bikern etwas weniger Studenten an und es ist eine wilder Haufen aus Freunden und Gönnern, ewig junggebliebenen Studenten, ausstudierten Ingenieuren, erste Väter mit Familie, Partner und BetreuerInnen, sowie Freunde von Freunden die in dieser Kulisse Urlaub machen wollen. Und auch ich und mein Freund Simon freuen uns zu diesem Event alle mal wieder zu sehen und zu diesen Verrückten dazu zu gehören. Insgesamt waren wir fast 50 Personen die sich auf Fans und acht Teams verteilen.

Ein ganz besonderes Special in diesem Jahr war, dass wir es doch tatsächlich geschafft haben endlich mal ein reines Damenteam zu stellen. Nach langer Planung und Teammitgliedersuche, waren wir von einem gemeldeten 8er Team nun zu viert übrig. Nicht alle im Team kannten sich und keine von uns hatte eigentlich vor in einem 4er zu starten. Also hieß es vor Ort am Morgen des Rennens die letzten Stunden uns kurz kennenzulernen und beratschlagen ob wir nicht doch noch das Team mit ein paar Jungs auffüllen wollen. Wir wollten nicht.

Wir wagten es also im 4er zu starten. Die Spannung vorm Start stieg, wussten wir doch nicht mal voneinander wie stark wir im Einzelnen sind und wie wir in möglichen Extremsituationen währen dieser 24h reagieren würden. Ein Ausfall und wir würden es vermutlich nicht schaffen das Team zu Dritt aufrecht zu erhalten. Es hieß Ruhe bewahren und grob mal die Runden und Wechsel planen sowie mögliche „Was wenn“ ansprechen.

Dann zwei Stunden vor dem Start ein Hinweis unserer männlichen Kollegen, dass eine von uns ja unten in Finale starten müsse. Was? Wieso? Wir hatten unseren 8er in ein „Profi“ 4er Team umgemeldet. Na super… „Unten“ starten bedeutet: Le-Mans-Start auf dem Marksplatz mit anschliessendem Bergrennen zur Rennstrecke. Nach aufgeregter Diskussion nahm uns Farina die Entscheidung ab und bot an, den Start zu übernehmen. Aufatmen bei uns anderen. Farina begab sich an den Start ans Meer und wir anderen bereiteten uns und unsere Bikes für den Einsatz vor.

(Fotos: Sportograf.com / privat)

Der erste Wechsel brachte mich auch schon auf meine erste Runde. Ich versuchte mich zurückzuhalten. In Anbetracht dessen, dass wir noch knapp 23h vor uns hatten und ich doch die Stärkere der Gruppe war, wir nicht wussten was noch so kommen wird, war mein Plan die ersten Runden im Tourentempo zu fahren. Schon eine Radlänge hinter dem Start war mir klar, was das für eine Schwachsinnsidee ist. Ich konnte mich natürlich keineswegs zurückhalten und so war ich sofort im Renntempo unterwegs. Auf der ersten Runde wurde ich trotzdem ausgebremst. Ich hatte ziemlich mit dem Gedränge auf der Strecke zu kämpfen, da sich das Feld der „Gemütlicheren“ um mich herum noch nicht so recht entzerrt hatte. Ohne weitere Probleme konnte ich an Melanie übergeben.

Auch die weiteren ersten Wechsel verliefen reibungslos und auch das Tempo stimmte für jede Einzelne. Ab Mitternacht wechselten wir den Turnus auf 1-2-1-2, so dass jeder mal eine etwas längere Ruhepause bekam. Schon am Abend fing es an leicht zu nieseln und gerade um 00:00 sollte ich wieder an der Reihe sein und der Niederschlag wurde stärker. Ich musste über eine halbe Stunde im Regen auf meine Teamkollegin warten. Leicht panisch überlegte ich was wohl passiert ist, ob ich zurück ins Fahrerlager soll, sie evtl. dort aufgeschlagen ist mit einer Panne… Ich wartete dann doch noch länger. Als meine Kollegin dann kam ging es ihr körperlich gar nicht gut und wir beschlossen, dass sie sich nun hinlegt und ich zwei Runden am Stück fahre. Keine gut durchdachte Idee. Mein erstes Licht fiel schon nach der ersten Hälfte der Runde aus. Das zweite flackerte auf niedrigster Stufe im roten Bereich. Ich hoffte nur noch, dass ich mit dieser Funzel ins Ziel komme und ich nicht am anderen Ende der Runde plötzlich im Stockdunkeln stehen würde. Das Licht hielt bis genau an die Ziellinie, also ab ins Fahrerlager und panisch nach geladenen Akkus schreien. Das Schreien half und ich konnte mit nur 3 min Pause wieder auf die Runde. K.o. und total durchnässt und verfroren durch den anhaltendem Starkregen, mit pochendem Handballen und offenem Knie – da es mich über eine verblockte Stelle über die glitschigen Steine direkt in die Arme der dort vorsorglich positionierten Sanitäter schlug – legte ich mich dann für knapp drei Stunden in den Schlafsack. Sollten doch meine Teamkolleginnen nun mal weitermachen.

Und ich konnte tatsächlich etwas erholsamen Schlaf finden. Meine Teamkolleginnen haben in der Zwischenzeit gute Arbeit geleistet und sind ohne Pannen und Ausfälle durchgefahren. Ich gönnte mir frische Bikeklamotten und ein Milchreisfrühstück aus dem Tetrapack, dann ging es auch schon auf die Piste. Herrlich so ein neuer Tag – kein Regen, abgetrocknete Trails, die Sonne grad noch ein bisschen am aufgehen und schon wärmend, sowie wenig Verkehr auf der Strecke (scheinbar gönnen sich manche Teams die Nacht über komplett eine Pause). Das Leben ist doch einmalig schön! Sonntag zog sich das Rennen bis 14:30 dann doch noch ganz schön in die Länge. Auch hatten wir noch etwas Zeiteinbuße da Melanie zwei Platten hintereinander hatte, somit beim zweiten keinen Ersatzschlauch mehr dabei hatte, 4 km zurück joggen musste ,um dann wieder einzusteigen. Aber auch den Vormittag schafften wir und jede wuchs nochmal ein bisschen ihrem Level entsprechend über sich hinaus und biss sich die letzten Runden durch.

Der Blick auf die Zwischenergebnislisten war verwirrend. Wir wurden zwar aufgeführt, aber es war nicht ganz klar ersichtlich wie viel Konkurrenz wir an Damenmannschaften haben und wie viele davon die „Profi“ 4er Kategorie gewählt hatten, aber wenn es gut für uns läuft müssten wir 2. oder 3. sein… also nochmal alles geben!

(Fotos: Sportograf.com / privat)

In der letzten Runde ging es dann noch richtig rund. Der Downhill in der Nähe des Festivalgeländes ist in den Steilkurven mit Fans gefüllt, die die letzten Fahrer aller Teams nochmals richtig pushen. Hier sieht man Alles, alle Variationen von verkleideten Bikern, anonyme Flitzer vom Bodensee, Biker die nochmal zu einem lässigen Sprung ansetzten, Fahrer die ihren nackte Arsch raushängen und andere die unter Gejohle noch kleine spektakuläre Stürze verursachen und eine Wasserdusche aus dem Publikum erdulden müssen… ein wahres Fest!

Auch unsere Zielfahrerin wird bejubelt und wir freuen uns riesig, diesen Wahnsinn hinter uns gebracht zu haben. Mit viel Dosenbier, das nach einer solchen Anstrengung besonders gut tut, feierten wir alle unsere Leistungen.

Bei der Siegerehrung werden wir dann auf den erhofften 2. Platz gerufen! Was eine geniale Teamleistung – Danke Melanie, Farina und Sarah. Und auch unsere Männerteams leisteten Großes. Lokomotive Stuttgart schaffte es wieder auf den 2. Platz aller 4er Teams. Vor ihnen nur ein Schweizer Profiteam die das Rennen glaub ein bissel zu Ernst nehmen. Und auch ein weiterer Stuttgarter 4er unter den Top 10 in einem saustarken Starterfeld!!!

Aber das ist sowieso nicht das Entscheidende in Finale…

Ich hab mir jedenfalls vorgenommen immer wieder zu kommen! Und falls du auch mal in einem Mädelsteam dabei sein willst dann melde dich doch unter tamara(at)girlsridetoo.de und du kannst im nächsten Jahr auch solche Geschichten erzählen!

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